Einfach nur gesund werden Lesereihe „Lese-Rampe“ in Osnabrück: Zwei Schicksale, die berühren

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Mareike Eigenwillig las im Unikeller aus ihrem noch unveröffentlichten Roman „Ich entscheide, Sophia starb“ vor. Foto: Swaantje HehmannMareike Eigenwillig las im Unikeller aus ihrem noch unveröffentlichten Roman „Ich entscheide, Sophia starb“ vor. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Als Gast-Leserinnen von Dr. Harald Kellers „Lese-Rampe“ haben am Freitag die Osnabrücker Autorinnen Martha Maschke und Mareike Eigenwillig das Publikum im gut besuchten Unikeller beeindruckt.

„Ich bin da doof. Ich bin da Kaninchen vor der Schlange. Ich verharre.“ So beschreibt Martha Maschke ihre Empfindungen, als sich die Bettnachbarin nachts über Maschkes Salzstangen hermacht. Und wie ein furchtsames Kaninchen sieht sie auch auf dem Cartoon von Ralf Badtke aus, der passend zur Szene per Beamer an die Wand geworfen wird. Selbstironisch, mit viel Galgenhumor und wenig Selbstmitleid lässt Martha Maschke ihre Krankenhaus-Erfahrungen in ihrem Erstlingswerk „Hommage an mein Bauchgefühl“ Revue passieren. Am Freitag las die unter Pseudonym schreibende Osnabrückerin im gut besuchten Unikeller bei der von Dr. Harald Keller initiierten „Lese-Rampe“ (Kooperation Unikeller mit Literaturbüro Westniedersachsen) einige Passagen daraus.

Obwohl mittlerweile auf den Rollstuhl angewiesen, wirkte Martha Maschke auch im Gespräch mit Gastgeber Harald Keller locker und humorvoll. So verglich sie Krankenhäuser mit Jugendherbergen, in denen man auch nicht beeinflussen könne, mit wem man das Zimmer teilt. Und gerade weil sie in ihrem Buch Schmerzen ebenso thematisiert wie Brechreiz, Panik in der MRT-Röhre oder den Schock über eine geplante Transplantation mit Fremdhaut („Leichenhaut“), wirkte Maschkes Vortrag wie eine Hommage an das Leben. Trotzig wirkte daher jener Satz, der ihren Text wie ein roter Faden durchzog: „Kann doch nicht so schwer sein, einfach wieder gesund zu werden, oder?“ 

Ihre eigenen Erfahrungen mit Klinik-Aufenthalten brachte die frühere Poetry-Slammerin Mareike Eigenwillig mit. In ihrem autobiografisch inspirierten, noch unveröffentlichten „Work in progress“-Roman „Ich entscheide, Sophia starb“ setzt sich die aus Bad Iburg stammende Autorin mit jener Krankheit auseinander, der ihre Protagonistin Tilda den Namen „Sophia“ gibt: Anorexia nervosa. Schilderungen von Tildas Kampf gegen die Magersucht, gegen Brechattacken und Schuldgefühle ließen erahnen, dass die Krankheit ebenso schwer in den Griff zu bekommen ist wie der zwanglose Genuss zweier Schokorosinen. Die Geschichte von Tildas Leiden verknüpfte Eigenwillig zudem mit ihrer Kritik an gesellschaftlich akzeptierten Magerwahn. Wie nachhaltig beide Autorinnen mit ihren Texten das Publikum beeindruckt hatten, zeigte sich an der Reaktion einer Zuhörerin: „Bitte, macht weiter!“    

Aufgrund des großen Interesses findet am 29. September eine zweite Lesung mit den beiden Autorinnen im Unikeller statt. 

(Martha Maschke. „Hommage an mein Bauchgefühl.“ ...die Würde des Menschen ist doch antastbar. Berlin: Lehmanns Media GmbH, 2018. 429 Seiten. 16,95 Euro. ISBN 978-3-86541-933-0. )


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