Theater Osnabrück Acht Schauspieler verlassen das Ensemble

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Osnabrück. Acht Schauspieler, davon zwei Oskar-Darsteller, verlassen jetzt zum Spielzeitende das Osnabrücker Theater. Einige von ihnen waren nur kurze Zeit da, haben aber doch starken Eindruck hinterlassen – eine Bilanz.

Schauspielensemble:

Marie Bauer war zuerst als Gast zu erleben, mit der Spielzeit 2013/14, dann auch als festes Mitglied im Schauspielensemble. Mit ihrer enorm starken Bühnenpräsenz fiel sie bei den Spieltrieben 2013 zum Thema „Total real“ als Sarah in der Uraufführung von Paul Bullingers „Du wurdest ausgewählt“ auf. Mit ihrer fröhlichen Unbekümmertheit und ihrem Temperament auf der Bühne setzte sie in vielen Inszenierungen markante schauspielerische Akzente. Sie spielte eine bezaubernd unschuldige Hevig in Ibsens „Die Wildente“, eine hochfahrende Sittah in Lessings „Nathan der Weise“ oder eine Elektra in Robert Teufels Inszenierung des „Orest“, die sich mit grausam kichernder Intriganz von Schicksalsergebenheit emanzipiert. Mit derbrennenden Lebenswut, die sie als stumme Kattrin in Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ an den Tag legte, brannte sie sich vielen Zuschauern ins Gedächtnis. Auch überegional fiel Marie Bauer auf, etwa als sie 2017in der als Monolog inszenierten Erzählung „Die Verwandlung“ bei der „Woche junge Schauspieler“ in Bensheim für den Günther-Rühle-Preis nominiert wurde.

Niklas Bruhn kam 2015/16 fest ins Osnabrücker Ensemble. Als charismatischer junger Tempelherr und schroffer Menschenfeind zugleich fiel er gleich zu Beginn in Schnizers Lesart von „Nathan der Weise“ auf. Dann verlieh er der Osnabrücker Bühnenfassung von Safran Foers Roman „Extrem laut und unglaublich nah als Jugendlicher Oskar Schell mit überdrehtem, sympathisch skurrilem Spiel ein bewegendes Gepräge. Er beeindruckte mit eigenwillig gezeichneten Figuren wie Konstantin Gawrilowitsch Treplew in „Die Möwe“ oder als Schweizerkas in „Mutter Courage“. Unvergessen bleibt Bruhn s spannungsgeladene Körpersprache, die er als junge Nachwuchsspieler Jordan im Fußballstück „Der rote Löwe“ fand.

Elaine Cameron gehörte mit Helene Stupnicki und Valentin Klos zu den jungen Berufsanfängern, die Dominique Schnizer 2016/2017 ins Ensemble holte. Sie beeindruckte als schön schräge Krankenschwester in der Emma-Uraufführung „Lucas and time“ von Niki Orfanou. In ihrer mitreißenden Energie und Wandlungsfähigkeit stand sie hier kaum der versierten Monika Vivell nach, mit der sie das Stück spielte – ein toller Einstieg. Sie kann beides: powrige Aggression und Sinnlichkeit. In „Nathan der Weise“ spielte sie eine aufbrausende Recha, in „Bernarda Albas Haus die neidische Tochter Martirio und in Mutter Courage den weiblichen Vamp Yvette. Und Elaine Cameron kann balancieren zwischen schüchternem Mädchen und energischer Pflegerin in „Der Vater,“ zwischen freundlich-professionellem Auftreten und gereiztem Biest als Schmitt in „Bandscheibenvorfall“

Maria Goldmann ist seit 2011 fest am Theater Osnabrück und war in zahlreichen Rollen zu sehen. Als Lady Macbeth in Annette Pullens „Macbeth“-Lesart etwa überraschte sie mit der lieblich lächelnden Verführungskraft eines Schmusekätzchens anstelle von ehrgeizzerfressener Kälte. Sie entwickelte zunehmend ein ganz eigenes, staunenswert wandelbares Profil, etwa als leicht hölzerne, dauergiftende und schwangere Patty in Ayckbourns „Schöne Bescherungen“ oder als Katja in Hübners „Frau Müller muss weg“, die sich von der kompromissbereiten und angenehmen Randfigur zur knallharten Realistin wandelt. Den Höhepunkt glühend leidenschaftlicher Frauenhauptrollen in letzter Zeit („Medea2“)setzte sie als Valerie Solanas im Stück „Valerie Solanas – Präsidentin von Amerika!. Ausgerechnet jetzt geht Maria Goldmann.

Valentin Klos arbeitete seit 2016/17 fest am Osnabrücker Theater. Manchem Ensemblestück verlieh er durch seine vitale Präsenz kraftvolle Akzente. Etwa als Camille Desmoulins in Alexander Charims toller Inszenierung von „Datons Tod“. Er kann überzeugend genervt sein wie als Patrick in „Frau Müller muss weg“, dann wieder überaus gewinnend wie als Schriftsteller Clive in „Schöne Bescherungen“, erbärmlich verklemmt wie als Theologiestudent mit fettiger Langmähne und verschwitzter Moral in „Das Lächeln einer Sommernacht“ und einfach überzeugend locker wie in „Mutter Courage“ als Eilif.

Helene Stupnicki kam zur Spielzeit 2016/17 ans Osnabrücker Theater. Regisseurin Felicitas Braun setzte auf sie und Monika Vivell als starkes Gespann für Sibylle Bergs „Und dann kam Mirna“. Helene Stupnicki gibt die Titelfigur Mirna als pubertierende Tochter, die unter einer Mutter aus dem Dunstkreis der 68-er-Revolte leidet, und sie mit köstlich gallebitterem und knochentrockenen Realismus angiftet. Ihre Duftmarken, oft auch mit sinnlicher Körpersprache für die Adela wie in „Bernarda Albas Haus“ setzte sie auch in Ensemblestücken „Perfect Wives“ oder „Schöne Bescherungen“, hier als Phyllis.

Kinder- und Jugendtheater „Oskar“:

Jost op den Winkel: Wandlungsfähig müssen sie sein, die Schauspieler das Kinder- und Jugendtheaters Oskar. Das hat Jost op den Winkel, der gemeinsam mit Johanna Franke und Benjamin Werner neu zum Oskar-Ensemble stieß, ein ums andere Mal bewiesen. Er war der ruhige und bedächtige Straßenkehrer Beppo in „Momo“, der schüchterne und frühreife Teenager Michael in „Die unbekannte Stadt“, der den Selbstmord seines Vaters verarbeiten muss, und die gestresste Mutter in „Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums“. Oft musste er in nur einem Stück gleich in mehrere Rollen schlüpfen. Zuletzt spielte Jost op den Winkel im Rollstuhl sitzend den querschnittsgelähmten Ikarus in „Mongos“ – und überzeugte auch dort.

Benjamin Werner Wie Jost op den Winkel verlässt er nach zwei Spielzeiten das Oskar-Ensemble. Auch Benjamin Werner fiel durch Vielfalt auf. So war er der sprudelnde und lebendige Gigi Fremdenführer in „Momo“ und ein authentischer und aufrechter junger Held in der Titelrolle des „Robin Hood“. Durch glaubwürdiges Spiel fiel Benjamin Werner immer wieder in den Rollen quer durch alle Altersstufen auf, so auch in „Der dicke Sternschnuppe“, dem Kinderstück von Julia Penner. Dort durfte er in der Rolle eines eifersüchtigen Hamsters maulen, mosern und querschießen. Doch Benjamin Werner kann auch ganz ohne Worte. In „Die unbekannte Stadt“ spielte er den Schatten, eine stumme Rolle, in der Gefühle und Erinnerungen buchstäblich verkörperte.


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