Export um rund 42 Prozent gestiegen Regionale Unternehmen setzen auf Schweden

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Die Handelsbeziehungen mit Schweden wachsen niedersachsenweit dynamisch. Seit 2014 ist der Export um 42 Prozent gestiegen. Aus der Region haben knapp 300 Firmen den Markt für sich entdeckt. Foto: dpa/Paul ZinkenDie Handelsbeziehungen mit Schweden wachsen niedersachsenweit dynamisch. Seit 2014 ist der Export um 42 Prozent gestiegen. Aus der Region haben knapp 300 Firmen den Markt für sich entdeckt. Foto: dpa/Paul Zinken

Osnabrück. Im vergangenen Jahr haben Niedersachsens Unternehmen so viel exportiert wie noch nie. Allein nach Schweden hat der Export seit 2014 um 42 Prozent zugenommen. Aus der Region haben knapp 300 Unternehmen den Markt für sich entdeckt.

Im ersten Moment hört es sich wenig an: Im Jahr 2017 haben niedersächsische Unternehmen Waren im Wert von rund 2,9 Milliarden Euro nach Schweden exportiert. „Damit liegen die Skandinavier weiterhin vor der Schweiz, Russland, der Türkei oder Japan“, sagt jedoch Tilman Brunner, Außenhandelsexperte der IHK Niedersachsen (IHKN). In der Rangfolge der wichtigsten Handelspartner verfehlt Schweden die Top Ten nur knapp und landet auf Rang 12. „Schweden ist ein Markt ohne große Auffälligkeiten“, beschreibt Brunner den Reiz.

Diese Erfahrung kann Claudia Bröker, Geschäftsführerin der Spedition Többe aus Meppen, nur bestätigen. „Der Markt ist unkompliziert und beständig. Wir fahren seit eineinhalb Jahren auch viel in den Iran oder haben Touren nach Russland. Da ist das Geschäft mit mehr Risiken verbunden“, sagt die Geschäftsführerin. Eine Besonderheit fällt ihr doch ein: Midsommar. „Da liegt die ganze Wirtschaft zwei bis drei Wochen um den Termin herum brach“, schmunzelt sie.

Eigener Stützpunkt

Das Logistikunternehmen ist einer von 295 Betrieben im IHK-Bezirk Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, die Schweden für sich als Markt entdeckt haben. Ein Fünftel dieser Firmen sind kleine Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten. Vor elf Jahren ist die Spedition die erste Tour nach Schweden gefahren. „Wir hatten eine Anfrage eines Kunden. Daraus hat sich das Geschäft entwickelt“, sagt Bröker. Gemanaget wird der Markt von der Többe-Niederlassung in Stuhr aus, in der Nähe von Bremen.„Wenn wir morgens im Emsland beladen, können wir abends auf der Fähre sein.“ Routen gehen zum Beispiel über Travemünde nach Malmö. Am nächsten Morgen ist der Lkw am skandinavischen Festland angekommen. „Mittags kann man beim Kunden sein und entladen, wenn die Tour nach Südschweden geht.“ Heute macht der skandinavische Partner rund 15 Prozent des Geschäfts aus.

Nur knapp hat Schweden nicht nur in Niedersachsen, sondern auch im IHK Bezirk Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim die Top Ten der wichtigsten Handelspartner verfehlt, zeigen die Zahlen der IHK. „Mit etwa 300 dort aktiven regionalen Betrieben ist das Land auf Platz elf der wichtigsten Handelspartner für den IHK-Bezirk. Wir arbeiten eng mit der Deutsch-Schwedischen Handelskammer (AHK) zusammen, die die Unternehmen beim Markteintritt unterstützt“, sagt Martin Schlichter, Präsident der IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Der überwiegende Teil der Unternehmen exportiert nach Schweden, lediglich 64 der regionalen Firmen importieren.

Zu den Exporteuren zählt der Speller Maschinenbauer Krone. Sowohl bei Nutzfahrzeugen als auch Landtechnik gehört Schweden zu den Top-15-Exportmärkten des Familienunternehmens. Insbesondere der Süden des Landes ist für Krone interessant – denn professionelle Grünlandbetriebe sind fast ausschließlich dort angesiedelt.

Südschweden ist auch ein Schwerpunkt für Többe. „Aber wir fahren schwedenweit“, betont Bröker. Insbesondere Transformatoren werden transportiert, aber auch Anlagenteile, Fahrzeuggestelle oder landwirtschaftliche Maschinen. Wobei der Handel nicht paarig verlaufe.

Import weniger wichtig

Die Statistik bestätigt dies: Mit rund 2,9 Milliarden Euro hat das Statistische Bundesamt den Wert aus Niedersachsen nach Schweden exportierter Waren angegeben. Importe lagen im Wert mit rund 1,6 Milliarden Euro nur gut halb so hoch. Dabei wächst der Markt stetig und äußerst dynamisch, so Außenhandelsexperte Brunner. Die Wachstumsrate seit 2014 liegt mit 42 Prozent deutlich vor China (35 Prozent), Italien (34 Prozent), Japan (26 Prozent) oder Israel (40 Prozent), so Brunner mit Blick auf die niedersächsischen Zahlen.

Auch für Hellmann Worldwide Logistics ist „Schweden in der skandinavischen Region zweifelsohne ein wichtiger Markt. Insbesondere auch deshalb, weil Südschweden aufgrund seiner geografischen Lage und durch die Landanbindung über die Öresundbrücke ein logistischer Kontenpunkt ist, von dem aus andere skandinavische Länder versorgt werden“, sagt Matthias Magnor, Chief Operating Officer Road & Rail bei Hellmann. „Im Bereich Landverkehr hat Hellmann beispielsweise gerade einen großen Auftrag eines deutschen Automobilherstellers gewonnen: Alleine für diesen Kunden schicken wir täglich sieben mit Ersatzteilen beladene Auflieger von Bayern nach Südschweden“, so Magnor weiter. Hier würden die Waren konsolidiert und in den gesamten schwedischen Markt weiterverteilt.

Niedersachsenweit gehören Kraftwagen sowie Kraftwagenteile mit einem Warenwert von 113 Millionen Euro neben Nahrungs- und Futtermitteln (229 Millionen) sowie chemischen Erzeugnissen (205 Millionen) zu den drei umsatzstärksten Exportgütern nach Schweden. Eingeführt werden vor allem Erze (364 Millionen), Papiere, Pappe und Waren daraus (265 Millionen) sowie Maschinen (210 Millionen).

Neue Projekte

Im Vergleich zu Hellmann, Krone oder der Többe Spedition steht das Umweltingenieurbüro plan.S noch ganz am Anfang. Im Herbst – nach den „schwedischen Sommerferien“ – rechnet Geschäftsführer Paul Stegmann mit der Umsetzung erster Projekte. Der Schwerpunkt des Osnabrücker Dienstleisters liegt auf der Landschaftsbauplanung und der Umweltbaubegleitung. „Insbesondere konzentrieren wir uns auf erneuerbare Energien“, so der Geschäftsführer. Projekte werden vor allem im Umweltbau umgesetzt.

Den Anstoß für den Schritt ins Ausland gaben Kontakte unter anderem zu schwedischen Unternehmen im Rahmen von Projekten in Deutschland. „Vor rund einem Jahr haben wir unser Büro in Dänemark eröffnet, von dem aus wir auch den Markt in Schweden betreuen“, sagt Stegmann. Durch die klar definierten Umweltziele der skandinavischen Länder sieht der Osnabrücker in dem Markt große Chancen. „Man braucht aber einen langen Atem.“

Wie in Deutschland auch ist die Zielgruppe des Unternehmens vor allem die öffentliche Hand, Energiekonzerne oder Übertragungsnetzbetreiber. Die lokale Betreuung und die Gründung einer dänischen Firma sind in der Erschließung des Marktes ein wichtiger Schritt gewesen, sagt Stegmann – ebenso wie die Einstellung eines Muttersprachlers. „Ein Markteintritt aus Deutschland heraus wäre schwierig.“ Als Dienstleister im Bereich erneuerbarer Energien einen Fuß in die Tür zu bekommen, sieht der Geschäftsführer als ohnehin nicht leicht.

Gute Perspektive

Die Chancen des mit insgesamt fünf Mitarbeitern kleinen Beratungsbüros liegen für Stegmann vor allem in dem Verständnis beider Märkte. „Wo wir unser Pfund ausspielen können, ist der persönliche Kontakt“, sagt der beratende Ingenieur. Umweltverträglichkeitsprüfung für Großprojekte werde man sicherlich nicht gewinnen können. „Das ist aber auch nicht unser Anspruch.“

Insgesamt bescheinigt der IHKN-Außenhandelsexperte Tilman Brunner dem schwedischen Markt gute Perspektiven. „Es gibt eine hohe eigene Wachstumsrate, und auch in Sachen Innovation ist der Markt gut aufgestellt.“ Schwierigkeiten bereiten laut IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim insbesondere umfangreiche Melde- und Registrierungspflichten bei der Durchführung von Montagearbeiten. Insbesondere Südschweden sieht Brunner als Chance für niedersächsische Unternehmen. Landesweit hat sich der Außenhandel mit dem Partnerland der Hannover Messe 2019 in den letzten fünf Jahren stark erhöht.

Mehr zur regionalen Wirtschaft gibt es in der aktuellen Ausgabe von „Die Wirtschaft“.


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