Von Feen und Feuerreitern Universitätschor taucht in Welt der Romantik ein

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Romanzen
              
              von Schumann trug der Frauenchor unter der Leitung von Lea Höing bei der Universitätsmusik in der Schlossaula vor. Foto: Thomas OsterfeldRomanzen von Schumann trug der Frauenchor unter der Leitung von Lea Höing bei der Universitätsmusik in der Schlossaula vor. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Im Rahmen der Reihe Universitätsmusik entführten die Chöre am Dienstagabend die Besucher der Schlossaula in die dunkle, geheimnisvolle, aber auch schöne Welt der Romantik und ihrer Balladen.

Vom „depressiven Inhalt“ sprach Universitätschordirektor (USD) Joachim Siegel in seiner Begrüßung. Die entsprechend ganz in Schwarz gekleideten Chormitglieder bewiesen dann aber vom ersten Ton an, dass dessen Verpackung durchaus schön sein kann. Adäquat begleitet von Christopher Wasmuth am Klavier tauchten sie mit zunächst vierstimmig in Motive von Josef Gabriel Rheinberger aus dem 19. Jahrhundert ein, indem sie eine „Wasserfee“ und das „Schloss am Meer“ besangen. Melodramatisch gab dann der Chef persönlich ein Sprechstück von Robert Schumann zum Besten, dessen Thema „Die Flüchtlinge“ auch einen beklemmenden aktuellen Bezug aufzuweisen hatte.

Glockenklar und tieftönig

Aus der Feder desselben Komponisten folgten drei von den Frauenchören unter der Leitung von Lea Höing einstudierte Romanzen, die mal glockenklar und sakral anmutend von Ertrunkenen erzählten und mal geradezu fröhlich von „des Wassermanns Weib“.  Auch, um die Kollegin einmal in das kalte Wasser des „einsamen“ Dirigierens zu stoßen, hatte Siegel das Zepter für diesen Programmpunkt an „die Damen abgegeben“. Umso männlicher trug er selbst dann wieder eine seltene Komposition von Friedrich Nietzsche vor, der aus dem romantischen Gedicht „Das zerbrochene Ringlein“ von Joseph von Eichendorff ein Melodram für Sprechstimme und Klavier gemacht hat. Franz Schuberts „Grab und Mond“ intonierten die Männerchöre düster und tieftönig, seinen „Geistertanz“ hingegen mit wechselnden Stimmungen und Stimmlagen.

Morbid und bewegend

Frank Liszts morbide Ballade vom „traurigen Mönch“ war dann wieder dem akzentuiert und dramatisch gesprochenen Wort des Chorleiters vorbehalten, wobei die Geschichte um die schicksalhafte Begegnung mit einem wandernden Reitersmann mit dezent bis bestimmt angeschlagener Klavierbegleitung kongenial untermalt wurde. Für berührenden Solo-Gesang sorgte im Anschluss Mezzosopranistin Talea Hurtig, als sie mit und vor den wieder auf der Bühne versammelten Chören Rheinbergers „tote Braut“ so vielstimmig wie stimmungsvoll zum Leben erwecken vermochte. Nur mehr die Klaviernoten umblättern durfte sie schließlich bei Hugo Wolfs flott galoppierendem, zwischendurch aber auch scheuendem und am Ende in sich ruhendem „Feuerreiter“ – ein bewegender Schlusspunkt eines „romantischen“ Abends, der kaum einen Beweis schuldig blieb, dass dramatisch und deprimierend eben manchmal auch sehr schön sein kann.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN