WM-Pleite ins Gesicht geschrieben Public Viewing in Osnabrück: Zuschauer frustriert

Von Markus Strothmann

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Osnabrück. Deutschland ist raus. Vor dem WM-Spiel gegen Südkorea waren die Osnabrücker allerdings noch optimistisch und setzten auf ein Weiterkommen der deutschen Nationalelf. Bei feinstem Wetter zog es die Fans scharenweise zu Public Viewing und Bier. 

Pollyesther’s, Balou, Joe Enochs Sportsbar: Die Fußballfans sind meist schon lange vor Spielbeginn am Start. Für den Jubelfall liegen Trillerpfeifen und Kleintambourine bereit, auf einem Tisch vor der Sportsbar eine Nachbildung der WM-Trophäe. Die Anhänger des amtierenden Weltmeisters erwarten eine starke Leistung.

Anpfiff. Anfangs ist die Stimmung noch locker. Kommentare zum Spiel beschränken sich auf die üblichen Ratschläge in Richtung Bildschirm: „Jetzt! Seite! Unten!“ Aber so richtig will nichts passieren. Da probiert es mal einer zaghaft mit der Trillerpfeife. Bringt auch nichts. In der 19. Minute Freistoß Südkorea. Manuel Neuer kann den Ball nicht festhalten, haut ihn stattdessen irgendwie ins Aus. „Ooh!“ So klingt Erleichterung.

Eine Dame muss mit dem Auto durch. Viel zu eng alles. Die Einladung mitzugucken schlägt sie gereizt aus. Zwei bis drei Dutzend Leute müssen aufstehen, die Stühle wegnehmen, warten, sich setzen. Eine andere  Dame kommt vorbei, deutlich interessierter am Geschehen. „’tschuldigung, wie steht’s denn hier?“ Null – null. „Danke.“ 

Gegen Ende der ersten Hälfte passiert immer mehr in der Nähe des südkoreanischen Kastens. Vor der Bar wird jetzt mehr geraucht. Kurz nach der Halbzeit springt der kleine Zähler um: Schweden führt gegen Mexiko. Schlecht, ganz schlecht. „Bei dem derzeitigen Stand wären wir raus“, stellt einer nüchtern fest. Es rattert in den Köpfen. Der Mann hat recht.

Der Rest im Zeitraffer: versiebte Chancen, lautes Fluchen und stilles Bangen. Die Koreaner machen in der Nachspielzeit zwei Butzen. Frust. Abpfiff. Frust. Mit gedämpfter Stimme schlägt einer vor: „Wollen wir losziehen und was kaputt machen?“ Spaß.  Der Sommerabend ist zwar nicht unbedingt zu schön für schlechte Laune, schon gar nicht für Debatten darüber, welche Köpfe jetzt rollen müssen. Für Randale aber schon.

Zum Schluss ein kleiner Rundgang: Statt Autokorso und Fahnenmeer nur der normale Verkehr an Wall und Neumarkt. Hat auch was.


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