Neue Ziele und mehr Frequenz Flughafen Münster/Osnabrück will mit „Holland-Offensive“ wachsen

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Greven. Der Flughafen Münster/ Osnabrück (FMO) setzt auf eine „Holland-Offensive“ für mehr Wachstum. Mit Salzburg hat der Regionalflughafen in diesem Winter erstmals ein Skiziel im Angebot und will damit vornehmlich Holländer anlocken, die laut FMO-Chef Rainer Schwarz „grundsätzlich in den Skiurlaub fliegen“.

Möglich wird der Ausbau der Winterflugziele vornehmlich durch die zweite Germania-Maschine, die in diesem Winter erstmalig vor Ort bleibt. So sind auch in der naturgemäß schwächeren Wintersaison wieder mehr Passagiere zu erwarten. Das Experiment mit Salzburg kann der FMO nur wagen, weil mit Germania wieder eine Fluggesellschaft vor Ort ist, die Schwarz als „touristischen Homecarrier“ bezeichnet. Mit diesem könne der FMO auch mal ein Experiment wagen. Germania setze damit auf eine „Holland-Offensive: Die Deutschen tendieren nach wie vor dazu, mit dem Auto in den Skiurlaub zu fahren. Die Holländer fliegen grundsätzlich in den Skiurlaub. Das sind unterschiedliche Reiseverhalten.“

( Weiterlesen: FMO erwartet 2018 knapp eine Million Fluggäste

Fluggäste aus Enschede und Hengelo bekommen

Die Holländer würden im Augenblick in einem gewissen Dilemma stecken. Sie könnten den größten Flughafen Amsterdam Schiphol nicht weiterentwickeln, da dort bei einer halben Million Flugbewegungen pro Jahr eine künstliche Grenze eingezogen worden sei. Daher würden sie gerade daran arbeiten, den Flughafen Lelystad, einer Provinz unweit von Amsterdam, zu einem internationalen Flughafen auszubauen. „Aber wie das so mit Flughafenbauten ist, dauert das hin und wieder auch mal ein bisschen länger als man das plant“, sagt Schwarz in Anlehnung an seine Erfahrungen mit dem Berliner Flughafenbau nicht ohne Selbstironie. „Da der Bedarf dort aktuell demnach nicht in dem Maße bedient werden kann, wollen wir uns jetzt zumindest engagieren, Fluggäste aus dem angrenzenden Bereich Enschede und Hengelo zu bekommen“. Daher hätten FMO-Mitarbeiter mehr als 40 Reisebüros in den Niederlanden besucht, darüber hinaus eine eigene Zeitung auf Holländisch aufgelegt und darin für das FMO-Flugangebot geworben. Zudem gebe es im Nachbarland Beteiligungen an Reisemessen und an Veranstaltungen. „Da sehen wir in der Tat noch viel Potenzial“, zeigt sich Schwarz überzeugt.

„Die Unternehmerschaft ist unser Rückgrat“

Andererseits versucht Schwarz aber auch, die Attraktivität im Einzugsbereich zu erhöhen: „Wir haben sogar eine eigene Stelle dafür geschaffen, um sich sehr intensiv um die Unternehmerschaft zu kümmern, weil das letztlich unser Rückgrat ist.“

Für einen Regionalflughafen ungewöhnlich sei, dass die Lufthansa „der größte ,Carrier‘ ist – und nicht etwa Ryanair oder Easyjet, wie man normalerweise erwarten würde“. Das erklärt Schwarz als eine Reaktion auf die sehr starke mittelständische Klientel in der Region, die zugleich aber auch sehr international ausgerichtet ist. Ein neuer Mitarbeiter kümmere sich um diese Mittelständler jetzt sehr intensiv, indem er Kontakte zu ihren Reisestellen aufbaue. Je mehr Informationen so zusammengetragen werden könnten, desto eher ergebe sich vielleicht auch das Potenzial für eine neue Verbindung. „Vielleicht könnten so auch Unternehmen dafür gewonnen werden, die bereit sind, gewisse Garantien für Tickets abzugeben, um neue Verbindungen möglich zu machen.“

Wegen neuer Billigfluglinie wirbt FMO mit „Malle für alle“

Mit dem Slogan „Malle für alle“ werbe der FMO, um auf die mittlerweile größere Auswahl am FMO hinzuweisen: „Wir haben nicht nur die Germania, sondern auch Eurowings, Laudamotion, Sundair und Small Planet.“ Aus Air-Berlin-Zeiten habe der Flughafen „schon eine Klientel, die es gewöhnt war, ein paar Euro mehr für den Flug zu zahlen, aber dafür ein Full-Service-Paket zu bekommen“. Das biete Germania an. Mit Laudamotion komme ein Billigflieger hinzu, der einen Mallorca-Flug teilweise ab 9,90 Euro anbiete. Dann könne der Reisende sich überlegen, ob er gegen einen Aufpreis auch noch einen Koffer mitnehme. Die Fluggesellschaft des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Niki Lauda richte sich somit etwa an Studenten als Zielgruppe.

Madeira als Winterflugziel

Der Flughafenmanager begrüßt den kontinuierlichen Ausbau des Flugprogramms. Mit Madeira wird in diesem Jahr ein weiteres Winterflugziel aufgenommen. Auch die Kanaren-Insel Lanzarote wird 2019 ganzjährig angeflogen. Darüber hinaus gehört ab diesem Winter auch die marokkanische Hafenstadt Agadir zum Repertoire der Nonstop-Ziele. Das türkische Mittelmeer-Urlaubsziel Antalya lief gut an, läuft in diesem Sommer exzellent weiter und wird deshalb auch im kommenden Winter deutlich häufiger angeflogen, blickt der FMO-Geschäftsführer voraus. Im vergangenen Winter war Antalya hingegen zeitweise gar nicht im Flugprogramm.

Germania stationiert zum Sommer 2019 ein drittes Flugzeug am FMO

Zudem wird die Germania mit Beginn des Sommerflugplans 2019 ein drittes Flugzeug am FMO stationieren. Claus Altenburg von der Germania Fluggesellschaft zeigt sich aufgrund der „überaus positiven Vorausbuchungslage für die kommenden Monate“ überzeugt, dass der regionale Ansatz der deutschen Fluggesellschaft funktioniert. Durch die Stationierung eines weiteren Flugzeugs werde Germania das Angebot am FMO stetig weiter ausbauen. Bislang sieht Germanias Sommer-Rahmenprogramm drei neue Ziele vor. So kehrt etwa die Balearen-Insel Ibiza zurück ins Streckennetz der Germania am FMO. Darüber hinaus wird mit Larnaka auf Zypern ein weiteres Touristenziel angeboten. Außerdem geht es ab dem kommenden Sommer erstmals ins türkische Zonguldak. Mit diesem Ziel an der Schwarzmeerküste nördlich von Ankara biete Germania auch eine Verbindung an, die nicht typischerweise von Touristen, sondern auch häufig von Türken geflogen werde, die dort etwa ihre Verwandtschaft besuchen wollen. Verbindungen zu anderen bewährten Sonnenzielen, zum Beispiel in Griechenland und in Ägypten, bietet Germania weiterhin an. Weitere Neuerungen für den Sommer 2019 sind laut einer Germania-Mitteilung in Planung und werden in den kommenden Wochen zur Buchung freigegeben.

„Potenzial von rund einer Million zusätzlichen Passagieren“

FMO-Chef Schwarz zeigt sich begeistert, dass bald drei Maschinen der grün-weißen Flotte am FMO stationiert sein werden: „Wir freuen uns, dass die strategische Partnerschaft zwischen Germania und dem FMO nachhaltig mit Leben gefüllt wird.“ Schwarz stellt heraus, dass „Germania sich jetzt in dem Maße zu engagieren beginnt, wie das Air Berlin in der Vergangenheit gemacht hat“. Die Airline, die ihr Engagement am FMO erst 2015 begonnen hat, hatte erst im vergangenen Sommer einen zweiten Flieger am FMO stationiert und damit maßgeblich zum starken Passagierwachstum um 23 Prozent im vergangenen Jahr beigetragen. Schwarz resümiert: „Germania entwickelt sich in einer für uns sehr schönen Art und Weise. In einer Zeit, in der Großflughäfen zunehmend schwächeln, ist das für uns sehr beachtlich.“ Der Flughafenmanager erklärt das Engagement damit, dass Germania die großen Entwicklungschancen in Münster/Osnabrück erkannt hat: „Wenn es in der Vergangenheit mal ein Potenzial von rund einer Million zusätzlichen Passagieren gab, die im Augenblick nicht bedient werden, dann mache ich mir ja auch als Airline Gedanken darüber.“ Die Fluggesellschaft will dieses Potenzial, dass laut Schwarz „eben nur künstlich nach Düsseldorf abgesaugt wurde, nutzen“. Günstig sei zudem, dass mit Air Berlin diejenige Airline, die das Potenzial nach Düsseldorf abgesaugt habe, gar nicht mehr existiere. Laut Schwarz füllt Germania nach und nach die Lücke, die Air Berlin gerissen hat: „2015 stieg Germania hier ein. Aber erst im letzten Jahr haben sie ihre Kapazitäten praktisch verdoppelt.“


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