FMO-Chef zieht Zwischenbilanz Flughafen Münster/Osnabrück erwartet knapp eine Million Fluggäste

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Greven. Nach knapp anderthalb Jahren als FMO-Chef kann Rainer Schwarz eine beeindruckende Bilanz vorlegen. Im vergangenen Jahr stiegen die Fluggastzahlen um 23 Prozent. Damit gelang ihm das bundesweit stärkste Passagierwachstum. In diesem Jahr erwartet der Flughafenmanager knapp eine Million Passagiere. Im Interview erklärt Schwarz sein Erfolgsgeheimnis.

Herr Schwarz, wie haben Sie in den anderthalb Jahren als FMO-Geschäftsführer die stark steigenden Fluggastzahlen erreicht?

Im letzten Jahr hatten wir 970.000 Fluggäste und im Vorjahr 780.000. Mit einem Passagierzuwachs von 23 Prozent waren wir 2017 der wachstumsstärkste Flughafen in Deutschland. Wir sind also nicht unzufrieden mit dem abgelaufenen Jahr. Mittlerweile werden wir wieder von den Reiseveranstaltern, die für die Disposition der Flüge verantwortlich sind, wahrgenommen. Mit Germania bauen wir sukzessive wieder einen Homecarrier auf. Die Lücken, die Air Berlin gelassen hat, werden langsam wieder aufgefüllt. Air Berlin hatte sich ja schon Ende 2016 komplett vom FMO zurückgezogen, sodass wir bei der Pleite im letzten Jahr wenigstens nicht auch noch auf Geld verzichten mussten.

Zu den Hochzeiten im Jahr 2000 hatte der FMO mit Air Berlin schon einmal 1,8 Millionen Fluggäste. Halten Sie es für realistisch, dass der FMO irgendwann wieder so viele Passagiere zählen wird?

Das Jahr 2000 war natürlich ein Ausnahmejahr, da der FMO dort noch von den nicht vorhandenen Abfertigungseinrichtungen nach dem Brand am Flughafen Düsseldorf profitiert hat. Aber richtig ist: Wir haben in den letzten Jahren sehr darunter gelitten, dass die Passagiere aus unserem Einzugsbereich, die früher mit der Air Berlin geflogen sind, aufgrund des Strategiewechsels der Airline nach dem Einstieg von Etihad vom neuen Air-Berlin-Management erzählt bekamen: „Ihr braucht nicht mehr vom FMO zu fliegen, macht das doch von Düsseldorf aus.“ Air Berlin hat also eine Kehrtwende vollzogen, indem sie sich nur noch auf Düsseldorf und Berlin konzentriert hat und die ganzen dezentralen Flughäfen in Deutschland praktisch nicht mehr angeflogen hat. Ausweislich der Air-Berlin-Insolvenz war diese Strategie ganz offensichtlich nicht erfolgreich. Nun entwickelt sich zum Glück am FMO wieder ein sehr vorzeigbares Angebot, und das zu einer Zeit, wo die großen Flughäfen mittlerweile Riesenprobleme mit der Passagierabwicklung bekommen. Man sieht das aktuell in Düsseldorf, wo die Passagiere im letzten Jahr vor den Sicherheitskontrollen phasenweise biwakieren mussten. Wir merken, dass viele Kunden wieder auf den FMO setzen, weil es hier schneller mit der Abfertigung geht. Wir unternehmen alles, um die natürlichen Vorteile, die wir als kleiner Flughafen haben, noch weiter auszubauen. In der letzten Woche sind wir z.B. vom Vergleichsportal Check24 als preisgünstigster Flughafen in Deutschland ausgezeichnet worden, was das terminalnahe Parken in unseren Parkhäusern für den typischen 14-tägigen Urlaub angeht.

Können Sie bei den Fluggastzahlen dieses Jahr die Millionenmarke knacken?

Wenn sie einen Sprung von 23 Prozent machen, dann muss man im nächsten Jahr erst mal gucken, dass man das auch stabilisiert. Wenn sie so einen großen Wachstumssprung machen, steigen die Umsatzerlöse und die Deckungsbeiträge üblicherweise nicht in gleichem Maße. Noch am Anfang dieses Jahres sah es gar nicht so gut aus. Gott sei Dank haben wir dann aber die Germania überzeugen können, einen größeren Flieger einzusetzen, was ursprünglich nicht geplant war. Zudem haben wir die Insolvenz der Air-Berlin-Tochter Niki durch Laudamotion kompensieren können, sodass wir jetzt sogar noch ein Stück besser als im Vorjahr dastehen. Nach dem augenblicklichen Stand der Dinge gehen wir schon davon aus, dass wir ein bisschen zulegen können. Wir werden aber nicht noch mal zweistellig wachsen.

Heißt „ein bisschen zulegen“ nicht auch, dass Sie die Millionenmarke knacken?

Wenn wir zwei bis drei Prozent zulegen, dann sind wir schon zufrieden, aber dann sind wir noch nicht bei einer Million.

Drei Prozent von 970.000 sind rund 29.000. Demnach werden am FMO dieses Jahr knapp eine Million, genau genommen 999.000, Passagiere befördert?

Im Laufe des Sommers entscheidet sich entlang der Auslastung der Flugzeuge, ob wir die Millionenmarke knacken.

Wie wollen Sie auch den Umsatz steigern?

Wir wollen uns unabhängiger vom eigentlichen Fluggeschehen machen und versuchen, an den Geschäften um uns herum stärker zu partizipieren. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Zum 1. April sind wir ins Tankgeschäft eingestiegen. Wir betanken die Flugzeuge jetzt in Zusammenarbeit mit dem neuen Partner Air BP selbst. BP liefert jetzt nur noch das Kerosin an, den Rest – also etwa das Betanken der Flugzeuge und die Lagerhaltung – erledigen wir und partizipieren so auch an den Umsatzerlösen.

Sie wollen bis 2021 eine schwarze Null erreichen. Werden Sie dieses Ziel nun doch schon früher erreichen?

Im Augenblick sind wir auf einem guten Weg. Alleine im vergangenen Jahr haben wir unser operatives Ergebnis um 1,4 Millionen Euro verbessert. Für dieses Jahr haben wir uns abermals eine Verbesserung des operativen Ergebnisses von 1 Million Euro vorgenommen. Wir konzentrieren uns nicht nur darauf, zusätzliche Verkehre zu akquirieren, sondern auch darauf, zusätzliche Erlösfelder zu erschließen und unsere Organisationsstruktur effizienter zu gestalten.

Die Fluggastzahlen am FMO hatten sich von mehr als 1,5 Millionen in 2007 auf 787000 Passagiere in 2016 etwa halbiert. Halten Sie es für realistisch, dass der FMO je wieder 1,5 Millionen Fluggäste pro Jahr haben wird?

Das werden wir sehen. Der Markt schläft ja nicht. Wir haben in der Zwischenzeit Marktverschiebungen gehabt. Es ist zum Beispiel . das Phänomen Low Cost dazugekommen, das es ja 2007 noch gar nicht in diesem Ausmaß gab. Das Ziel ist natürlich schon, wieder an diese Zeiten anzuknüpfen. Also ein großes Stück des Potenzials, was wir verloren haben, wieder hier zum FMO zurückzuholen. In welchen konkreten Größenordnungen das passieren wird, wird der Markt zeigen. Im Augenblick sind wir gut unterwegs.

Warum bietet der FMO 27 Mal pro Woche Flüge nach Mallorca an und nicht einen Flug etwa nach Bordeaux oder nach Prag?

Diese Strecken kann man natürlich nur dann fliegen, wenn man ein Potenzial dafür hat. Wenn da mal einer hin will, reicht das nicht. Wichtig ist, dass die Rennstrecken vernünftig bedient werden. Das betrifft sowohl die Abflugzeiten als auch die Frequenzen. Heutzutage ist der Kunde verwöhnt und hat eine große Auswahl. Wenn wir sagen, wir haben einmal in der Woche donnerstags ein Ziel, der Kunde erst aber ab Samstag Urlaub hat, dann wartet er nicht bis zum anderen Donnerstag, um da hinzufliegen. Wenn wir aber unsere Rennstrecken wie Mallorca 27 Mal pro Woche oder Antalya 15 Mal pro Woche oder selbst Griechenland drei bis vier Mal pro Woche bedienen, dann ist das eine Frequenzdichte, mit der wir auch mit Großflughäfen konkurrieren können.

Müssen die zehn kommunalen Gesellschafter, die bis 2020 rund 84 Millionen Euro Eigenkapital zur Entschuldung des Flughafens einbringen, auch danach noch Millionenverluste des FMO mittragen?

Zunächst mal geht es darum, dass wir über die Finanzmittel, die wir von den Gesellschaftern bekommen, die Kreditverbindlichkeiten abbauen. Die gigantische Verschuldung, die sich vor allem durch den Bau des neuen Terminals ergeben hatte, hat in der Spitze deutlich über 90 Millionen Euro betragen. Ende 2017 waren wir noch bei Verbindlichkeiten in einer Höhe von 48 Millionen Euro. Im Augenblick bauen wir jedes Jahr über 10 Millionen Euro ab. Das wird bis 2020 auch noch so weitergehen.


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