FMO-Chef Rainer Schwarz FMO-Geschäftsführer: Das lief als Berliner Flughafenchef schief

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Greven. Es sollte der modernste Flughafen Europas werden. Heute wird der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) nur noch mit Skandalen, Pannen und Kabarett in Verbindung gebracht. Rainer Schwarz war von 2006 bis 2013 Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen. Der Aufsichtsrat hatte ihn im Zusammenhang mit dem Debakel entlassen. Obwohl das Landgericht Berlin die Kündigung später für unwirksam erklärte, ist es das dunkelste Kapitel seiner Karriere.

Die Einladungskarten für die Eröffnung des Milliarden-Airports hatten die Geschäftsführer Rainer Schwarz und Manfred Körtgen noch selbst unterschrieben. Am 3. Juni 2012 sollte es soweit sein. Auf einigen der BER-Souvenir-Tassen von einst stand „Da ist mehr für Sie drin“ und „Willkommen auf dem modernsten Flughafen Europas“. So beschreibt es ein Redakteur des Berliner „Tagesspiegels“.

Nach aktueller Planung soll der neue Hauptstadtflughafen bekanntlich erst im Oktober 2020 eröffnen. Ob es wirklich so kommt oder ob es wegen der Sicherheitstechnik im Haupt-Terminal erneut zu Verzögerungen kommt, ist ungewiss.

Doch wie konnte es soweit kommen, dass sich die Eröffnung des Hauptstadtflughafens um acht Jahre verzögert? Vom ersten Spatenstich im September 2006 bis zur geplanten Eröffnung 2012 hat Schwarz das Projekt begleitet und versucht einen der größten Skandale der deutschen Baugeschichte zu erklären.

„Wann eröffnet der Berliner Flughafen?“

„Wann eröffnet der Berliner Flughafen?“ Unzählige Male musste er diese Frage bis zu seinem Abgang vor fünf Jahren beantworten. Heute sagt er dazu: „Da bin ich der falsche Gesprächspartner.“ Er sitzt in seinem Büro, blickt auf das Rollfeld des Flughafens Münster/Osnabrück und lächelt dabei. Früher war das anders. Der Berliner „Tagesspiegel“ berichtete, wie er einmal tobend in die Redaktion gekommen sei und sich über kritische Berichterstattung und Zweifel an dem geplanten Eröffnungstermin im Juni 2012 beschwert habe. Aus Respekt vor dem aktuellen Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup und weil er „in dem Thema überhaupt nicht mehr drin“ ist, will er selbst keine Prognose mehr abgeben, ob der aktuell im Jahr 2020 geplante Eröffnungstermin eingehalten werden kann.

„Ich bin nicht in die technischen Details einer Brandschutzanlage eingestiegen“

Er erklärt, dass alles nur an dieser Brandschutzanlage gelegen habe. „An deren fehlender Genehmigungsfähigkeit ist letztlich die Inbetriebnahme gescheitert“, konstatiert er, fügt aber hinzu: „Als technischer Laie bin ich aber natürlich nicht in die technischen Details einer Brandschutzanlage eingestiegen.“ Ohnehin sei er für den kaufmännischen und für den verkehrlichen Teil der drei Flughäfen Tempelhof, Tegel und Schönefeld verantwortlich gewesen: „Das Management beider Flughäfen und der aufwendige Schließungsprozess des Flughafens Tempelhof lagen allein in meiner Verantwortung. Damit war ich auch gut ausgelastet.“ Daneben habe es seinen technischen Kollegen Körtgen in der Geschäftsführung gegben, dessen Aufgabe der Bau des BER gewesen sei. Allerdings hätten sie sich im Unternehmen permanent ausgetauscht, wo sie stehen. Die Techniker hätten natürlich nicht aus eigener Eingebung etwas gebaut, sondern stets „in enger Rückkopplung mit den betrieblichen Notwendigkeiten, die wir vorgegeben haben“.

„Diese Zeitspanne ist in der Tat erklärungsbedürftig“

Zwischen 2006 und 2012 hätten die Techniker praktisch eine eigene Stadt gebaut: „Mit eigener Start- und Landebahn, 40 Gebäuden, Straßen und Plätzen, einem Tower, Terminals, Parkhäuser, einer eigenen Energiezentrale, einem ICE-Bahnhof“, listet Schwarz gestenreich auf. Dann stockt er kurz und sagt enttäuscht: „Was leider nicht funktionierte, war die Brandschutzanlage und dies dummerweise in dem wichtigsten Gebäude: im Passagierterminal.“ Jetzt benötige man offensichtlich acht Jahre nach der gescheiterten Inbetriebnahme, um diese Brandschutzanlage und das Terminal in Ordnung zu bringen. „Diese Zeitspanne ist in der Tat erklärungsbedürftig“, wundern sich mittlerweile nicht nur 80 Millionen Bürger hierzulande, sondern auch Schwarz selbst.

„Ich will mich da gar nicht rausreden“

Auf Nachfrage, ob er sich ohnmächtig gefühlt habe, weil er selbst kein Techniker ist, in der Geschäftsführung aber letztlich die Verantwortung dafür getragen haben, räumte er ein: „Ich will mich da gar nicht rausreden. Fakt ist: Der Flughafen konnte im Juni 2012 nicht in Betrieb genommen werden. Das ist Teil meiner beruflichen Vita.“

Monitore hatten Ende der Lebensdauer schon wieder erreicht

Er hat für sich damit abgeschlossen. Mittlerweile schüttelt er selbst mit dem Kopf, wenn er Schlagzeilen liest wie „Flughafen BER reißt 750 Monitore wieder raus“. Im Frühjahr hatte die Berliner

Zeitung „B.Z.“ berichtet, , dass 750 Monitore für die Fluggastinformation, die zur 2012 geplanten Eröffnung eingebaut wurden, wieder ausgetauscht werden. Kostenpunkt: eine halbe Million Euro. Der überwiegende Teil musste entsorgt werden, weil laut Flughafensprecher „das Ende der Lebensdauer erreicht“ war. Schwarz kann selbst nicht fassen, dass diese „bereits wieder repariert werden, obwohl der Flughafen noch gar nicht in Betrieb gegangen ist“.

„Gefühlt findet ja bisher ein Geschäftsführerwechsel im Jahresrhythmus statt“

Etwas Mitleid schwingt mit, als er sagt, dass Engelbert Lütke Daldrup bereits der vierte Chef ist: „Gefühlt findet ja bisher ein Geschäftsführerwechsel im Jahresrhythmus statt“, sagt er. Er kennt den aktuellen Flughafenchef, weil er zu seiner Berliner Zeit als Staatssekretär des damaligen Bundesverkehrsministers Wolfgang Tiefensee (SPD) im Aufsichtsrat des BER saß. „Ich traue ihm zu, dass er die Inbetriebnahme hinbekommt, weil er von der technischen Seite kommt“, sagt Schwarz. „Aufgrund der Persönlichkeitsmerkmale, die er mitbringt, kann er es schaffen.“ Andererseits schränkt er ein, dass „da so viele externe Geschichten reinspielen, dass es auch nur bedingt von einem Geschäftsführer steuerbar ist“. Anders lasse sich diese lange Bauzeit nicht erklären.

„Ich bin froh, da raus zu sein“

Er selbst habe sieben Jahre mit Herzblut an dem Projekt gearbeitet. Insofern empfinde er es auch als „nicht fair gegenüber den vielen engagierten ehemaligen Kollegen, dass sich jeder darüber lustig macht“. Auch wegen dieser bundesweiten Satiren ist er „froh, da raus zu sein“. Er fügt hinzu: „Diese ganzen politischen Spielchen, die sich nach der gescheiterten Inbetriebnahme um den Flughafen entwickelt haben, sind überhaupt nicht mein Thema.“ Die Versuchung zur politischen Skandalisierung sei „offensichtlich zu groß“, zumal der Aufsichtsrat mit zwei Ministerpräsidenten und zwei Staatssekretären des Bundes sehr prominent besetzt gewesen sei. Schwarz will damit nichts mehr zu tun haben und ist nun froh, einen Flughafen – wenn auch im kleineren Maßstab — operativ, kaufmännisch und unternehmerisch gestalten zu können. Er resümiert: „Das war am BER einfach nicht mehr möglich.“


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