Interview mit Imke Wedemeyer Ideen für die „Fuchskuhle“ am Piesberg gesucht

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Osnabrück. Campen am Piesberg? Im Ideen-Waggon Vosslinke sucht das Piesberger Gesellschaftshaus mit Besuchern und Experten nach Inputs für die Weiterentwicklung des Alten Steinbrechers und der Vosslinke. Imke Wedemeyer, Geschäftsführerin des Piesberger Gesellschaftshauses berichtet, welche Vorstellungen schon entwickelt wurden.

Wir sitzen hier in einem Waggon neben dem Alten Steinbrecher am Piesberg …

Das ist der Ideen-Waggon Vosslinke. Wenn die Ideen umgesetzt werden, heißt er vielleicht nur noch Waggon Vosslinke. Aber erst brauchen wir Ideen.

Was steckt hinter diesem Projekt?

Das Ganze fängt mit der Vosslinke an, einem riesigen Gelände neben der Steinbrechanlage. Ein kleinerer Teil gehört den Osnabrücker Stadtwerken, der größere den Niedersächsischen Landesforsten. Der Steinbruchbetreiber Cemex hat das Gelände bisher als Steinlagerplatz genutzt. Dem Piesberger Gesellschaftshaus hat das Areal außerdem häufiger als Parkplatz bei größeren Veranstaltungen und als Spielort gedient, genauso den Dampflokfreunden und dem Museum Industriekultur. Doch jetzt braucht die Cemex das Gelände nicht mehr, und die Landesforsten wollen ihren Grund und Boden gewinnbringend vermarkten. Das ist natürlich legitim. Doch wir möchten das Gelände natürlich weiter nutzen und haben inzwischen mehrere Ideen entwickelt, was daraus werden könnte.

Deshalb gibt es nun den Ideen-Waggon Vosslinke?

Genau. Die Osnabrücker Dampflokfreunde hatten diesen Waggon, den sie nicht wieder für den Fahrbetrieb herrichten wollten und den sie uns kostenfrei überlassen haben. Er muss nun erst einmal innen und außen saniert werden. Im Moment werden hier Ideen gesammelt. Demnächst soll er auf den Gleisen auf der Vosslinke stehen.

Welche Ideen sind schon entstanden?

Claudia Schliemer, Dozentin für Landschaftsarchitektur an der Hochschule Osnabrück, hat das Thema Vosslinke für ein Wochenprojekt mit Studierenden aufgegriffen. Sie haben Poster mit Ideen für das Gelände erstellt, die im Ideen-Waggon aushängen. Die Studierenden haben sich unter anderem mit dem Namen Vosslinke befasst, der aus Plattdeutschen stammt und übersetzt Fuchskuhle heißt. Eine Projektgruppe ist auf die Idee gekommen, Waggons aufzustellen, in denen Leute übernachten können.

Wer hat sich sonst noch an der Ideenfindung beteiligt?

Es gibt eine Arbeitsgruppe, die sowohl aus Fachleuten wie Landschaftsarchitekten als auch aus Interessierten besteht. Außerdem befassen sich die Dampflokfreunde mit der Zukunft des Steinbrechers, der ursprünglich mit der Vosslinke zusammenhing und den wir auch für unsere künftige Nutzung des Geländes brauchen. Außerdem gab es ein Treffen von Anwohnern. Und es wurden beim regelmäßig stattfindenden „Picknick auf der Baustelle“ Ideen von Besuchern gesammelt. Bei fast allen Treffen kam ein Thema immer hoch, nämlich dass es doch schön wäre, wenn Besucher länger als einen Tag am Piesberg bleiben könnten.

Da kommen also die Schlafwaggons ins Spiel.

Zum Beispiel. Wir haben die Idee, Cool Camping anzubieten. Wissen Sie, was das ist?

Nein.

Das ist Camping an ausgesuchten Orten. In Bottrop-Ebel ist es etwa möglich, in Kanalrohren zu übernachten. Und es ist so gefragt, dass man schon jetzt fürs nächste Jahr vorbuchen muss. Vorstellbar wären in der Vosslinke aber auch Tiny Houses, die ja gerade so in sind. Auch ein Stellplatz für Campingbullis oder Wohnwagen wäre möglich. In dem Bereich ist Osnabrück unterversorgt. Das Gute am Piesberg ist, dass jeder hier etwas findet. Im Kultur- und Landschaftspark Piesberg gibt es Natur und Technik und Kultur und Abenteuer. Soweit ich weiß, gibt es diese Konstellation sonst nirgendwo. Wir haben im Gesellschaftshaus schon viel im Netz recherchiert und sind auf nichts Vergleichbares gestoßen. Es gibt aufwendig ausgebaute Industriekultur oder in anderen Bereichen Eisenbahnkultur. Aber dass alles zusammenkommt, gibt es sonst nicht.

Aber was, wenn die Niedersächsischen Landesforsten die Vosslinke nun doch möglichst schnell zu Geld machen wollen und sie an eine Firma verpachten?

Wir haben ein Treffen mit den Landesforsten gehabt. Die Vertreter sind sehr offen und finden unsere Ideen gut. Letztlich soll da natürlich ein Gewinn rauskommen. Wir wünschen uns aber eine Schonzeit von zwei Jahren, einen Freiraum, in dem wir Dinge ausprobieren können. Der Piesberg entwickelt sich ja gerade erst zum Naherholungsgebiet. Es kommen immer mehr Leute hier raus. Außerdem ist die Vosslinke eine Art Filetstück hier. Denn sie liegt zwischen dem Piesberger Gesellschaftshaus, dem Steinbrecher sowie dem Haseschacht und Magazingebäude des Museums Industriekultur. Das macht sie für uns so wichtig, zumal die Dampflokfreunde derzeit daran arbeiten, die Züge bis zum Steinbrecher statt bis zum Zechenbahnhof fahren zu lassen. Wenn sich nun mitten in diesem Gebiet z.B. ein Industrielagerplatz mit Einzäunungen ansiedeln würde, wäre das schlecht.

Welche Veranstaltungen hat das Piesberger Gesellschaftshaus noch zur Vosslinke im Programm?

Wir greifen das Thema bei verschiedenen Veranstaltungen auf, etwa bei einer Naturführung über die Vosslinke oder einem Familienangebot zum Geschichtenschreiben. Auch das Bergfest Anfang September wird zur Vosslinke hin erweitert. Außerdem wird das Piesberger Gesellschaftshaus 2019 25 Jahre. Zu diesem Jubiläum planen wir ein Workcamp zur Natur- und Umweltbildung auf der Vosslinke.

Können Besucher beim „Picknick auf der Baustelle“ am Sonntag weitere Ideen für die Vosslinke einbringen?

Im Mittelpunkt steht zwar der Steinbrecher. Doch die Besucher können in den Waggon gehen und unsere Ideen weiterspinnen.

„Picknick auf der Baustelle: der Alte Steinbrecher und die Fuchskuhle“: Sonntag, 1. Juli, 12 bis 16 Uhr im Ideen-Waggon Vosslinke neben dem Steinbrecher (ausgeschildert vom Piesberger Gesellschaftshaus, 2 Min. zu Fuß)


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