Paartherapie auf der Couch Gelungene Verfilmung "Die Wunderübung"

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Joana Dorek (Aglaia Szyszkowitz) belächelt die Ausführungen ihres Ehemannes. "Die Wunderübung". Ab Donnerstag in den Kinos. Filmtheater Hasetor.Joana Dorek (Aglaia Szyszkowitz) belächelt die Ausführungen ihres Ehemannes. "Die Wunderübung". Ab Donnerstag in den Kinos. Filmtheater Hasetor.

Osnabrück. Die Verfilmung des erfolgreichen Theaterstücks „Die Wunderübung“ mit Aglaia Szyszkowitz und Devid Striesow überzeugt auch als Leinwandadaption mit pointenreichem Wortwitz im Krieg der Geschlechter.

Ehe ist Krieg. Welches Paar wüsste das besser als Elizabeth Taylor und Richard Burton, das den eigenen Ehekrieg im Jahre 1966 öffentlich in der Verfilmung von Edward Albees Theaterstück „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ auf der großen Leinwand auslebte?

Selbst 52 Jahre später hat sich an der scheinbaren Unmöglichkeit eines friedlichen Miteinanders zwischen Mann und Frau nichts Grundsätzliches geändert. Und so erfreuen sich nach wie vor Theaterstücke und deren Leinwandadaptionen größter Beliebtheit beim Publikum. So auch Daniel Glattauers Kammerspiel „Die Wunderübung“, das alleine in Wien bei 77 Vorführungen im ausverkauften Theater in der Josefstadt rund 30000 Zuschauer anlockte.

Auch die filmische Umsetzung von Michael Kreihsl, der bereits mit der Leinwand-Adaption von Glattauers Stück „Gut gegen Nordwind“ überzeugte, verdient sogar im Sommer und während der WM ausverkaufte Lichtspielhäuser. Nicht zuletzt wegen des herausragenden dreiköpfigen Ensembles, das den Rollentausch in therapeutischen und zwischenmenschlichen Spielchen beim Paarberater facettenreich variiert.

Aglaia Szyszkowitz, die bereits auf der Bühne in Wien die Rolle der Ehefrau Joana verkörperte, und Devid Striesow als Ehemann Valentin glänzen hier nun gemeinsam in der Praxis eines Paartherapeuten (Erwin Steinhauer), der offenbar selber ein paar ganz gewaltige Probleme mit sich herumträgt. Während das Paar seine „Kampfbeziehung“ in unterschiedlichen Übungen auslebt, droht dem Therapeuten eine „therapeutische Bankrotterklärung“.

Regisseur Kreihsl gelingt es mit dem vorgegebenen Wortwitz der Vorlage und gutem Timing, das boshafte Spiel der Geschlechter pointenreich auf die Leinwand zu bringen. Dabei landen freilich nicht nur allerlei Geschlechterklischees auf der therapeutischen Couch, sondern auch einige paartherapeutische Ansätze wie die „Faustübung“. Eine überaus gelungene „Wunderübung“, die das Kammerspiel geschickt mit ein paar Möglichkeiten anreichert, die das Medium Film bietet.

Die Wunderübung. A 2017. R.: Michael Kreihsl. D.: Aglaia Szyszkowitz, Devid Striesow, Erwin Steinhauer. Laufzeit: 90 Minuten. FSK: ohne Altersbeschränkung. Filmtheater Hasetor.


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