Stifte der Zukunft Osnabrücker Caro-Schüler zeigen wirtschaftliche Kreativität

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Stolze Sieger: Maja, Maja Sophie, Klaas, Thomas, Franziska und Jan Malte vom Gymnasium Carolinum konnten die Jury beim MIG mit ihrem virtuellen Stift überzeugen. Foto: Robert SchäferStolze Sieger: Maja, Maja Sophie, Klaas, Thomas, Franziska und Jan Malte vom Gymnasium Carolinum konnten die Jury beim MIG mit ihrem virtuellen Stift überzeugen. Foto: Robert Schäfer

Das Osnabrücker Gymnasium Carolinum hat jetzt zum ersten Mal am Management Information Game (MIG) des Industriellen Arbeitgeberverbandes (IAV) teilgenommen. Drei Schülergruppen zeigten ihre Ideen für einen innovativen Stift und präsentierten ihre Konzepte.

Das MIG wird bereits seit einigen Jahren in der Region angeboten und wurde schon an zahlreichen Schulen durchgeführt. Es handelt sich um ein praxisnahes Planspiel, das spielerisch einen Einblick ins Wirtschaftsleben vermittelt. Die Jugendlichen schlüpfen in die Rolle von AG-Vorständen – unterstützt von Fachleuten aus der realen Wirtschaft. Gastgeber war in diesem Jahr die Osnabrücker Gebr. Titgemeyer GmbH & Co. KG, 1901 gegründetes Traditionsunternehmen aus der Automobilzulieferer-Branche.

Mit dem MIG will der IAV das Verständnis für Wirtschaft und Management stärken. 75 Entscheidungen mussten die Schüler im Laufe der Woche verstehen lernen und selbst für ein virtuelles Produkt umsetzen. „Wir finden das eine ganz tolle Aktion“, leitete Titgemeyer-Geschäftsführer Joachim Sommer in die Präsentationen ein. 10 bis 15 Auszubildende pro Jahr habe das Unternehmen selbst, darunter auch immer wieder auch Karolinger, wie Schüler des Gymnasiums Carolinum auch genannt werden.

Drei Schülergruppen mussten sich Gedanken machen, wie sich ein Produkt entwickeln und vermarkten lässt. Als PearPen AG, Scanini AG und Artesano GmbH sollten 20.000 Stifte für den fiktiven Aufkäufer Pencil Solution GmbH entwickelt werden – also ein Projekt aus dem Bereich Business-to-Business, das sich nicht an Endverbraucher richtet, sondern an einen Firmenkunden.

Zielgruppen, Entwicklung, Produktion, Marketing – all das musste bedacht werden, um die Gäste der Pencil Solution GmbH letztlich zu überzeugen. Dabei bewiesen die Schüler durchaus Kreativität.

Premium-Version

Als Erstes war die PearPen AG am Start. Deren Vertreter setzten vor allem auf digitale Fähigkeiten. Digitale Aufzeichnung, Verbindungsfähigkeit mit nahezu allen Endgeräten, eingebaute Speicher – an all das hatten die Schüler gedacht. Zusätzlich hatten sie sich Gedanken über unterschiedliche Funktionen ihres Stiftes gemacht. Sogar an eine mögliche Premium-Version wurde gedacht.

Die grafische Umsetzung der Präsentation folgte klassischen Vorbildern. Vor allem von den Keynotes des Technikgiganten Apple hatten sich die sechs Schüler inspirieren lassen. 78 oder 90 Euro sollten die Stifte im Einkauf kosten, 130 oder 150 Euro sollen Nutzer aus Verwaltung, Büro, Schule und Kunst zahlen.

Die Scanini AG setzte von Anfang an sehr auf Image. Ein nahezu professionell gestalteter Imagefilm führte in die Präsentation ein. Freunde des alten Mehrfarbenkulis konnten bei den sieben Schülern aufhorchen, denn ihr Stift ist ein kleiner Minidrucker. Er soll in jeder Farbe der Welt schreiben und malen können. Dabei kann ein eingebauter Sensor jede Farbe scannen und entsprechend direkt ausgeben. 60 Euro Einkaufspreis und 80 Euro Verkaufspreis hielt die virtuelle Firma für realistisch – ein bewusst niedriger Preis, denn richtig gut verdienen wollten die Schüler an den Nachfüllpatronen. Hier gehen sie von einem Verkaufspreis von 13 Euro aus – bei knapp 4 Euro Einkaufspreis ein gutes Geschäft.

Integrierte Wasserwaage

Ein „Schweizer Taschenmesser der Stifte“ hatte sich die Artesano GmbH ausgedacht. Als Stift mit Winkelmesser und Streckenmesser auf Lasertechnik-Basis oder auch als Wasserwaage sollte ihr Stift fast als kleiner Werkzeugkoffer durchgehen. Vor allem Handwerker und Heimwerker dürften die Zielgruppe dieses Stiftes sein. Bei einem geplanten Verkaufspreis von gerade einmal 40 Euro sollten sich in diesem Bereich durchaus Abnehmer finden lassen, waren sich die Schüler sicher. Die Kundschaft erreichen wollten sie per Radiospot.

Ansonsten schlugen alle Schülergruppen als Werbekonzept vor allem die Nutzung sozialer Medien und sogenannter Influencer vor. Das sind scheinbar normale Internet-Nutzer, die auf Kanälen wie Youtube oder Instagram von ihren Erfahrungen mit bestimmten Produkten berichten – wohinter sich oft genug nichts anderes als eine bezahlte Werbung verbirgt.

Klassische Marketingwege hingegen können die jungen Menschen allem Anschein nach nicht mehr überzeugen. Vor allem die Kosten schreckten die Jungunternehmer. „Fernsehwerbung ist bei nur 20.000 Stück einfach zu teuer“, meinte Jan Malte.

Sieger wurde schließlich der PearPen. „Die Idee war, etwas zu nehmen, das das aktuelle Thema Digitalisierung für Leute nutzbar macht, die bislang noch lieber auf traditionelle Stifte setzen“, beschrieb Maja die Grundlage. Eigentlich sei die Idee zuerst ein Witz gewesen, gaben die sechs Schüler zu. Nachdem sie aber die Möglichkeiten für ihr Konzept genauer recherchiert hatten, stellte sich heraus, dass ein digitaler Stift in klassischem Design durchaus denkbar wäre. „Die Teile würden passen“, meinte Thomas.

Das einwöchige Wirtschaftsplanspiel MIG wird seit Mitte der 1980er-Jahre in unterschiedlicher Form vom IAV gemeinsam mit dem Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft veranstaltet. Neben der Firma Titgemeyer wird das Projekt von weiteren regionalen Unternehmen und Institutionen unterstützt: von der Deutsche Bank, der Dr. Klein, Dr. Mönstermann und Partner GmbH, dem Förderverein Carolinum, der VME-Stiftung Osnabrück-Emsland und der Volkswagen Osnabrück GmbH.

Zuvor hatte bereits ein MIG mit der Ursulaschule bei der Q1 Energie AG stattgefunden. Die drei Spielteams stellten dabei verschiedene Kühlschrank-Modelle vor. Alle drei Präsentationen seien sehr kreativ und überzeugend gewesen, berichteten Beteiligte. Es ging um eine im Kühlschrank integrierte Mikrowelle und um Apps, mit denen sich bequem nachvollziehen lässt, was noch im Kühlschrank vorhanden ist und was online nachbestellt werden muss.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN