80 Prozent der Täter kommen durchs Fenster Tipps der Polizei: Wie lassen sich Einbrüche verhindern?

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Die Ferien haben begonnen, der Urlaub lockt. Doch wenn das eigene Zuhause von Einbrechern verwüstet wird, während man sich nichts Böses ahnend am Strand aalt, ist der Schock groß. Foto: dpa/Frank RumpenhorstDie Ferien haben begonnen, der Urlaub lockt. Doch wenn das eigene Zuhause von Einbrechern verwüstet wird, während man sich nichts Böses ahnend am Strand aalt, ist der Schock groß. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Osnabrück Die Ferien haben begonnen, der Urlaub lockt. Doch wenn das eigene Zuhause von Einbrechern verwüstet wird, während man sich nichts Böses ahnend am Strand aalt, ist der Schock groß. Wie sich der verhindern lässt, darüber sprachen wir mit Martin Schmitz, Beauftragter für Einbruchsschutz im Präventionsteam der Polizeiinspektion Osnabrück.

Herr Schmitz, woran erkennen Einbrecher, dass ein Haus oder eine Wohnung ein leichtes Ziel ist?

Das erkennen die Täter an Fenstern und Türen, die schon älter sind. Da setzen die den Schraubendreher an und haben das Fenster in wenigen Sekunden aufgehebelt. Die gucken danach, wo kann ich leicht und schnell rein. Zu 80 Prozent dringen Einbrecher durch Fenster auf der Gebäuderückseite ein. Es wird immer erst versucht, das Fenster aufzuhebeln. In den letzten zwei, drei Jahren wird aber auch häufiger die Scheibe eingeworfen, durchgegriffen und der Fenstergriff entriegelt. Das lässt sich mit abschließbaren Fenstergriffen verhindern. Als Hebelschutz gibt es sogenannte Pilzkopfverriegelungen oder aufschraubbare Sicherungen.

Also ist der Schraubendreher, nicht der Kuhfuß, das meist benutzte Einbruchswerkzeug?

Ja, mit Abstand! Das sehen wir an den Spuren. Und einen Kuhfuß kann man schlecht unauffällig durch die Siedlung tragen.

Viele denken, ich bin nicht reich, bei mir ist doch nichts zu holen. Bin ich deshalb vor Einbrechern sicher? Oder anders gefragt: Gibt es Menschen, die besonders gefährdet für Einbrüche sind?

Das wissen die Täter ja vorher nicht, was zu holen ist. In fast jedem normalen Einfamilienhaus gibt es etwas Schmuck oder Bargeld, und die Einbrecher gucken danach, wo sie schnell durch Fenster oder Terrassentür eindringen können. Man sollte sich für Dokumente, Geld, Schmuck und für Erbstücke, die einem am Herzen liegen, einen Tresor anschaffen. Der muss aber immer fest im Boden oder in einer Wand verankert sein, damit die Täter ihn nicht einfach mitnehmen können.

Wie kann ich mich ohne großen finanziellen Aufwand und ohne technische Nachrüstung gegen Einbruch schützen?

Gar nicht. Ich muss schon ein bisschen Geld in die Hand nehmen für mechanische oder elektronische Sicherungen, zum Beispiel Mehrfachschlösser, abschließbare Fenstergriffe oder Pilzkopfsicherungen, weil das Einzige, was wir den Tätern nehmen können, ist Zeit. Die Nachrüstungen werden aber von der KfW-Bank unterstützt mit einem Zuschuss: Für 1000 Euro Kosten zum Einbruchsschutz gibt es einen Zuschuss von 20 Prozent, zwischen 1000 und 15000 Euro zehn Prozent. Der Anteil von Einbruchsversuchen, die an wirksamen Sicherungen oder aufmerksamen Nachbarn scheitern, liegt bei 40 Prozent.

Was können Mieter tun, um ihre Wohnung gegen Einbruch zu sichern?

Das, was ich schon genannt habe. Mieter müssen sich natürlich mit dem Vermieter abstimmen und sich für alles, was die Substanz der Wohnung verändert, die Genehmigung ihres Vermieters einholen.

Stimmt es denn, dass Ferienzeit Einbruchszeit ist und dass die Täter meistens nachts kommen?

Das sind zwei Fragen. Die meisten Einbrüche haben wir in der dunklen Jahreszeit tagsüber zwischen 15 und 20 Uhr, wenn es dämmerig oder dunkel ist und die Bewohner noch nicht zu Hause sind. Wir haben aber auch einen leichten Anstieg in der Ferienzeit, weil manche Menschen Einbrecher geradezu einladen. Wenn die Jalousien den ganzen Tag unten sind, der Briefkasten überquillt, die Mülltonne ständig an der Straße steht und der Rasen wochenlang nicht gemäht wird, signalisiert das dem Umfeld, da ist keiner zu Hause. Man darf den Tätern keine Hinweise liefern! Am besten ist es, wenn Nachbarn oder Freunde den Briefkasten leeren, die Mülltonne raus- und reinstellen. Die Jalousien rauf- und runterlassen und auch mal das Licht ein- und ausschalten geht auch über eine Zeitschaltuhr.

Kommen die Täter denn überwiegend aus dem Umfeld?

Es gibt beides, örtliche und durchreisende Täter. Für die letztgenannte Tätergruppe haben wir extra eine Ermittlungsgruppe gegründet; es sind ja auch schon einige Bandentäter gefasst und vor Gericht gestellt worden.

Werden denn eher Einfamilienhäuser im Speckgürtel und in den Wohnvierteln am Stadtrand oder Wohnungen in der Stadt von Einbrechern heimgesucht?

Beides; das verteilt sich auf Innenstadt, Stadtrand und Landkreis. Da gibt es keinen Brennpunkt.


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