Ausweichtreffpunkt Willy-Brandt-Platz Umbauarbeiten: Osnabrücker Raiffeisenplatz-Szene will zurück

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Osnabrück. Die Osnabrücker Alkohol- und Drogenszene wandert. Seit der Osnabrücker Raiffeisenplatz umgebaut wird, hält sich die aus mehreren kleineren Gruppen bestehende Szene überwiegend im Park am Willy-Brandt-Platz in der vorderen Wüste auf. Dort häufen sich die Beschwerden.

Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage der Gruppe UWG/Piraten mitteilte, ist das Beschwerdeaufkommen am Willy-Brandt-Platz höher als zuvor am Raiffeisenplatz. Kein Wunder: Der Willy-Brandt-Platz liegt anders als der bahnhofsnahe Raiffeisenplatz mitten in einem Wohngebiet. Er wird nur von einer Seite durch den Schlosswall begrenzt, von einer weiteren durch das Arbeitsamt. Der Park ist mit Bewegungsgeräten für alle Generationen ausgestattet, außerdem gehört ein beliebter Kinderspielplatz dazu. Vor allem im Sommer ist der Park Treffpunkt für solche Studenten, denen es im Schlossgarten zu wuselig ist. Sie liegen im Gras, spielen Federball, ab und zu wird auch gegrillt. Eine Gruppe Senioren dreht dort auch regelmäßig ihre Runden. Und seit Mitte Februar gesellen sich die Leute vom Raiffeisenplatz dazu, weil dort die Bagger rollen. Von einem Tag auf den anderen waren sie da. Mal sind es zehn, mal 30. Genaue Zahlen kann auch die Stadt nicht nennen.

Drogen, Lärmbelästigung

„Wie zuvor am Raiffeisenplatz sind auch am Willy-Brandt-Platz vergleichbare Probleme wie Konsum von Alkohol und Drogen, Lärmbelästigung durch Schreien und Rufen, Verrichten der Notdurft in der Öffentlichkeit feststellbar“, so die Verwaltung. Regelmäßig sind Polizei und Ordnungsamt vor Ort. Schon im Sozialausschuss Ende Mai war die Verlagerung der Szene Thema. Michael Strob vom Katholischen Verein für soziale Dienste (SKM) merkte an, dass die Raiffeisenplatz-Gruppe auf eine kleine Gruppe treffe, die sich schon seit Jahren am Willy-Brandt-Platz aufhält: Leute, die dort ihr Bierchen trinken, nachdem sie einen Termin im Jobcenter hatten, und sich dann wieder auf den Weg zur Tageswohnung des SKM in der Bramscher Straße machen – oder umgekehrt. „Wichtig ist: Jede Gruppe soll ihren Platz haben“, betont Strob.

Konflikt mit Vorgeschichte

Am Raiffeisenplatz hatten sich die ansässigen Geschäftsleute vor rund zwei Jahren so massiv beschwert, dass Stadtbaurat Frank Otte alle Beteiligten an einen Tisch holte. Gelöst wurde der Konflikt nicht. Den Platz gestaltet die Stadt aus zwei Gründen neu: zum einen, weil er sich auf dem Fußweg zwischen Innenstadt und Bahnhof befindet und mittlerweile reichlich schäbig daherkam, vor allem aber, weil der zugewucherte Platz reichlich Versteckmöglichkeiten bot, was laut Stadtverwaltung Drogenhandel, Prostitution oder Alkoholmissbrauch begünstigte. Also holzten die Mitarbeiter der Osnabrücker Servicebetriebs (OSB) Anfang des Jahres ordentlich ab und starteten dann mit der Neugestaltung.

Die Szene war zunächst wenig angetan, fühlte sich wie auf dem Präsentierteller, weil die Büsche verschwunden waren. Also zog sie zum Willy-Brandt-Platz um. Vor allem im März und April häuften dort sich die Beschwerden, berichtete Sandra Solf, Fachbereichsleiterin Bürger und Ordnung, im Sozialausschuss. Inzwischen sei es ruhiger geworden.

Vom Salzmarkt verdrängt

Vor dem Raiffeisenplatz hatte sich die Gruppe am Salzmarkt aufgehalten, bis die Stadt dort ein Alkoholverbot verhängte. Stadtbaurat Frank Otte und Fachbereichsleiterin Solf versicherten immer wieder, dass sie die Szene nicht erneut vertreiben wollten, sie solle den Raiffeisenplatz weiter nutzen können. Ende 2017 hatte die Stadt dort einen lange zuvor von Otte versprochenen Regenunterstand in Form eines Buswartehäuschens aufgestellt, außerdem wurde ein verschließbarer Kasten mit Kehrblech und Müllsäcken installiert. „Wir sind gespannt, wie sich die Situation entwickeln wird, wenn der Raiffeisenplatz wieder geöffnet wird“, sagte Solf im Sozialausschuss.

Szene will zurück zum Raiffeisenplatz

An der Hase hat die Stadt Sitzstufen installiert. Foto: Michael Gründel

Unsere Redaktion hat die Gruppe am Willy-Brandt-Platz besucht und nachgefragt. Wollen sie zurück? „Ja, klar“, sagte einer. „Wir finden es hier scheiße. Die wollen uns hier nicht.“ Die Bauarbeiten am Raiffeisenplatz sind schon weit vorangeschritten und dürften in wenigen Wochen beendet sein. Dann kann die Szene zurück. Die Stadtverwaltung erarbeite derweil ein Konzept, wie es weitergehen soll, teilte sie auf die UWG/Piraten-Anfrage mit.


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