Deutschland-Spiele bei der WM So reagieren Osnabrücker Arbeitgeber auf die frühe Anstoßzeit

Von Lena Fischer und Sebastian Philipp

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Die Deutsche Nationalmannschaft tritt heute bei der Fußball-Weltmeisterschaft schon um 16 Uhr gegen Südkorea an. Viele Arbeitnehmer müssen dann noch arbeiten – und sollten sich vorher mit dem Chef absprechen, was im Büro erlaubt ist. Symbolfoto: Andrea Warnecke/dpaDie Deutsche Nationalmannschaft tritt heute bei der Fußball-Weltmeisterschaft schon um 16 Uhr gegen Südkorea an. Viele Arbeitnehmer müssen dann noch arbeiten – und sollten sich vorher mit dem Chef absprechen, was im Büro erlaubt ist. Symbolfoto: Andrea Warnecke/dpa 

lf/sph Osnabrück. Wenn die Deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft am Mittwoch um 16 Uhr gegen Südkorea um das Weiterkommen kämpft, müssen viele Arbeitnehmer auf Live-Bilder verzichten – aber nicht alle: So gehen Osnabrücker Unternehmen mit der fanunfreundlichen Anstoßzeit um.

Einen entspannteren Termin zum Einkaufen als den während den Deutschland-Spielen gibt es wohl kaum. Und so haben Supermärkte wie die von Mechthild Möllenkamp auch während Länderspielen geöffnet. „Auch dann haben wir Umsätze in unseren Edeka-Märkten“, sagt Möllenkamp. Schon weit im Vorfeld des Turniers hätten sich die Mitarbeiter untereinander abgesprochen, damit die Fußballfans in der Belegschaft auch bei Nachmittagsspielen vor dem Fernseher sitzen können. „Und in jedem Markt gibt es mindestens einen Mitarbeiter, der die Kollegen auf dem Laufenden hält.“

Normaler Betrieb in Krankenhäusern

Natürlich geht auch in den Krankenhäusern der Niels-Stensen-Kliniken der Betrieb normal weiter. Spezielle Public Viewing-Angebote für Mitarbeiter gibt es nach Angaben von Sprecher Michael Schiffbänker nicht. „In der Verwaltung können Mitarbeiter nach Absprache Überstunden abbauen und früher Feierabend machen“, sagt Schiffbänker. Ärztliches und Pflegepersonal dagegen haben es schwer, bewegte Bilder aus Kasan zu konsumieren: Während Untersuchungen und Operationen ist das Fußballschauen selbstverständlich Tabu. Immerhin kann das Pflegepersonal auf den TV-Geräten der Patienten zumindest für kurze Momente den aktuellen Spielstand erhaschen. „In den Bereitschaftszimmern für unser Personal stehen in der Regel Fernseher“, sagt der Unternehmenssprecher.

Weiterlesen: WM schauen bei der Arbeit: Was erlaubt ist und was nicht

Busfahrer werden über Funk informiert

Bei den Stadtwerken Osnabrück können sich fußballbegeisterte Mitarbeiter durch das praktizierte Gleitzeitmodell Zeit freischaufeln. Sofern sie betriebliche Abläufe nicht stören, ist es ihnen sogar erlaubt, in nicht genutzten Besprechungsräumen mit Bildschirmen gemeinsam Fußball zu schauen. „Für das Rudelgucken müssen sich die Kollegen aber ausstempeln“, sagt Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer. Busfahrer der Verkehrsbetriebe werden laut Hörmeyer derweil von ihren Kollegen in der Leitstelle auf dem Laufenden gehalten. Schlechter sieht es dagegen beispielsweise für Mitarbeiter der Bäderaufsicht in Nettebad und Co. aus. Sie haben keine Möglichkeit, das letzte Gruppenspiel gegen Südkorea nebenbei zu schauen.

WM-Arena bei der Muuuh! Group

„Bei den Streifenkollegen hat es sich bei den Turnieren bewährt, dass die Leitstelle eine Info per Funk durchgibt, wenn ein Tor fällt“, berichtet der Osnabrücker Polizeisprecher Frank Oevermann. Ganz auf dem Trockenen sitzen die Polizisten im Außendienst also nicht. Glück haben die Mitarbeiter der Muuuh! Group: In dem jungen Osnabrücker Unternehmen ist extra für die WM eine Arena mit Fernsehern eingerichtet worden. „Alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit, sich die Spiele anzusehen“, sagt Nadine Maßmann, Assistentin des Leiters muuuh! digital. Das betreffe nicht nur die Deutschlandspiele. Wenn aber der amtierende Weltmeister antritt, wird sogar ein Catering angeboten.

Überrascht vom frühen Anpfiff

Ein wenig überrascht von der frühen Anstoßzeit wurde Sonja Gering-Höfelmeyer vom Salon „Better Feeling“ in der Osnabrücker Altstadt. „Ganz ehrlich: Wir haben das erst in den vergangenen Tagen richtig realisiert“, sagt die Geschäftsführerin. Das Problem: Ihre Mitarbeiter sind ausnahmslos fußballverrückt und nun muss schnell noch ein Fernseher organisiert werden, damit die Belegschaft während den Öffnungszeiten auf dem aktuellen Stand bleibt. Eine Schließung des Ladens kam aufgrund der schon vergebenen Termine nicht in Frage. „Wir werden alle mitfiebern und hoffen, dass die Nationalmannschaft weit kommt“, sagt Gering-Höfelmeyer.

Die Mitarbeiter von L&T, aber auch alle anderen Fußballbegeisterten können das Deutschlandspiel an der Hasewelle im L&T-Gebäude auf einer großen Videowand verfolgen. „Unsere Mitarbeiter werden nicht freigestellt“, sagt Marketingchef Bernhard Fischer. „Allerdings haben wir um diese Zeit auf unseren Verkaufsflächen nur eine Mindestbesetzung, damit möglichst viele Mitarbeiter frei haben und das Spiel schauen können.“

Das sagt der Arbeitsrechtler

Rein rechtlich sollten sich Mitarbeiter auch bei grassierendem WM-Fieber bei ihrem Chef rückversichern, was erlaubt ist, rät der Osnabrücker Rechtsanwalt Timm Laue-Ogal. „Heimliches Fußball schauen – auch via Live-Stream im Internet – ist eine Verletzung der Arbeitspflicht. Für Live-Sendungen im Radio gilt dasselbe, selbst wenn der Arbeitgeber sonst Radiohören duldet.“ Im Gegensatz zu Musik lenke eine Fußball-Übertragung so sehr ab, dass ein konzentriertes Arbeiten kaum möglich sei. Wenn der Arbeitgeber privates Surfen in angemessenem Umfang erlaube, sei das gelegentliche Aktualisieren eines Live-Tickers zulässig. „Jedenfalls dann, wenn die Arbeitsleistung dadurch nicht beeinträchtigt wird“, sagt der Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Wer sich nicht mit dem Chef abspricht, dem blüht im schlimmsten Falle allerdings die gelb-rote Karte. Schließlich drohe eine Abmahnung, im Wiederholungsfall sogar eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses, so Laue-Ogal. Ein Tabu ist zudem das für viele obligatorische Bier: Nur wenn der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern für ein WM-Spiel freigibt und es explizit gestattet, ist ein Pils im Arbeitskontext beim Fußball erlaubt.


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