Auftragsrückgang befürchtet Firmen in der Region Osnabrück sorgen sich wegen US-Strafzöllen

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Wegen der US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium befürchtet die Stahlunternehmensgruppe Georgsmarienhütte Holding - hier der Elektrolichtbogenofen des Georgsmarienhütter Stahlwerks - Marktverschiebungen und einen Preisverfall für Stahl auf dem deutschen Markt. Foto: Jörn MartensWegen der US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium befürchtet die Stahlunternehmensgruppe Georgsmarienhütte Holding - hier der Elektrolichtbogenofen des Georgsmarienhütter Stahlwerks - Marktverschiebungen und einen Preisverfall für Stahl auf dem deutschen Markt. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium bereiten der regionalen Wirtschaft große Sorgen.

Die Stahlunternehmensgruppe Georgsmarienhütte Holding befürchtet wegen zunehmender Konkurrenz aus Indien, China und Südkorea einen Preisverfall für Stahl auf dem deutschen Markt. Außenwirtschaftsexperten aus der Region erwarten, dass die Strafzölle auch auf Autos ausgeweitet werden und befürchten nennenswerte Auswirkungen auf die Zulieferer in unserer Region.

Die verhängten Zölle von 25 Prozent auf alle Stahlimporte werden laut Sprecherin der GMH Gruppe, Iris-Kathrin Wilckens, Auswirkungen auf die Unternehmen der GMH Gruppe haben, die jährlich Produkte im Wert von 70 Millionen Euro in die USA liefern. Allerdings wäre der Stahlproduzent durch die erwartete Marktverschiebung stärker indirekt als direkt betroffen. Die GMH Gruppe fertigt in den USA seit vielen Jahren mit einer eigenen Produktion Zahnstangen für automobile Lenksysteme.

Das dafür benötigte Vormaterial aus Stahl wird laut Wilckens auch in den USA eingekauft und fällt somit nicht unter die geplante Zollmaßnahme. Der Vorsitzende der Stahlholding, Frank Koch, spricht in einer Mitteilung von einem unfairen Wettbewerbsvorteil und fordert die Europäische Union auf, „unsere Stahlindustrie wirkungsvoll zu schützen“. Koch warnt vor einem „Wiederaufflammen der Importkrise, die 2015 ihren Höhepunkt hatte und vor allem durch massive Überkapazitäten in Ländern wie China verursacht war“.

„Es drohen jetzt massive Umleitungseffekte in den EU-Markt“

Auch der Sprecher der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Klaus Schmidtke, bestätigt das auf Anfrage unserer Redaktion und sagt: „Umlenkungseffekte, die sich bereits in diesem Jahr bei den Stahlimporten am EU-Markt auswirken werden, sind das Hauptproblem für die Stahlindustrie in Deutschland und Europa.“ Dabei handele es sich um Stahl zum Beispiel aus Russland, der Türkei oder Südkorea, der bis März dieses Jahres traditionell in die USA geliefert worden sei und nun aufgrund der US-Maßnahmen auf andere Märkte dränge: „Fast 80 Prozent der US-Importe von 2017 sind von US-Maßnahmen betroffen“, betont Schmidtke. „Es drohen jetzt massive Umleitungseffekte in den EU-Markt.“

Die Abnehmerstrukturen zwischen den USA und der EU ähnelten sich und der EU-Stahlmarkt sei vollständig offen und frei von protektionistischen Maßnahmen. Der EU-Markt sei hinsichtlich der Einfuhrzölle im Stahlbereich vollständig liberalisiert und seit dem Jahr 2004 erhebe die EU keine Einfuhrzölle mehr auf Walzstahlimporte. Es drohe ein weiterer deutlicher Importanstieg: „Den Effekt sehen wir jetzt schon in der Außenhandelsstatistik“, sagt Schmidtke.

20-Prozent-Strafabgabe auf Auto-Importe aus der EU wahrscheinlich

Außenwirtschaftsexperten aus der Region erwarten sogar, dass die Strafzölle auch auf Autos ausgeweitet werden und befürchten nennenswerte Auswirkungen auf die Zulieferer in unserer Region. Der Motoren-Service-Unternehmer Bernard Storm, der mit seiner Speller Firma Storm bereits ein Joint-Venture in den USA hat, plante noch im vergangenen Jahr, sein Engagement auf dem amerikanischen Markt weiter auszubauen und dort bis zu diesem Jahr eine eigene Niederlassung aufzubauen. Jetzt setzt er aber doch lieber auf ein „Joint Venture“ — also ein Gemeinschaftsunternehmen, das er zusammen mit einem Kooperationspartner aus Boston betreibt.

Weil das Partnerunternehmen über mehr als zehn Servicestützpunkte und Niederlassungen in der Osthälfte der USA verfüge, habe er von der Gründung einer eigenen Niederlassung abgesehen. Storm, der auch stellvertretender Vorsitzender des Außenwirtschaftsausschusses der IHK ist, hält es für wahrscheinlich, dass US-Präsident Donald Trump neben den bereits verhängten Strafzöllen auf Aluminium und Stahl auch eine 20-Prozent-Strafabgabe auf Auto-Importe aus der EU.

Trump twitterte erst am vergangenen Freitag, dass die USA einen Zoll von 20 Prozent erheben wird, wenn die Vergeltungszölle (betroffen sind US-Produkte wie Whiskey, Jeans, Motorräder und Erdnussbutter), die als Reaktion auf die amerikanischen Handelsbarrieren am Freitag in Kraft traten, nicht bald beseitigt werden. Storm betonte: „Auch in unserer Region sind viele Zulieferer der Autoindustrie ansässig. Entsprechend hätte das vermutlich sogar nennenswerte Auswirkungen.“

„Trumps Ziel ist maximale Verunsicherung“

Der Emsbürener Unternehmer Franz-Josef Paus, der Trumps Rhetorik als Vorsitzender des Außenwirtschaftsausschusses der IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim vor zwei Monaten als „Säbelrasseln“ bezeichnet hatte, ist auch nach den Strafmaßnahmen der Ansicht, dass Trump „zunächst durchaus unrealistische Forderungen stellt“. Sein Ziel bestehe in maximaler Verunsicherung, um dann das Bestmögliche für sich zu erreichen — „und sei es nur das Medienwirksamste“. Insgesamt schade sich die US-Wirtschaft eher mit den Strafzöllen.

„Folgen der Strafzölle haben ein großes Ausmaß“

Der Chef des Wallenhorster Anlagenbauers Purplan, Andreas Sandmann, sieht in der protektionistischen Maßnahme Auswirkungen in einem „sehr großen Ausmaß: Der Investitionsdruck bei den Zulieferern wird stark abnehmen und die Projekte deutlich weniger werden. Das Ganze ist mit größter Sorge zu beobachten.“

Umsatzziele in den USA nicht zu erreichen

Der Meller Maschinenbauer Frank Niemann, der mit der Maschinenfabrik Wilhelm Niemann im Januar eine Repräsentanz in den USA aufgebaut hat, spürt „eine Zurückhaltung der amerikanischen Unternehmen“. Trumps „Buy American“-Politik („Kauft Amerikanisches“) hinterlasse immer tiefere Spuren. Amerikaner würden noch mehr als früher überlegen, ob es moralisch richtig ist, eine Maschine aus Deutschland zu kaufen oder besser aus den USA. Niemann klagt, die geplanten Umsatzziele für dieses Jahr in Amerika nicht erreichen zu können. Der weitere Ausbau in den USA werde daher zurückgestellt.

265 Unternehmen aus der Region in den USA aktiv

IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf wertet die US-Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU als „eine schlechte Nachricht für die deutsche Wirtschaft, auch in der Region“.

Aus dem IHK-Bezirk Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim sind insgesamt 265 Unternehmen in den USA aktiv. 218 Firmen unterhalten Exportbeziehungen dorthin, 82 importieren Waren aus den USA. 26 Betriebe unterstützen ihre Vertriebsaktivitäten durch eigene Niederlassungen, 14 Unternehmen verfügen über eigene Produktionsstätten.


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