Potenziale älterer Mitarbeiter nutzen Osnabrücker Familienbündnisse diskutieren Wege in den Ruhestand

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Verbündete in Familienbündnissen und Verwaltungen sind (von links) Sandra Holtgreife (Bündnis für Familie des Landkreises), Matthias Selle (Landkreis), Anja Staschinski (Familienbündnis Stadt), Julia Nickel (Handwerkskammer), Simone Guss (Familienbündnis Stadt), Wolfgang Beckermann (Stadtrat) und Rolf Engels (Systemischer Berater). Foto: DierksVerbündete in Familienbündnissen und Verwaltungen sind (von links) Sandra Holtgreife (Bündnis für Familie des Landkreises), Matthias Selle (Landkreis), Anja Staschinski (Familienbündnis Stadt), Julia Nickel (Handwerkskammer), Simone Guss (Familienbündnis Stadt), Wolfgang Beckermann (Stadtrat) und Rolf Engels (Systemischer Berater). Foto: Dierks

Osnabrück. In der Stadt heißt es „Familienbündnis“, im Landkreis „Bündnis für Familie“. Beide wollen dasselbe: Familienfreundliche Verhältnisse herstellen, wozu insbesondere eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehört. Um auch die Unternehmerseite einzubinden, trommeln die Bündnisse einmal im Jahr beim „Tag der Unternehmen“ alle Akteure zusammen.

Während bislang meistens jüngere Menschen im Fokus standen, fiel der Blick beim diesjährigen „Tag der Unternehmen“ im Innovationscentrum Osnabrück (ICO) auf die Senioren im Betrieb, auf die Gruppe der zukünftigen Ruheständler. Das ICO im wachsenden Wissenschaftspark an der Sedanstraße hatte seine Türen geöffnet, um gut 100 Führungskräften aus der Region mit Impuls-Referaten, „Best Practice“-Beispielen und einer kleinen Ausstellung Informationen zum Thema an die Hand zu geben.

Demografischer Wandel

Dass Stadt und Landkreis das Thema hoch aufhängen, zeigte sich auch daran, dass Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und Landrat Michael Lübbersmann persönlich die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen hatten. Kreisrat Matthias Selle verdeutlichte, dass der demografische Wandel die Verwaltungen zwinge, die Potenziale der älteren Mitarbeiter mehr denn je zu nutzen. In zweitägigen Seminaren würden die angehenden Ruheständler mit allen Optionen, die die Kreisverwaltung bietet, vertraut gemacht.

Erfahrung der Älteren unverzichtbar

Stadtrat Wolfgang Beckermann ließ zur Einstimmung das Beatles-Lied „When I’m sixty-four“ abspielen. Bei der Textzeile „When I get older, losing my hair“ (Wenn ich älter werde und mein Haar verliere) strich er sich andeutungsvoll über den polierten Kahlkopf, um dann insbesondere bei der skeptischen Frage „Will you still need me, will you still feed me?“ einzuhaken (Werdet Ihr mich noch gebrauchen, werdet Ihr mich noch ernähren?). Beckermanns Antwort ist ein eindeutiges Ja. Für die Gesellschaft seien Wissen und Erfahrung der Älteren unverzichtbar. Das Wissensmanagement sei ein zentrales Thema in der Personalverwaltung der Stadt. Ein probates Mittel könnten Teilzeitvereinbarungen zur Gestaltung des Übergangs sein.

Ruhestand nicht gleichbedeutend mit dem Tod

Das Hauptreferat hielt der frühere Schulleiter und Unternehmer Rolf Engels aus Detmold. Auch er begann lyrisch, indem er den oft zu lesenden Trauerspruch auseinanderpflückte: „Müh‘ und Arbeit war dein Leben, treu und fleißig deine Hand. Möge Gott dir Ruhe geben, Rasten hast du nie gekannt.“ Nach Meinung von Engels könne man so etwas vielleicht über ein totes Pferd schreiben, aber doch nicht über einen Menschen: „Wie mag sich wohl die Witwe fühlen, wenn sie hören muss, dass das Familienleben für den Verstorbenen keine Rolle gespielt hat?“, fragte Engels. Der angehende Ruheständler und seine gesamte Umgebung müssten alles dafür tun, dass der Ruhestand eben nicht gleichbedeutend mit dem Tod ist,

Was man dagegen tun kann, wie man den Übergang aus dem aktiven Erwerbsleben in den Ruhestand zum Besten des Ruheständlers und der Firma gestalten kann, das diskutierten in einem Podiumsgespräch die Vertreter von Firmen und Ehrenamtsinitiativen. Andreas Ennen (ebm), Felix Holling (WMS hilft e. V.), Oliver Neils (Solarlux), Peter Klösener (Rückenwind e. V.), Johannes Rahe (Ursachenstiftung) und Raphael Dombrowski (Freiwilligen-Agentur) nahmen an dem von Julia Nickel (Handwerkskammer) moderierten Gespräch teil.


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