Große Gefahr für die Umwelt Lichtverschmutzung in Osnabrück nimmt weiter zu

Von Markus Strothmann

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Lichtglocke über Osnabrück: An manchen Stellen in der Stadt ist es nachts um ein Vielfaches heller, als es der Umwelt guttäte, sagt Planetariumsleiter und Astronom Andreas Hänel. Im Vergleich zum Jahr 2013, als diese Aufnahme entstand, habe die Lichtverschmutzung sogar noch zugenommen. Foto: NOZ-Archiv/Andreas HänelLichtglocke über Osnabrück: An manchen Stellen in der Stadt ist es nachts um ein Vielfaches heller, als es der Umwelt guttäte, sagt Planetariumsleiter und Astronom Andreas Hänel. Im Vergleich zum Jahr 2013, als diese Aufnahme entstand, habe die Lichtverschmutzung sogar noch zugenommen. Foto: NOZ-Archiv/Andreas Hänel

Osnabrück. Statt möglicher 4000 Sterne sehen wir meist nur wenige Dutzend am Nachthimmel. Der Grund: zu viel künstliches Licht am Boden. Dabei birgt eine übermäßige Aufhellung der Dunkelheit große Gefahren für die Umwelt. Doch die Lichtverschmutzung in Osnabrück einzudämmen, erweist sich als schwierig – trotz politischen Drucks.

Der Astronom Andreas Hänel leitet seit über 30 Jahren das Osnabrücker Planetarium. In seiner Freizeit setzt er sich dafür ein, die Möglichkeiten zur Beobachtung des Nachthimmels zu verbessern, etwa als Mitglied der Fachgruppe „Dark Sky“. Vor fünf Jahren erklärte Hänel unserer Redaktion in einem Interview: Zu viel und zu helles Licht störe nachtaktive Tiere. Insekten stürben massenhaft, das Bestäuben von Pflanzen werde stark beeinträchtigt. Besonders kaltweißes LED-Licht könne den Tag-Nacht-Rhythmus der Menschen durcheinanderbringen und krank machen. Abgesehen davon blende es. (Weiterlesen: Lichtverschmutzung macht in Osnabrück die Nacht zum Tag)

Immer mehr unnötige Beleuchtung

Stand 2018: Ist die Lichtverschmutzung in Osnabrück weniger geworden? Der Fachmann konstatiert: keineswegs. „Es sind sogar an vielen Orten Umbauten passiert, die dazu geführt haben, dass es noch mehr unnötige Beleuchtung gibt als vorher.“

Hänel war auf Parkplätzen in der Stadt unterwegs und hat gemessen. „Die Norm hier liegt bei 20 Lux. Erreicht werden teilweise 60 bis 70 Lux.“ Die genauen Orte möchte er nicht nennen. Hänel habe aber vor, mit den betreffenden Unternehmen in Dialog zu treten. Außerdem hat er mitgewirkt an einer „Resolution zur Vermeidung von Lichtverschmutzung“ von VdS (Vereinigung der Sternfreunde), Astronomischer Gesellschaft und der Gesellschaft deutschsprachiger Planetarien.

Stadtverwaltung soll mit Lichtverschmutzern reden

Diese Resolution fordert Politik, Wirtschaft und Privatpersonen auf, Maßnahmen gegen die Lichtverschmutzung zu ergreifen. Auch der Politik in Osnabrück ist das ein Anliegen: CDU und BOB stellten im November 2017 einen Antrag zur Verringerung der Lichtverschmutzung in der Stadt. Der folgende Ratsbeschluss im Wortlaut: „Die Verwaltung wird gebeten, mit Firmen und Eigentümern von großen, nachts beleuchteten Flächen und Gebäuden in Osnabrück Gespräche zu führen, mit dem Ziel, dass die Beleuchtung der Flächen und Gebäude in der Nacht auf ein Minimum reduziert wird.“ (Weiterlesen: Ornithologen schlagen Alarm –In Osnabrück werden Rotkehlchen und Co. vermisst)

Behörde schiebt Dialog auf die lange Bank

CDU-Ratsfrau Verena Kämmerling dazu: „Die Kernfrage ist ja: Wie lange braucht man wo Beleuchtung?“ Ein Ziel des Beschlusses sei es, dass etwa in Gewerbegebieten große Lichttafeln zu Zeiten ausgeschaltet werden, in denen kaum Verkehr herrscht. Eine konkrete Maßnahme sei außerdem am Hörner Weg in Hellern geplant. Dort werde eine „mitlaufende Beleuchtung“ installiert: Straßenlaternen springen dann erst an, wenn sich jemand nähert.

Indes scheint der geforderte Dialog mit den Lichtverschmutzern bei der Behörde auf die lange Bank geschoben. Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz der Stadt, stellt fest: „Das ist einer von vielen, guten Ratsbeschlüssen, zu deren Umsetzung wir erst einmal nicht kommen werden.“ Mangels personeller Kapazitäten müsse seine Abteilung anderen Themen Vorrang geben, zuallererst der Luftreinhaltung.

Lichtglocken-Verursacher kooperationsbereit

Ohnedies könnten effektive Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung nur flächendeckend sein, so Gerdts. „Wenn ein paar Firmen ihr Licht ausschalten, hat das null Effekt. Wenn man die Sache ernsthaft angeht, ist es eine Riesenaufgabe.“ (Weiterlesen: Osnabrücker Wissensforum 2016 – Darum brauchen wir die Dunkelheit)

Dabei scheint aufseiten der Osnabrücker Lichtglocken-Verursacher durchaus Kooperationsbereitschaft vorhanden. Für Maßnahmen zum Umweltschutz sei man immer offen, versichert Stephan Soldanski, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Osnabrück, der wiederum das nachts hell und bunt erleuchtete Gewerkschaftshaus am Hauptbahnhof gehört. Besuch von der Stadtverwaltung habe es deswegen noch nicht gegeben. „Aber wenn es so weit ist, freuen wir uns auf das Gespräch.“

Leuchtendes Gewerkschaftshaus ein „Wahrzeichen“

„Wenn ein paar Firmen ihr Licht ausschalten, hat das null Effekt“

Seit Januar 2018 bekomme das Gebäude Ökostrom von den Stadtwerken, erklärt Soldanski. Die Beleuchtung sei umgestellt worden auf warmweißes LED-Licht. „Die Lichtanlage war ein Objekt der Expo 2000 in Hannover. Wir haben sie mit dem Gebäude von der Firma Sunburst gekauft.“ Man hätte sie abschalten können, aber die Lichtkunst mache das Gebäude ja erst zu dem, was es sei. „Ich finde, es ist mittlerweile ein Wahrzeichen der Stadt. Wir sind stolz auf das DGB-Haus.“


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