Fernsehkoch und Testimonial von „Kaffee Partner“ Roland Trettl schimpft über Hotelfrühstück und Marketing-Blabla

Von Stefanie Hiekmann

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Roland Trettl steht seit 2017 mit seinem Gesicht für die Produkte der Osnabrücker Firma „Kaffee Partner“. Foto: Stefanie HiekmannRoland Trettl steht seit 2017 mit seinem Gesicht für die Produkte der Osnabrücker Firma „Kaffee Partner“. Foto: Stefanie Hiekmann

Osnabrück. Seit einem Jahr ist der Südtiroler Fernsehkoch Roland Trettl „Genussbotschafter“ des Osnabrücker Unternehmens „Kaffee Partner“. Seinen Besuch in der Hasestadt nutzte unsere Redaktion für ein kurzweiliges Gespräch mit ihm – über mieses Hotelfrühstück, fragwürdiges Restaurantmarketing und den „Kaffee danach“.

Wo er gerade herkommt? Roland Trettl blickt rüber zu seiner Managerin. „Roland, du warst in Köln bei den Screenforce Days.“ – „Ich kann mich wirklich nicht erinnern“, sagt der gefragte Koch, Juror und Entertainer und schüttelt den Kopf. „Ich vergesse sofort, was war, und ich denke auch nie, was sein wird.“

Dazu ist der Terminkalender des ehemaligen Zwei-Sterne-Kochs (Restaurant Ikarus in Salzburg), der über 20 Jahre an der Seite von Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann gearbeitet hat, einfach zu voll. „Wenn ich Ende Mai daran gedacht hätte, was im Juni alles auf mich zukommt, dann hätte ich wahrscheinlich ein Burn-out bekommen. Wenn ich aber immer nur an die Aufgabe denke, die morgen ansteht, dann reicht das doch – und dann ist auch alles gut.“

Tatsächlich war Trettl im Juni gerade mal ein paar Tage zu Hause bei seiner Familie in Bad Reichenhall. Dafür umso häufiger in Hotels. Mal in guten, mal in schlechteren, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion verrät. „Ich verstehe gar nicht, warum ich die Hotels in meinem ersten Buch noch verschont habe“, sagt er und meint damit seine Abrechnung mit der Spitzengastronomie, die 2015 unter dem Titel „Serviert – Die Wahrheit über die besten Köche der Welt“ erschienen ist.

Abdrücke der Verpackung an den Käsescheiben

Vor allem das oftmals miese Hotelfrühstück hätte er eigentlich schon damals in Grund und Boden schreiben können. Trettl nennt Käse- und Wurstscheiben, an denen die Abdrücke der Verpackung noch erkennbar sind – von ihrer geschmacklichen Qualität mal ganz zu schweigen. Gemütlichkeit, Herzlichkeit, Wärme – nach der Erfahrung des Spitzenkochs immer häufiger Mangelware in Hotels – nicht nur beim Frühstück.

„Wenn ich drei Monate im selben Hotel in Köln wohne und dann meine Schlüsselkarte vergesse und nach einem Vierteljahr nach meinem Namen gefragt werde – wie soll ich mich in so einem Hotel zu Hause fühlen?“

(Weiterlesen: Bei „Kitchen Impossible“ auf Vox – Sternekoch Roland Trettl trifft auf mürrische Ostwestfalen)

Über das Frühstück ärgere er sich mittlerweile schon nicht mehr. „Ich schone mich – und mein Gewicht – und lasse es einfach weg!“ Stichwort: 16-Stunden-Diät. Durchaus ein Trend, der auch von Ernährungswissenschaftlern als sinnvoll beurteilt wird: Man isst nur innerhalb von acht Stunden etwas, 16 Stunden lang bleibt der Magen leer – und der Blutzuckerspiegel unten.

Schade nur, wenn der Antrieb dafür nicht der Wille ist, den Leibesumfang im Zaum zu halten, sondern die Qualität der Mahlzeit. „Wenn ich sehe, dass in einigen Läden jetzt morgens Couscous im Weckglas angeboten wird, dann denke ich: Willkommen im Jahr 2018“, grantelt Trettl. „Kann mal irgendjemand aufwachen?“

Sicherlich: Couscous & Co sind gut gemeinte Versuche. Aber es könnte viel einfacher sein. Einfach mal weg von der Masse denken. Hin zu gutem Handwerk und guter Qualität – gerade beim Frühstück brauchte es da gar nicht viel, um zu überzeugen. Ein wirklich frisch gebackenes Brot, guter Käse – dafür vielleicht nur ein oder zwei Sorten statt sechsmal Industrieware aus dem Großmarkt.

Trettl vermisst Haltung und Qualität

Es ist die Haltung, die Trettl vermisst. Haltung und Wertschätzung – für gute Küche, für Lebensmittel und für Service. Seit „Serviert“ hat er in dieser Hinsicht ganz offensichtlich wieder genug Negativerlebnisse sammeln können, dass es für eine Fortsetzung reicht. Trettl: „Ich habe meinen Ghostwriter schon angerufen. Es ist Zeit für das zweite Buch!“

(Weiterlesen: Interview mit Roland Trettl – „Köche retten kein Leben“)

Hotels werden ein Thema sein. Schätzungsweise wird aber auch diesmal die Gastronomie nicht verschont bleiben. Trettl kommt in Fahrt. „Wenn ich dieses Marketing-Gerede immer schon höre! Da sitze ich im Restaurant und bekomme erklärt, dass das Besteck zwischen den Gängen nicht ausgetauscht wird – wegen der Nachhaltigkeit.“ So weit, so gut. „Ein guter und sehr wichtiger Ansatz, das ist ganz meine Meinung!“ Doch warum um alles in der Welt liegen dann zeitgleich auf demselben Tisch zwei Tischdecken, die immer wieder neu gewaschen werden müssen? „Wenn es euch wirklich wichtig ist mit der Nachhaltigkeit, dann nehmt ihr einen Holztisch, lasst die Decken weg und wechselt auch nicht ständig die Weingläser!“

Das opulente, aber lieblose Hotel-Frühstück, die angeblich ach so groß geschriebene „Persönlichkeit“ des Hotels, das Marketing-Sprech in Restaurants: Am Ende geht es doch um die Frage, ernst genommen zu werden, sich nicht für dumm verkaufen zu lassen. Definitiv eines von Trettls großen Themen.

„Kaffee oft unfassbare Plörre“

Ein anderes ist das Fernsehen. Über 100 neue Folgen „First Dates“ (Vox) werden zurzeit in Köln gedreht. Die beliebte Koch-Show „The Taste“ (Sat1), in der Trettl wieder als Juror zu sehen sein wird, ist bereits abgedreht und startet im Herbst. Und dann gibt es noch weitere Projekte, etwa das mit „Kaffee Partner“ in Osnabrück. Als „Genussbotschafter“ steht Trettl seit 2017 mit seinem Gesicht für die Qualität der Produkte des Osnabrücker Unternehmens.

„Es ist so schade, dass immer noch so viel schlechter Kaffee ausgeschenkt wird“, sagt er. Auch das sei übrigens in der Gastronomie ein Thema. „Da wird teilweise so eine unfassbare Plörre angeboten – auch in hoch dekorierten Restaurants!“ Und so lässt sich ein eigentlich wunderbares Menü durch lieblos zubereiteten Kaffee problemlos auf den letzten Metern verhauen. Trettl: „Der letzte Eindruck ist nicht das Dessert, sondern der Kaffee!“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN