Empfang für vier Zeitzeuginnen Polnische Holocaust-Überlebende zu Gast im Osnabrücker Rathaus

Von Joachim Dierks


Osnabrück. Vier polnische Überlebende der Konzentrationslager und Ghettos waren zu Gast in der Stadt. Der Zeitzeuginnenbesuch kam in Zusammenarbeit mit dem Maximilian-Kolbe-Werk und dem Ludwig-Windthorst-Haus Lingen (LWH) zustande.

Der Beigeordnete Fritz Brickwedde empfing Urszula Koperska (82), Maria Stroińska (86), Józefa Posch-Kotyrba (80) und Irena Szczurek (80) im Friedenssaal des historischen Rathauses. Sie überlebten 1945 als Kinder mit knapper Not das KZ Auschwitz, das „Polenlager“ Potulice (bei Bromberg) und das Ghetto Brody (in der heutigen Ukraine).

Begleitet von ihren Dolmetscherinnen Marianne Drechsel-Gillner, die ehrenamtlich für das Maximilian-Kolbe-Werk arbeitet, und LWH-Studienleiterin Agnes Kläsener waren sie nun in verschiedenen Schulen des Emslands und der Grafschaft Bentheim zu Gast, um den Schülern von ihrem Schicksal zu erzählen. Daneben unternahmen sie Ausflüge nach Neuharlingersiel, Clemenswerth und Ootmarsum (Nierderlande).

Abschließende Höhepunkte waren nun die Empfänge in den Friedensstädten Münster und Osnabrück. Im Osnabrücker Friedenssaal trugen sich die Damen ins Goldene Buch der Stadt ein. Brickwedde erläuterte ihnen in groben Zügen die Geschichte der Stadt und ging dabei besonders auf den Dreißigjährigen Krieg und seine Beendigung im Westfälischen Frieden von 1648 ein.

„Osnabrück lebt sehr stark aus seiner Geschichte“, verdeutlichte Brickwedde auch anhand der „Leuchttürme“ der Stadthistorie Erich Maria Remarque, Felix Nussbaum und Hans Calmeyer. „Leider haben die Völker nicht genug aus dem Dreißigjährigen Krieg gelernt“, sagte Brickwedde, sodass die gefundenen Regelungen für eine friedliche Koexistenz der Religionen und Länder nicht sehr lange Bestand gehabt hätten.

Das Leiden der Menschen im Ersten Weltkrieg habe Remarque sehr eindrücklich geschildert, während Nussbaum ein Opfer des mörderischen Holocaust wurde und insofern auch etwas mit den Leidensgeschichten der polnischen Zeitzeuginnen zu tun habe.

Zum großen Glück hätten Deutschland und die Nachbarländer nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer langen Periode des friedlichen Miteinanders gefunden. Das sei symbolhaft bei den Feiern zum 350-jährigen Jubiläum des Westfälischen Friedens 1998 in diesem Rathaus zum Ausdruck gekommen. „Dort, wo Sie jetzt sitzen, haben vor 20 Jahren auch Ihr damaliger Ministerpräsident Aleksander Kwasniewski und seine Ehefrau Jolanta Platz gefunden“, schloss Brickwedde den historischen Bogen.