100 Stundenkilometer schnell Mit Vollgas und Funkbrille: Drohnenrennen in Wallenhorst

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Wallenhorst. Am Wochenende hatten die „FPV Air Monkeys OS“ zum FPV-Rennen auf die Anlage des Osnabrücker Modellsportclubs DO-X in Wallenhorst eingeladen. Drohnen-Racer aus dem ganzen Bundesgebiet waren gekommen, um mit bis zu 100 Stundenkilometern durch den Parcours zu jagen.

Die Osnabrücker FPV (Sicht aus der Ich-Perspektive) Air Monkeys OS hatten eingeladen und 48 Multikopter-Piloten aus ganz Deutschland waren am Wochenende bei der „Monkey Meadow Madness“ am Start. Am Samstag und Sonntag hieß es auf dem Gelände des Osnabrücker Modellsportclubs DO-X in Wallenhorst FPV-Racing pur. Doch was ist das überhaupt?

FPV-Racing ist eine unglaublich schnelle Form der Flugrennen. Mit bis zu 100 Stundenkilometern jagen kleine Multikopter, umgangssprachlich auch Drohnen genannt, durch den Parcours. Das Besondere beim FPV-Racing: Die Piloten sehen die kleinen Flieger gar nicht. Von der Umwelt nehmen sie überhaupt nichts wahr. Sie sitzen in der ersten Reihe und steuern die Flieger mit einer Fernsteuerung und einer Funkbrille.

FPV-Racing bedeutet First Person View, frei übersetzt Fliegen in der „ersten Person“. „An der Kopfseite des Multikopters ist eine kleine Kamera angebracht, die ihr Signal per Funk analog an die Brille überträgt“, erklärte Ingo Otten die Technik. Der Pilot sieht den Flug also absolut live auf der Brille. Wer einmal bei so einem Flug „mitfliegt“, fühlt sich wie in einer Achterbahn. Daran gewöhne man sich aber schnell, und für die Steuerung sei es die beste Lösung, sagte Pilot Waldemar Smirnow. „Auf Sicht können die meisten gar nicht mehr fliegen.“

Sechs Multikopter gleichzeitig

Beim FPV-Racing sind pro Lauf immer sechs Multikopter gleichzeitig im Rennen. Bei den Qualifyings am Samstag starteten die Drohnen mit kleinem Zeitabstand, um in möglichst freier Flugbahn schnellstmögliche Rundenzeiten zu schaffen. In den Finalrunden am Sonntag wurde es im Luftraum viel voller. „Die Finals werden als Massenstartrennen geflogen“, so Otten. Da komme es dann auch schon mal zu Unfällen und Abstürzen. Zu fatalen Startunfällen wie bei der Formel 1 kann es aber nicht kommen. „Die ersten zwei Tore gelten als sichere Zone. Wenn es da zu Kollisionen kommt, starten wir neu“, sagte Smirnow.

Für die Bildübertragung nutzen die Flieger den uralten analogen PAL-Standard. Die Bilddaten, die die kleinen Kameras übertragen, sind mit 640 mal 480 Bildpunkten Auflösung auch weit von den hochauflösenden Fernseh- oder Computerdaten entfernt. „Hochauflösende Daten wären einfach zu groß. Die hätten bis zu einer halben Sekunde Verzögerung“, so Otten. Viel zu viel, um die schnellen Flieger durch den engen Parcours zu steuern.

Renn-Drohnen mit vier Rotoren

Die Multikopter selbst sind gerade einmal gut 500 Gramm schwer. Die vier Rotoren werden von einem leistungsstarken Motor angetrieben. Außer der Funktechnik und der Minikamera sind die Flieger auf das absolute Minimum reduziert. Eine schmückende Verkleidung gibt es bei den Renn-Drohnen nicht.

Für Einsteiger ist der FPV-Sport nicht ganz günstig. Gut 1000 Euro müssen Piloten für einen rennfähigen Multikopter, die Fernsteuerung, die Brille und einige Akkus einplanen. Die Enthusiasten bei der „Monkey Meadow Madness“ hatten deutlich mehr Material im Einsatz. „Es gibt unglaublich viele Tuningmöglichkeiten“, sagte Otten und zeigte zwei seiner Kopter mit deutlich unterschiedlichen Rotoren. „Motordrehzahl, unterschiedliche Blätter an den Propellern – man kann den Kopter an seinen ganz persönlichen Flugstil anpassen“, meinte auch Smirnow,

Allein der technische Aufwand für so eine Veranstaltung ist enorm. Die Videosignale der Multikopter liegen in einem engen Frequenzbereich. Hier muss darauf geachtet werden, dass jeder Pilot nur sein Signal bekommt. Gleichzeitig soll das Signal sauber auf die Monitore der „Spotter“ kommen. Sie sind die Kampfrichter, die darauf achten, dass die Piloten auch korrekt durch den Parcours fliegen. Hier überwachen sich die Piloten gegenseitig. Wer gerade nicht selber fliegt, steht an den Monitoren.

Akkuspannung ist festgelegt

Dabei sind die Racer trotz aller Konkurrenz eine große Familie. Wer ein Tor auf der Strecke verpasst, muss zurückfliegen oder bekommt eine Zeitstrafe. Und auch sonst werden die Race-Drohnen streng reguliert. So ist beispielsweise die Akkuspannung festgelegt. Beim Technikcheck vor dem Rennen hatte die Rennleitung aber auch die Sicherheitssysteme zu testen. Speziell das Motor-Stop-Failsafe ist da von besonderer Bedeutung. „Wenn die Funkverbindung zum Kopter abbricht, schaltet dieser sich sofort aus“, erklärte Otten. So wird sichergestellt, dass die Piloten immer die Kontrolle über ihre Drohnen haben.

Bei den technischen Rahmenbedingungen und der Rennleitung hatten die Osnabrücker Unterstützung durch die „Aircrasher“ aus Würzburg, die sich um die technische Installation und Durchführung kümmerten.


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