Lesung zu Remarques 120. Geburtstag Was es bedeutet, ein Flüchtling zu sein

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Lesung aus dem Roman „Schatten im Paradies“ von Erich Maria Remarque in der Probebühne. Foto: Elvira PartonLesung aus dem Roman „Schatten im Paradies“ von Erich Maria Remarque in der Probebühne. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. 120 Jahre alt wäre Erich Maria Remarque am 22. Juni geworden. An seinem Geburtstag hat die Probebühne den berühmten Schriftsteller mit Osnabrücker Wurzeln geehrt: mit einer Lesung aus seinem Buch „Schatten im Paradies“.

Etwas kritisch äugt der Jubilar in die Runde. Auf ein Geländer gelehnt, eine Zigarette zwischen den Lippen scheint Erich Maria Remarque auf die Gäste zu blicken, die sich zu seinen Ehren im Keller der Probebühne zusammen gefunden haben.

Zwei Frauen und drei Männer sitzen direkt unter seiner Fotografie, die bei Remarques Ankunft in New York 1939 entstanden ist: Die fünf legen die unterschiedlichsten Charaktere aus dem Buch „Schatten im Paradies“ in ihre Stimmen und machen dadurch die Gefühle der Emigranten greifbar, die während der Zeit des Nationalsozialismus Zuflucht in New York gesucht haben.

Auch Remarque selbst war darunter. Seine Erfahrungen schildert er in der Figur des „Robert Ross“, der als Deutscher – und eben nicht Nazi – in den USA vor ganz besondere Herausforderungen gestellt war. „Schatten im Paradies“ hat Remarque den Roman genannt, den seine Witwe Paulette Goddard nach seinem Tod veröffentlicht hat. Das Buch ermöglicht heute nicht nur einen Blick zurück in die Vergangenheit, sondern auch in die Situation der Menschen, die derzeit Zuflucht in Deutschland suchen.

Thomas Pösse gibt Robert Ross seine Stimme einerseits in den Dialogen mit den anderen vier Vortragenden, und andererseits als Erzähler der Geschichte mit Ich-Perspektive. Sein Gegenüber ist ein ums andere Mal Wolfgang Kroneberg, der gleich drei Protagonisten aus dem Buch eine Stimme gibt – und jedem von ihnen mithilfe besonderer Tonlagen und präziser Betonungen einen ganz eigenen Charakter verleiht. Zunächst als Hotelier mit russischen Wurzeln – Wladimir Melokow, aber auch als Anwalt mit Fistelstimme und als Gräfenheim.

Es ist eine versierte Runde, die das Stück mit der Stimme spielt. Dazu gehören auch Anne Oberwalleney als ironisch-charmante Natascha Petrowna – mit der Figur hat Remarque seine Beziehung zu Natalia Pawlowna Paley verarbeitet, Ulf Teepe als Harry Kahn und Mariele Dransmann, die mit ihrer rauen Stimme Betty Stein Charakter verleiht.

Sie alle erzeugen eine Atmosphäre, die gut trägt und in die Geschichte hineinschlüpfen lässt. Aber nach einer Stunde ist damit dann auch schon Schluss.


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