Menschenkette am Theater Osnabrücker setzen Zeichen für Respekt und Toleranz

Von Leon Walter

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Der Osnabrücker Superintendent Joachim Jeska warb bei der Großkundgebung am Theater für den interreligiösen Dialog. Nur so könnten gegenseitige Vorurteile abgebaut werden, sagte er. Foto: André HavergoDer Osnabrücker Superintendent Joachim Jeska warb bei der Großkundgebung am Theater für den interreligiösen Dialog. Nur so könnten gegenseitige Vorurteile abgebaut werden, sagte er. Foto: André Havergo 

lewa Osnabrück. Bei einer Großkundgebung mit Menschenkette vor dem Theater haben am Samstag 300 Osnabrücker ein Zeichen gesetzt gegen Islamfeindlichkeit und Antisemitismus – und für Respekt und Toleranz.

Antisemitismus und Islamfeindlichkeit – das sind auf den ersten Blick unterschiedliche Phänomene mit vielschichtigem Hintergrund. „Wer den Islam zum Feind erklärt und auch das Judentum, der handelt aber aus der gleichen rassistischen Wurzel heraus“, erklärte Reinhold Mokrosch, Theologieprofessor und Vorsitzender des Runden Tischs der Religionen in Osnabrück, auf der unter anderem von ihm selbst organisierten Kundgebung.

Angriffe auf Religions- und Meinungsfreiheit abwehren

Auch in Osnabrück habe er im Gespräch mit jüdischen und muslimischen Gläubigen wahrgenommen, dass diese sich immer weniger trauten, ihre jeweiligen religiösen Symbole in der Öffentlichkeit zu tragen. Größere Übergriffe auf Juden oder Muslime habe es hier zwar noch nicht gegeben. Dennoch müsse man sich weiter dafür engagieren, dass ein rassistischer Geist in der Friedensstadt keinen Platz fände.

Yilmaz Kilic, Landesvorsitzender der türkisch-islamischen Union Ditib, fügte hinzu: „Wir dürfen nicht zulassen, dass jemand eine Person angreift, weil er eine Kippa oder sie ein Kopftuch trägt.“ Unterschiede zwischen den Religionen und Kulturen schwächten die Gesellschaft nicht, Vielfalt sei eine Chance und Bereicherung zugleich. „Deswegen müssen wir uns gegen die Angriffe auf die Religions- und Meinungsfreiheit wehren.“

Kreuz darf nicht zur Ausgrenzung von Nicht-Christen missbraucht werden

Das sah auch Innenminister Boris Pistorius so, der ursprünglich beim Aktionstag „Engagiert für und mit Geflüchteten“ im Rathaus referierte und für die Kundgebung spontan den Weg zum Theater antrat: „Religionsfreiheit heißt die Freiheit, seine Religion auszuüben. Sie meint aber auch die Pflicht, anderen die Religionsausübung zu erlauben.“ Wer wie die CSU in Bayern kurz vor Landtagswahlen in öffentlichen Gebäuden Kreuze aufhängen lasse, der tue dies nur in der Absicht, am rechten Rand Wähler zu fischen. „Das Kreuz darf nicht als Mittel missbraucht werden, um andere, die dem Christentum nicht angehören, auszugrenzen“, sagte Pistorius. Religionsfreiheit bedeute, „dass niemandem eine Religion aufs Auge gedrückt werden kann.“

Nur gemeinsame Gespräche können Vorurteile abbauen

Abgeschlossen wurde die Kundgebung mit einer Menschenkette, Hand in Hand wollten die Teilnehmer so ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. Der evangelische Superintendent aus Osnabrück, Joachim Jeska, hob dabei den Dialogaspekt hervor: „Wir haben keine Angst vor dem Austausch mit anderen. Nur wenn wir im Gespräch sind, können wir Vorurteile abbauen.“


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