Protest in Atter und Hörne Osnabrücker Busnetz 2019: Stadtteile fühlen sich abgehängt

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Bürger aus Hörne kämpfen an der Endhaltestelle von Linie 92 für den Erhalt ihrer einzigen Busverbindung in die Osnabrücker Innenstadt. Foto: Kirsten GrzesikBürger aus Hörne kämpfen an der Endhaltestelle von Linie 92 für den Erhalt ihrer einzigen Busverbindung in die Osnabrücker Innenstadt. Foto: Kirsten Grzesik

Osnabrück. Bürger entlegener Stadtteile blicken mit Sorge auf die Pläne für das Osnabrücker Busnetz 2019. Sie befürchten, vom öffentlichen Nahverkehr abgehängt zu werden. In Atter und Hörne regt sich Widerstand.

Der im Osnabrücker Westen gelegene Stadtteil Atter mit seinen 4300 Einwohnern wird gegenwärtig hauptsächlich von der Linie 21 (Kreishaus/Zoo – Atterfeld) erschlossen. In die zugehörige Strothesiedlung sowie zum Attersee fahren vom Nettebad kommend die Linien 32 und 33. Alle drei Linien kreuzen den Neumarkt. (Weiterlesen: Busnetz 2019 schneidet Zoo Osnabrück vom Hauptbahnhof ab)

Entwürfe für das Busnetz 2019 sehen nun vor, sämtliche Direktverbindungen aus diesen Bereichen in die Innenstadt zu kappen. Nur vom Landwehrviertel aus soll die City künftig umstiegsfrei erreichbar sein – und zwar mit dem neuen Metrobus M2. Für die Linie 21 wäre dann bereits in Eversburg-Büren Endstation. Und der Rest von Atter müsste sich nach Vorstellungen der Osnabrücker Stadtwerke mit einer neu geschaffenen Westtangente (Stadtbus-Linie 131) zwischen Strothesiedlung und Ikea begnügen. (Weiterlesen: P+R am Osnabrücker Rubbenbruchsee geplant)

Bürger fürchten massive Nachteile

„Unzumutbar“, findet der Atteraner Erich Reyl. Wie viele andere Bürger seines Stadtteils befürchte er massive Nachteile, sollte das Vorhaben tatsächlich so umgesetzt werden. „Dadurch wird Atter abgehängt – und zwar ohne ersichtlichen Grund.“

Für Kinder und Jugendliche würde etwa der Schulweg von und nach Eversburg beschwerlicher, erklärt Reyl. Auch Freizeitziele seien schlechter erreichbar. Ältere Menschen kämen nicht mehr so leicht zu Arztterminen ins Zentrum. Und wer mangels Einkaufsmöglichkeiten in Atter auch nur zum Eversburger Platz will, wo Supermärkte seien und auch Filialen von Volksbank und Sparkasse, müsste immer umsteigen. Reyls Vorschlag: die Linie 21 auch in Zukunft bis nach Atterfeld zu führen. „Was spricht dagegen?“ (Weiterlesen: Bürgermeinung zum Osnabrücker Busnetz 2019 ist gefragt)

Busnetz 2019 – per Klick auf die Grafik gelangen Sie auf eine pdf-Datei:

Busnetz 2019 Osnabrück

Ohne eigenes Auto geht es nicht

Mit vergleichbaren Argumenten wehren sich auch Einwohner von Hörne gegen das Busnetz 2019 in seiner Rohversion. Das zwischen Hellern und Sutthausen im Südwesten von Osnabrück gelegene Nest habe bereits 2007 seine Direktverbindung in die City verloren, klagt Marion Hoppe. Seitdem werde die Linie 92 (Hörne – Lüstringen-Ost) umständlich durch den Stadtteil Wüste geführt. „Und nun soll bei uns überhaupt kein Bus mehr fahren? Bis zur nächsten Haltestelle wären es dann zwei Kilometer Fußweg. Wir fühlen uns von den Stadtwerken veräppelt!“ (Weiterlesen: Deutschlands größte E-Bus-Flotte entsteht in Osnabrück)

Auch Kirsten Grzesik ist erschrocken über die „irrsinnige Planung“. Sie und ihr Mann hätten sich vergangenes Jahr extra in Hörne ein Haus gekauft – unter anderem in der Absicht, wegen der bestehenden Busanbindung zeitnah das eigene Auto abzuschaffen. Jetzt aber sähen sie sich beinahe dazu gezwungen, auf Dauer einen Pkw zu benutzen. „Das ist ein großer Rückschritt. Wir brauchen den Bus!“ (Weiterlesen: Stadtwerke Osnabrück testen ab 2019 fahrerlosen Bus)

Schlechtes Angebot, schlechte Nachfrage

„Das ist ein großer Rückschritt. Wir brauchen den Bus!“

Nicht gelten lassen die Bürger Argumente der Stadtwerke, wonach die Linie 92 zu schwach ausgelastet sei, um sie beibehalten zu können, ohne das gesamte ÖPNV-Budget von rund 36 Millionen Euro zu sprengen. Fahrgastdaten-Erhebungen, auf die sich der Verkehrsbetrieb bei seiner Planung stütze, würden teilweise aus einer Zeit stammen, in der das Busfahren wegen langer Brückenbauarbeiten entlang der Strecke besonders unattraktiv gewesen sei. Hinzu komme der ständige Umweg über Wüste. Hoppe formuliert es so: „Wo das Angebot schlecht ist, fehlt natürlich auch die Nachfrage.“


Bürgerbeteiligung am Busnetz 2019

Wie soll das Osnabrücker Busnetz der Zukunft aussehen? Die Stadtwerke haben dazu Mitte Juni einen Plan vorgelegt. Jetzt sind die Bürger dran, ihre Meinung zu sagen und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Bis zum 15. August 2018 haben die Osnabrücker Gelegenheit, sich im Internet auf swo.de/busnetz2019 zu dem Vorhaben in allen Einzelheiten äußern. Dort sind auch Karten mit Detailbetrachtungen einsehbar.

In den ersten zwei Tagen seit Freischaltung des Onlinedialogs am 20. Juni verzeichneten die Stadtwerke nach eigenen Angaben mehr als 7000 Zugriffe – so viel wie auf keiner anderen Internetseite des Unternehmens. Über 120 Anmerkungen seien bislang eingegangen.

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