Erdkabel nur in Osnabrück Kreis Osnabrück: Amprion hat einen schlechten Job gemacht

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Erdkabel wie dieses im münsterländischen Raesfeld sollen als Höchstspannungsleitung auch von Osnabrück-Lüstringen bis Osnabrück-Voxtrup verlegt werden. Der Landkreis fordert Netzbetreiber Amprion auf, Erdkabel an der Trasse 16 auch in Melle-Wellingholzhausen zu verlegen und übt in einer 25-seitigen Stellungnahme harsche Kritik an Amprion. Foto: dpa/Martin GertenErdkabel wie dieses im münsterländischen Raesfeld sollen als Höchstspannungsleitung auch von Osnabrück-Lüstringen bis Osnabrück-Voxtrup verlegt werden. Der Landkreis fordert Netzbetreiber Amprion auf, Erdkabel an der Trasse 16 auch in Melle-Wellingholzhausen zu verlegen und übt in einer 25-seitigen Stellungnahme harsche Kritik an Amprion. Foto: dpa/Martin Gerten

Osnabrück. Harsche Kritik für den Netzbetreiber auf der Trasse 16 der geplanten 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung: „Amprion hat einen schlechten Job gemacht“, fasst Kreisrat Wilfried Wilkens die 25-seitige Stellungnahme zusammen, die der Landkreis Osnabrück an das Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems geschickt hat.

Nach dem Ablauf der Frist zur Abgabe von Stellungnahmen für das Raumordnungsverfahren muss die obere Landesplanungsbehörde die eingegangenen Stellungnahmen zu den Amprion-Planungen nun bewerten. Bis wann Klarheit besteht, ob und inwieweit die Raumordnungsbehörde in Oldenburg die Einwendungen zur Trassenführung berücksichtigt, ist nach Angaben des Landkreises noch nicht abzusehen. Auch ein noch ausstehender Erörterungstermin wurde laut Landkreis noch nicht festgelegt.

400-Meter-Abstand zu Siedlungen unterschritten

Kritik an der geplanten Trasse gibt es insbesondere, weil im südlichen Bereich von Melle-Wellingholzhausen der gesetzlich besonders stark geschützte 400-Meter-Abstand zu Siedlungen unterschritten wird. „Besonders irritiert sind wir von dem Umstand, dass Amprion die mit dem Änderungsgesetz zum Energieleitungsausbaugesetz im Dezember 2015 eingeführte Öffnung gerade auch dieser Strecke für pilothafte Teil-Erdverkabelungen ignoriert“, betont Wilkens. Amprion plane mit genau so vielen Erdkabelabschnitten wie vor der Gesetzesänderung – und das, obwohl die geplante Trasse eine Aneinanderreihung von Engstellen aufweise. Wilkens hat den Eindruck gewonnen, dass eine Teil-Erdverkabelung in Bereichen wie etwa der Bauernschaft Placke in Melle-Wellingholzhausen nicht ernsthaft geprüft wurde. „Damit wird der Aufforderung des Gesetzgebers zur Erprobung von Erdkabelabschnitten nicht nachgekommen“, konstatiert Wilkens.

Vier Kilometer langes Erdkabel nur in Osnabrück geplant

Amprion-Sprecher Michael Weber hatte vor drei Monaten bei der Vorstellung der Planung für den zweiten Abschnitt der Trasse 16 von Osnabrück-Lüstringen gen Süden durch Osnabrück-Voxtrup über Hilter-Borgloh und Melle-Wellingholzhausen bis zur Landesgrenze davon gesprochen, dass nur ein vier Kilometer langer Erdkabelabschnitt zwischen Osnabrück-Lüstringen und Osnabrück-Voxtrup vorgesehen ist. Er hatte zwar eingeräumt, dass der Mindestabstand der Wohnhäuser zur Trasse in Melle-Wellingholzhausen nicht eingehalten werden kann. Allerdings sprach er davon, dass „eine Umleitung der Trasse in Wellingholzhausen nicht sinnvoll“ sei und „andere Bereiche südlich der bestehenden Leitung dann erstmals betroffen wären“. Auch eine Erdverkabelung hielt Weber in diesem Bereich „technisch und wirtschaftlich nicht für sinnvoll“ und fügte hinzu, dass die Wälder rund um Wellingholzhausen ohnehin den Blick auf die Leitung nähmen. Das Wohnumfeld sei somit geschützt. Die Grenzwerte für elektromagnetische Felder würden dennoch eingehalten.

„Amprions Blick ist zu sehr verengt“

Wilkens kritisiert Webers Analyse: „Amprion verengt seinen Blick zu sehr auf die visuellen Aspekte des Wohnumfeldschutzes.“ Zudem seien selbst diese visuellen Aspekte des Wohnumfeldschutzes unzulänglich.

„Auftrag des Gesetzgebers nicht ansatzweise umgesetzt“

Zudem sagt Frank Vornholt als Sprecher der Bürgerinitiativen, die für eine Erdverkabelung kämpfen: „Amprion hat den Auftrag des Gesetzgebers nicht einmal ansatzweise umgesetzt.“ Die Berechnungen des Netzbetreibers seien nicht ergebnisoffen, „sondern durch willkürliche Festlegung eigener Bewertungsmaßstäbe und Bezugsgrößen einseitig beeinflusst“. Vornholt bezeichnet die Planung als „oberflächlich und lückenhaft“ und hofft, „dass sich die zuständigen Verwaltungsbehörden dem Schutz der Bürger verpflichtet sehen“.


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