Angeklagter bleibt Verhandlung fern Nach Krawall in Osnabrück: Kieler Fußballchaot verurteilt

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Am Osnabrücker Hauptbahnhof kam es am 31. Oktober 2015 zu Auseinandersetzungen zwischen Fußball-Fangruppen aus Kiel und Dortmund. Diese hatten jetzt ein Nachspiel vor dem Landgericht Osnabrück Foto: imago/Wilfried WirthAm Osnabrücker Hauptbahnhof kam es am 31. Oktober 2015 zu Auseinandersetzungen zwischen Fußball-Fangruppen aus Kiel und Dortmund. Diese hatten jetzt ein Nachspiel vor dem Landgericht Osnabrück Foto: imago/Wilfried Wirth

Osnabrück. Wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, Landfriedensbruchs und Beleidigung hat das Landgericht Osnabrück einen Kieler Fußballfan zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der 27-Jährige erschien weder zur Verhandlung in erster, noch in zweiter Instanz – obwohl er selbst Berufung eingelegt hatte.

Die Taten, die dem Angeklagten zur Last gelegt wurden, liegen lange zurück: Am 31. Oktober 2015 fuhren knapp 70 Fans von Borussia Dortmund mit einem Regionalzug über Osnabrück nach Bremen. In dem Regionalzug, der sie zum Auswärtsspiel ihres Vereins gegen Werder bringen sollte, saßen auch rund 200 Fans von Holstein Kiel, die wiederum auf dem Weg zum Spiel gegen Preußen Münster waren.

Am Hauptbahnhof kam es dann zu Auseinandersetzungen der beiden Fangruppen, die Polizei musste eingreifen. Dabei wurde unter anderem einem Polizisten der kleine Finger gebrochen, Chaoten warfen mit vollen Getränkedosen und Glasflaschen. Zwei Polizisten, die keinen Helm trugen, wurden mit gefüllten Bierdosen am Kopf getroffen.

Pfefferspray-Einsatz provoziert

Der Angeklagte, der zu den Holstein-Anhängern gehörte, bewegte sich auf den mit den Dortmundern besetzten Zug zu, woraufhin ihm zwei Polizisten entgegentraten und ihn zurückwiesen. Dieser Aufforderung kam der 27-jährige Kieler aber nicht nach, stattdessen habe er „in Laufrichtung der Dortmunder geschrien“, um die Stimmung weiter aufzuheizen.

Erst durch den Einsatz von Pfefferspray gelang es einem der Polizisten, den Mann aufzuhalten. Danach versuchte er noch ein weiteres Mal, zum Zug der Dortmunder zu gelangen. Dieses Mal trat ihm eine Polizistin in den Weg und forderte ihn unter Androhung des Einsatzes von Pfefferspray auf, zurückzutreten. Der Angeklagte reagierte mit einer nicht druckreifen Beleidigung.

Angeklagter ließ sich kaum bändigen

Nachdem er zunächst von weiteren Personen aus der Gruppe der Kiel-Anhänger zurückgehalten wurde, riss er sich erneut los und rannte auf den Zug zu. Als die Polizistin daraufhin wie angekündigt einen kurzen Stoß Pfefferspray einsetzte, beschimpfte sie der 27-Jährige erneut.

Im September 2017, also rund zwei Jahre nach den Vorfällen, erließ das Amtsgericht Osnabrück einen Strafbefehl gegen den Kieler: Wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, Landfriedensbruchs und Beleidigung bekam der 27-Jährige eine zur Bewährung ausgesetzte achtmonatige Haftstrafe.

Durch Abwesenheit geglänzt

Der Erlass eines Strafbefehls bedeutet, dass es keine Hauptverhandlung gibt, der Richter entscheidet nach Aktenlage. Der 27-Jährige machte von seinem Recht auf Einspruch Gebrauch, im Februar 2018 sollte es deshalb vor dem Osnabrücker Amtsgericht zur Hauptverhandlung kommen. Doch der Angeklagte erschien nicht. Das Amtsgericht verwarf daraufhin den Einspruch.

Der Angeklagte legte erneut Berufung ein, weshalb nun eine Verhandlung der Sache vor dem Landgericht stattfinden sollte. Doch wieder erschien der 27-Jährige nicht.

Verfahren verschleppt?

In Abwesenheit des Angeklagten und dessen Verteidigers erklärte der Vorsitzende Richter, dass der Anwalt des Kielers um eine Verlegung der Verhandlung ersucht hatte – und zwar am Vortag gegen 16 Uhr. Nach Schilderungen von Staatsanwältin und Vorsitzendem Richter hatte der Anwalt auch zuvor schon immer wieder versucht, das Verfahren zu verschleppen.

Das Gericht ließ sich darauf nicht ein und verwarf die Berufung. Der Mann hat nun nur noch die Möglichkeit, das Urteil vom Bundesgerichtshof auf Rechtsfehler prüfen zu lassen. Die Staatsanwältin hält diese Möglichkeit auch für durchaus möglich: „So einer legt am Ende auch noch Revision ein…“


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