Kino seit 8. Mai dicht Weiter Rätselraten um Cinestar-Schließung in Osnabrück

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Auch sechs Wochen nach der überraschenden Schließung des Cinestar-Kinos am Osnabrücker Hauptbahnhof liegen die Hintergründe für den Stillstand auf den Leinwänden weiterhin im Unklaren. Offenbar sind sich Betreiber und Eigentümer aber uneinig darüber, wer die Kosten für Modernisierungsmaßnahmen zu tragen hat.

Auf dem stets belebten Bahnhofvorplatz ist es in diesen Tagen nur an einem Ort ruhig: Immer wieder bleiben Passanten vor dem Kinoeingang des Cinestars am Entree des Theodor-Heuss-Platzes stehen. Ihre Blicke wandern auf die Hinweisblätter, die seit Anfang des vergangenen Monats auf die „vorübergehende Schließung“ des Kinos hinweisen. Über den großen Glastüren werben Plakate für die einst aktuellen Filme in dem Großkino. Doch die Komödie „Der Sex Pakt“ ist längst aus dem Programm Osnabrücker Kinos verschwunden, gleiches gilt für die deutsche Produktion „Familiye“.

Tote Links auf der Homepage

Hinter der Glasfassade des Komplexes herrscht das Gegenteil von geschäftigem Treiben: Fast sieht es so aus, als wäre das Kino seit dem Abend des 7. Mai nicht mehr betreten worden. An diesem Montagabend hatte das Cinestar zuletzt geöffnet, seit dem 8. Mai sind die Pforten von Osnabrücks größtem Lichtspielhaus mit rund 2000 Plätzen geschlossen. Kein Film wurde seither auf die Leinwände der sieben Säle projiziert, kein Popcorn hat die Maschinen verlassen. Nach Informationen unserer Redaktion sollen die Mitarbeiter bei vollen Bezügen vorerst freigestellt worden sein – auf unbestimmte Zeit. Unklar ist die Zukunft des Kinos, das auf seiner Homepage für eine „Love Preview“ am 27. Juni wirbt. „Jeder verdient eine großartige Liebesgeschichte“ heißt es in großen Lettern, die Verlinkung zu den Tickets führt allerdings ins Nichts.

Technische Probleme

Ob die Angelegenheit in Osnabrück auch für alle Beteiligten zu einer Liebesgeschichte wird, darf zumindest momentan bezweifelt werden. „Technische Gründe“ seien ausschlaggebend gewesen für die Schließung, hieß es im Mai in einer knappen Pressemitteilung, die die Cinestar-Gruppe durch eine Hamburger Agentur veröffentlichen ließ – und die eher für Spekulationen als Beruhigung sorgte. „Es liegen im Haus diverse technische Probleme vor, für deren Beseitigung unser Vermieter zuständig ist. Leider hat er bis heute keine Maßnahmen zu deren Beseitigung ergriffen, was jetzt dazu geführt hat, dass wir den Betrieb nicht aufrechterhalten können“, wurde Cinestar-Geschäftsführer Oliver Fock in der Mitteilung zitiert.

Kino ist Ankermieter

Konkreter wurde es in den vergangenen Wochen allerdings nicht. Wie unsere Redaktion erfuhr, soll dem Kinobetreiber vor allem die Sicherheitstechnik wie beispielsweise die Notbeleuchtung zu schaffen machen. Mehrmals unternahm unsere Redaktion den Versuch, bei der Lübecker Unternehmensgruppe Hintergrundinformationen zur Schließung zu erfahren – vergeblich. Auch die erwähnte Agentur, die mit der Pressearbeit beauftragt wurde, ließ sich keinerlei Informationen entlocken. Fakt ist jedoch, dass Cinestar ein Schlüsselmieter der Immobilie ist – und daher aufgrund der Wichtigkeit ein gewisses Drohpotenzial gegenüber dem Vermieter besitzt. Geht es also darum, wer Modernisierungsmaßnahmen bei der Sicherheitstechnik im Kino bezahlen muss? Dem Vermieter jedenfalls dürfte daran gelegen sein, den Ankermieter seiner Immobilie nicht zu verprellen. Eine andere Nutzung als die durch einen Kinobetreiber ist schließlich nur schwer vorstellbar.

Am Kinoeingang hängen nach wie vor Ausdrucke, die auf die „vorübergehende Schließung“ hinweisen. Foto: Sebastian Philipp

Arbeiten im Kino

Aufs Schweigen konzentriert sich derweil auch die Gegenseite: Eigentümer der Immobilie ist die Bark Retail Osnabrück GmbH mit Sitz in Solingen. Auf die Vorwürfe des Mieters, technische Probleme seien nicht angepackt worden, bleibt das Unternehmen beharrlich stumm. Und was passiert vor Ort? Möglicherweise tut sich langsam etwas im Kino. In dieser Woche war ein auf Elektro- und Gebäudetechnik spezialisiertes Unternehmen aus dem Kreis Steinfurt im Gebäude beschäftigt. Deren Mitarbeiter blockten Gespräche aber ebenso ab wie Mitarbeiter des Eigentümers.

Nicht das erste Mal in den Schlagzeilen

Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Osnabrücker Cinestar Turbulenzen ausgesetzt sieht. Bis zum vergangenen Jahr sorgte der „Ungeziefer-Prozess“ für filmreife Aufregung in Osnabrück.Dabei ging es um eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen der Cinestar-Gruppe und der einstigen Kinochefin, der im Jahr 2015 fristlos gekündigt wurde. Konkret befasste sich die Justiz mit einem Schädlingsbefall durch allesfressende Heuschrecken in einem für Lebensmittel vorgesehen Lagerraum des Kinos. Die ehemalige Leiterin hatte angesichts der ungewünschten Heimchen-Population zahlreiche Lebensmittel entsorgen lassen. Der Kinobetreiber vermutete hingegen eine Vermögensstraftat und kündigte der Arbeitnehmerin fristlos. Schließlich endete der rund eineinhalb Jahre andauernde Streit mit einem Vergleich.


Theodor-Heuss-Platz: Eine kurze Zeitreise

Die Geschichte des Kinos am Hauptbahnhof ist noch gar nicht so lang: Immer wieder gab es in der Vergangenheit Überlegungen, den Osnabrücker Bahnhofsvorplatz umzugestalten, so beispielsweise in den frühen 1980er- und späten 1990er-Jahren. Doch immer wieder kam etwas dazwischen, es folgten nur kleine kosmetische Umbauten wie zum Beispiel der Abriss einer Kioskreihe im Jahr 1985 ungefähr auf der Fläche des heutigen Spielcasinos. Bis zur Jahrtausendwende teilten sich Auto- und Busverkehr eine zubetonierte Fläche, die in südöstlicher Richtung von der Hauptpost flankiert wurde.

Als diese überflüssig wurde, kam vor knapp 20 Jahren Bewegung auf den Bahnhofsvorplatz: Die OPG und der Osnabrücker Architekt Werner Hülsmeier bauten ein Parkhaus, fast parallel dazu entwickelte Hülsmeier den Gebäudekomplex, der heute unter anderem das Cinestar beheimatet.

Geräuschlos wurden beide Projekte nicht umgesetzt. Beim Parkhausbau kam es zu Verzögerungen aufgrund einer komplizierten Blindgängersuche, außerdem kritisierte die CDU eine angebliche Subventionierung des privaten Bauherren mit Steuergeldern. Nebenan lief es auch nicht nach Plan. In der Schlussphase des Innenausbaus ging plötzlich der Projektentwickler insolvent. Schon bei der Finanzierung des 50-Millionen-DM-Projekts war es zu Schwierigkeiten gekommen, als zunächst die West LB und später ein Münchner Immobilienfonds Rückzieher machten.

Seit November 2001 werden auf die sieben Leinwände des Kinos Filme projiziert. Zunächst betrieb die Ufa Theater GmbH das Kino, nach deren Insolvenz übernahm im April 2003 die heutige Cinestar-Gruppe.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN