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Galerie vor sieben Jahren gegründet Osnabrücker Ausstellungsorte: BBK-Kunstquartier

Mit dem Bund Bildender Künstler angekommen: Renate Michalik und Jens Raddatz im Kunstquartier. Foto: Klaus LindemannMit dem Bund Bildender Künstler angekommen: Renate Michalik und Jens Raddatz im Kunstquartier. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Im verflixten siebten Jahr? Das verheißt Ehepaaren allzu oft nichts Gutes. Beim Kunstquartier des Bundes Bildender Künstler (BBK) ist es genau andersherum: Die Galerie ist sieben Jahre nach ihrer Gründung als Osnabrücker Ausstellungsort inzwischen bestens etabliert.

„Am Anfang haben wir uns von Monat zu Monat durchgehangelt“, erinnert sich Renate Michalik, bis 2011 BBK-Vorsitzende und Initiatorin des „Kunstquartiers“. Kein Geld, kein Raum – so sah die Realität am Anfang aus. 2005 startete das Kunstquartier mit einer kleinen Präsentation im Dreikronenhaus. Ein Eckraum in der ehemaligen Galerie von Anette Röhr bot damals Platz für den Beginn eines Experiments, das sich für den Osnabrücker BBK als segensreich erweisen sollte. Denn inzwischen hat sich das Kunstquartier mit eigenem Raum in der Bierstr. 33 etabliert.

Die Galerie liegt damit neben den Altstädter Bücherstuben und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kunsthalle Dominikanerkirche. „Wir liegen damit am Laufweg vieler Kultur- und Kunstinteressierter“, sagt Renate Michalik, die mit diesem Jahr den Vorsitz an Jens Raddatz abgegeben hat. „Wir wollen das Konzept jetzt mit frischem Leben füllen“, sagt Raddatz, der gleich zweimal im Jahr ein Programm vorlegt, das nicht nur Ausstellungsankündigungen enthält, sondern auch Filmvorführungen oder Diskussionen.

Doch der Reihe nach. „Das Kunstquartier hat den BBK gerettet“, sagt Renate Michalik ganz direkt. Und sie hat recht damit. Denn 1995 brach für den Künstlerbund eine wichtige Tradition ab. Bis dahin war für den Verband der Termin für eine jährliche Überblicksausstellung in der Kunsthalle reserviert. Mit dem neuen Konzept der 1996 erstmals ausgerichteten „Arte Regionale“ kam das Aus für die BBK-Ausstellungen. Freie Jury statt BBK-Gremium – so lautete jetzt das Rezept für die Auswahl von Kunstwerken für eine Ausstellung, die einen Überblick über das Kunstschaffen in der Region Osnabrück geben sollte. Dieser Schwenk traf den BBK hart. Der Verband stand ohne eigene Ausstellungsmöglichkeit da. Viele Künstlerinnen und Künstler verließen den Verband.

Renate Michalik ließ sich in dieser schwierigen Lage nicht ermutigen. Mit der Idee des Kunstquartiers ging sie gemeinsam mit Mitstreitern wie der inzwischen verstorbenen Sigrid Poller in die Offensive. Der Clou: ein eigener Raum für den BBK! Mit dem Auszug eines Textilgeschäfts aus dem Ladenlokal in der Bierstraße war der richtige Zeitpunkt gekommen. Die Künstlerinnen und Künstler wurden aktiv, Renate Michalik warb bei der Stadt Osnabrück als Eigentümerin der Immobilie intensiv darum, den Raum anmieten zu dürfen. Zunächst stand der Raum immer nur für eine kurze Frist zur Verfügung. Inzwischen hat sich der BBK dort etabliert. Unterstützer sorgen dafür, dass die moderate Miete zuverlässig beglichen werden kann. Und mit Wolfgang Schmidt ist per „Bürgerarbeitsplatz“ ein Mann gefunden, der den Ausstellungsraum während der Öffnungszeiten betreut. Michalik: „Er ist für uns ein absoluter Glücksfall.“ Kein Wunder: Zuvor haben die Künstler selbst die Öffnungszeiten bestritten.

Doch zurücklehnen können sich die Künstler nicht. „Hier muss jeder selbst aktiv werden“, sagen Michalik und Raddatz. Das gilt für den Auf- und Abbau der Ausstellungen und für die Partnersuche. Denn die Osnabrücker Künstler sollen möglichst mit einem auswärtigen BBK-Mitglied gemeinsam ausstellen. Es gilt das Prinzip des Dialogs. „Wir wollen nicht nur im eigenen Topf rühren“, sagt Renate Michalik. Und Jens Raddatz verspricht, diesem Prinzip treu zu bleiben und das Programm noch auszubauen. Immerhin acht Ausstellungen verzeichnet das Jahresprogramm des Kunstquartiers für das laufende Jahr. Das ist mehr als achtbar.

Renate Michalik und Jens Raddatz sind sich sicher: Das Kunstquartier zählt jetzt als Ausstellungsort zu den Stützen der Osnabrücker Kunstszene. An das Textilgeschäft, das in diesen Räumen einmal war, erinnert sich kaum noch jemand. „Ab und zu finden wir noch Nadeln im Teppichboden“, sagt Jens Raddatz mit einem Lächeln und rückt eines der Bilder gerade.

BBK-Kunstquartier, Bierstr. 33. Di., Mi., Fr., 14–18 Uhr, Do., 15–20 Uhr, Sa., 11–15 Uhr. Info: www.bbk-osnabrueck.de


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