„Spieltriebe“-Regisseure (3) Malte Lachmann über „Sam“

„Spieltriebe“-Regisseur Malte Lachmann. Foto: Theater Osnabrück„Spieltriebe“-Regisseur Malte Lachmann. Foto: Theater Osnabrück

Osnabrück. Malte Lachmann arbeitet zum ersten Mal am Theater Osnabrück. Im diesjährigen „Spieltriebe“-Uraufführungsreigen an diesem Wochenende inszeniert er Katharina Schmitts Schauspiel „Sam“. Das Thema des diesjährigen Festivals lautet „Total real“. Wir fragten Malte Lachmann, welcher Spielart von Realität er mit seiner Lesart von „Sam“ nahe kommt. Und liefern in Zusammenarbeit mit dem Osnabrücker Theater Biografisches über ihn.

Malte Lachmann sagt über seine Inszenierung von Katharina Schmitts „Sam“: „In „Sam“ überschneiden sich gleich mehrere Realitätsebenen: Die erste Realität, mit der wir umgehen, hat 1978 stattgefunden, als sich der Performancekünstler Tehching Hsieh entschloss, sich für ein Jahr in einem Käfig einzusperren und während dieser Zeit nicht zu sprechen und nur zweimal im Monat Besuch zu empfangen. Die zweite Form von Realität besteht in der fiktiven Welt, die Katharina Schmitt in ihrem Stück beschreibt, das auf der Performance von 1978 fußt. Wir wiederum benutzen dieses Stück, um eine dritte Realität entstehen zu lassen – nämlich die unserer Aufführung im Atelier des Osnabrücker Künstlers Volker Johannes Trieb.

Das Atelier Trieb mit seinem Garten, seinen Wasserläufen und Skulpturen ist selbst eine eigene Parallelwelt vor den Toren von Osnabrück, in der Volker Johannes Trieb lebt und arbeitet. Hier überschneiden sich die Entwürfe zweier Künstler, die beide das eigene, alltägliche Leben in ihr Werk als Kunstform integrieren - wobei sich die Ästhetik beider Werke völlig unterschiedlich gestaltet. Durch all diese Überschneidungen und durch alle Unterschiedlichkeiten der einzelnen Realitätsebenen, zwischen denen sich der Zuschauer in unserem Theaterabend bewegt, stellt sich die Frage nach den Spielarten unserer Realität immer wieder neu und immer wieder unter der Überschrift: ’Was fangen wir eigentlich mit unserer Lebenszeit an?‘“

Malte C. Lachmann, geboren 1989 in Marburg, studierte 2008 bis 2012 Regie für Sprechtheater und Oper an der Bayerischen Theaterakademie August Everding und Hochschule für Musik und Theater München bei Prof. Cornel Franz. Assistenzen führten ihn an das Münchner Prinzregententheater und zu den Salzburger Festspielen, Praktika an das Hessische Landestheater Marburg und das Bayerische Staatstheater München. Zur Zeit inszeniert er am Thalia Theater Hamburg, am Schauspielhaus Bochum, am Staatsschauspiel Hannover, am Staatsschauspiel Dresden und am Stadttheater Gießen. Mit seiner Inszenierung von „Schwarze Jungfrauen“ von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel gewann er 2012 den Preis für junge Regie des „Körber Studios“ in Hamburg. 2013 wurde seine Hamburger Inszenierung von „Protokolle von Toulouse“ zum „Radikal Jung“ Festival ans Volkstheater in München eingeladen.


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