Von Monstern und Dämonen Neue Ausstellung im BBK-Kunstquartier

<em>Mit Wesen</em> aus dem Unterbewusstsein beschäftigen sich Sylvia Lüdtke und Victoria Rance. Foto: Jörn MartensMit Wesen aus dem Unterbewusstsein beschäftigen sich Sylvia Lüdtke und Victoria Rance. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Es geht um Dämonen, die hässlichen kleinen Monster, die in uns lauern und bisweilen mit Gewalt nach außen drängen, um unseren Alltag zu beherrschen: „Der Schlaf der Vernunft“ lautet der Titel einer Ausstellung mit Werken von Sylvia Lüdtke und Victoria Rance, die heute Abend im bbk-Kunstquartier eröffnet.

Alles begann mit Francisco de Goya: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“ nannte der spanische Künstler 1799 eine Radierung, in der ein Mann ermüdet über einem Tisch in den Schlaf sinkt, derweil sich Fledermäuse, Eulen und Sphinxen bedrohlich über ihm zusammenrotten. Dieses eindrucksvolle Werk nahmen die Osnabrücker Künstlerin Sylvia Lüdtke und ihre Kollegin Victoria Rance aus London als Ausgangspunkt für ihre künstlerische Auseinandersetzung mit der Vernunft und dem, was jenseits der Ratio passiert. Ein Jahr arbeiteten sie gemeinsam an den Bildern, Skulpturen und Objekten speziell für diese Ausstellung. Sie mailten sich Ideen und Anregungen, zeigten sich per Skype Entwürfe, diskutierten, realisierten.

Jetzt ist das Kunst-Kabinett der Mythen und Träume, der Wesen aus dem Unterbewusstsein und aus dem Alltag für die Öffentlichkeit zubereitet. Rance setzte sich mit Figuren aus der nordischen Mythologie, mit Psychoanalytikern wie Siegmund Freud und C. G. Jung, mit deren Archetypen auseinander, die sie in kostümartige Skulpturen zum Anziehen verwandelte. Derweil nutzte Lüdtke Materialien des Alltags, um ihre flatterigen Monsterschwärme oder ihre private „Heilsarmee“ zu formen. „Floating Monsters“ nennt sie denn auch die raumfüllende Installation mit gebrauchten Tempotüchern als Grundmaterial. Warum gebraucht? „Das ist eine Art Up-cycling. Ich verwandele, ähnlich wie die Alchimisten, Abfall zu etwas Hochwertigerem“, erklärt Lüdtke. Ebenso geht sie vor, wenn sie etwa aus benutzten Kaffeepads ein „Traumtagebuch“ gestaltet, in dem sie mithilfe von Textpartikeln, Fotos und Zeichnungen Erlebtes verarbeitet und so eine spezielle Ästhetik entwirft.

BBK-Kunst-Quartier (Bierstraße 33): „The Sleep of Reason – Der Schlaf der Vernunft“. Skulpturen, Objekte, Installation, Videokunst und Fotografie von Sylvia Lüdtke und Victoria Rance. 6. September (Eröffnung um 19 Uhr) bis 19. Oktober, Di.–Fr. 14–18 Uhr, Sa. 11–16 Uhr. Infos: www.bbk-osnabrueck.de


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