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90 Prozent helfen Verletzten nicht Osnabrücker bei schockierendem Unfall-Test dabei

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Osnabrück. Wie viele Auto- und Motorradfahrer helfen, wenn sich ein schwerer Verkehrsunfall mit Verletzten ereignet? Diesen Test mit teils für die Polizei alarmierenden Ergebnissen machte jetzt die Brandenburger Polizei. Mit im Team war der Osnabrücker Blaulichtreporter Festim Beqiri.

Eigentlich kann Festim Beqiri kaum noch etwas erschüttern. Der Osnabrücker ist seit rund neun Jahren in der Region unterwegs und berichtet über Unfälle, Brände und andere Einsätze von Polizei und Feuerwehr – auch für unsere Redaktion. Doch die Geschehnisse, die der 28-Jährige in den vergangenen Tagen in Brandenburg erlebte, lassen ihn fast ratlos zurück. „Es ist schon schockierend, wie sich einige Menschen bei Unfällen verhalten und den Opfern nicht helfen“, sagt Beqiri.

Schauspielerinnen mit Kunstblut

Durch den Kontakt zu einem befreundeten Blaulichtreporter aus Brandenburg war Beqiri in der vergangenen Woche Teil eines Teams aus Reportern, Polizisten und Feuerwehrleuten, die an einer Landstraße in der Nähe von Wensickendorf – an einem Unfallschwerpunkt – ein Experiment wagten. Ein ausrangiertes Auto drehten die Beteiligten auf das Dach und schoben es auf den Grünstreifen. Eine Maskenbildnerin richtete zwei Schauspielerinnen mit reichlich Kunstblut so her, dass sie von tatsächlich Verletzten nicht zu unterscheiden waren. Die Frauen legten sich schließlich in den scheinbar verunfallten Wagen, der von der Straße aus gut zu sehen war.

Ärger und Gänsehaut

Beqiri und sein Kollege waren für die Installation von sieben Kameras zuständig, die das Geschen filmten. Dabei zeigte sich, dass neun von zehn Auto- und Motorradfahrern einfach an der Unfallstelle vorbeifuhren, ohne sich zu kümmern. „Einige Ersthelfer haben noch versucht, andere Autos anzuhalten, weil sie offenbar kein Handy dabei hatten. Aber die Leute sind einfach weitergefahren“, sagt Beqiri. Auf der anderen Seite habe es auch Menschen gegeben, die sich fast aufopferungsvoll um die Verletzten haben kümmern wollen. „Die Hilfsbereitschaft einiger Personen hat bei mir Gänsehaut erzeugt“, so der Osnabrücker.

Die Ausreden der Autofahrer

Einige Hundert Meter nach der fingierten Unfallstelle konfrontierte die Polizei die Fahrer mit ihrem Verhalten. „Es war schon krass, welche Ausreden wir dort gehört haben“, bilanziert Beqiri. So argumentierten einige Fahrer, sie hätten die Unfallstelle nicht bemerkt. Andere haben ausgerechnet an der Kontrollstelle noch wenden wollen, um zum Hunderte Meter entfernten Unfallort zurückzukehren. Gefühlt sei die Hilfsbereitschaft der Motorradfahrer noch etwas größer gewesen, als bei den Autofahrern.

Prävention durch Simulation

Die Polizei wollte mit dem Experiment herausfinden, wie es um die Hilfsbereitschaft bei Unfällen bestellt ist. Dabei sei sie sich durchaus bewusst, dass der Test nicht ganz umstritten sein könnte, sagte eine Sprecherin der Brandenburger Polizei auf Anfrage unserer Redaktion. „Zur Polizeiarbeit gehört aber auch Prävention und die lässt sich mit der Simulation einer realen Situation gut darstellen“, so die Sprecherin. Die Ergebnisse beurteilt sie eindeutig: „Wir hatten bisher keine genauen Erhebungen. Dass Hilfe in diesem Maße ausbleibt, ist jedoch alarmierend.“


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