Wachstumsprognosen IHK: Zuversicht trotz Konjunkturrisiken

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Präsentieren die überraschend guten Zahlen des Jahres: IHK-Präsident Martin Schlichter und Hauptgeschäftsführer Marco Graf. Foto: Gert WestdörpPräsentieren die überraschend guten Zahlen des Jahres: IHK-Präsident Martin Schlichter und Hauptgeschäftsführer Marco Graf. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Die Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim (IHK) blickt auf ein „überraschend erfolgreiches Jahr 2017“ zurück. Die Wirtschaft in der Region wuchs um geschätzt 2,2 Prozent. Einen ähnlichen Wert erwartet die IHK-Führung auch für 2018.

IHK-Präsident Martin Schlichter und IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf legten auf der Jahrespressekonferenz dar, dass der genaue Wert für 2017 zwar noch nicht vorliege, aber aufgrund anderer Indikatoren gehe man davon aus, dass die Wirtschaft im IHK-Bezirk ähnlich stark gewachsen ist wie im Bundesdurchschnitt (2,2 Prozent). „Ob wir diesen Positivtrend fortsetzen können, hängt vor allem vom internationalen Umfeld ab“, sagte Schlichter, „hier haben die Risiken zugenommen“. Sorgen bereiten vor allem der Brexit, die Russland-Sanktionen und die von der US-Administration verhängten Strafzölle. Der Dachverband der deutschen IHKs habe daher kürzlich die Wachstumsprognose für 2018 von 2,7 auf 2,2 Prozent herabgesetzt. Da die Wirtschaft der Region nicht so exportabhängig sei wie der Bundesdurchschnitt, erwartet Schlichter hier einen nicht ganz so starken Rückgang.

Was die Beschäftigung angeht, steht die Region weiterhin besser als der Landes- und der Bundesdurchschnitt da. Im September 2017 lag der Wert mit 405000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erstmals über der 400000er-Schwelle und damit um ein Drittel höher als zur Jahrtausendwende. Der positive Trend setzt sich 2018 fort. Befragungen der regionalen Unternehmen lassen sogar einen Job-Zuwachs von 3,5 Prozent für 2018 erwarten.

Mangel an Fachkräften

Zu den Risiken für die weitere Entwicklung zählt die IHK weiterhin und verstärkt die mangelnde Verfügbarkeit beruflich qualifizierter Fachkräfte. Flüchtlinge konnten bislang für keine Entlastung sorgen, da die aus der Heimat mitgebrachten Qualifikationen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt in den allermeisten Fällen nicht verwertbar sind. Die Flüchtlingsarbeit der IHK konzentriert sich darauf, junge Zugewanderte für eine betriebliche Ausbildung zu gewinnen. Die IHK hat dazu einen „Integrationsmoderator“ eingestellt. Im Jahr 2017 besuchte Yunus Güngördü 98 Betriebe und gab Tipps zu Förderungen und erprobten Integrationsmaßnahmen. Mit 129 Flüchtlingen führte er persönliche Gespräche, was sich mittlerweile in 85 eingetragenen Ausbildungsverhältnissen niedergeschlagen hat. Hauptgeschäftsführer Graf verschwieg nicht, dass der von den Berufsschulen abgedeckte theoretische Teil der Ausbildung wegen sprachlicher Defizite oftmals das größte Hindernis ist.

Mehr Ausbildungsverträge

Insgesamt ist die Zahl neuer Ausbildungsverträge 2017 um ein Prozent gestiegen, was sich nach wenig anhört, aber immerhin über dem Niedersachsen-Durchschnitt von 0,2 Prozent liegt. Die IHK hat von allen neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen einen Anteil von 53,9 Prozent. Die Handwerkskammer kommt auf 31,4 Prozent, der Rest entfällt auf andere Berufsrichtungen wie Gesundheit und Landwirtschaft. Warum es für die Unternehmen immer schwieriger wird, die von ihnen angebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen, begründete Graf mit dem demografischen Wandel, der immer weniger Absolventen aus den Schulen kommen lasse, und dem anhaltenden Trend zur „Akademisierung“. Letzterem soll eine verstärkte Berufsorientierung auch an den Gymnasien entgegenwirken. Dies vor dem Hintergrund, dass rund ein Drittel der Studienanfänger ihr Studium abbrechen. „Ihnen wäre mit einer dualen Ausbildung sicherlich mehr geholfen“, erklärte Graf.


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