Baugenossenschaft Landkreis Osnabrück BGLO: „Bauland aufzukaufen ist der wichtigste Schritt“

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Osnabrück/Alfhausen. 1274 Wohnungen pro Jahr müssen im Landkreis laut Wohnraumversorgungskonzept gebaut werden. Nina Neumann aus der Projektentwicklung der Baugenossenschaft Landkreis Osnabrück (BGLO) beschreibt, wie der Bedarf an bezahlbaren Wohnungen aus Sicht der Wohnungsbaugenossenschaft gedeckt werden kann.

Nach dem Wohnraumversorgungskonzept des Landkreises liegt der Anteil von Sozialwohnungen kreisweit im Schnitt bei 2,5 Prozent. Ohne den Neubau neuer Sozialwohnungen werden bis zum Jahr 2023 laut Landkreis alle Mietpreisbindungen vollständig ausgelaufen sein. Insgesamt 1274 neue Wohnungen müssen pro Jahr im Landkreis Osnabrück gebaut werden. In welchem Maße trägt die Baugenossenschaft Landkreis Osnabrück dazu bei, diesen Bedarf zu decken?

Die 1274 Wohnungen, die im ganzen Landkreis Osnabrück pro Jahr gebaut werden müssen, stellen den gesamten Wohnungsbedarf über alle Marktsegmente dar, also für zahlungskräftige und nicht so zahlungskräftige Nachfrager. Rund ein Drittel davon entfallen auf das Segment des „bezahlbaren Wohnens“ – das sind nicht nur die Sozialwohnungen im rechtlichen Sinne, sondern auch Angebote auf dem nicht mietpreisgebundenen Sektor, die den Wohnbedarf der nicht so zahlungskräftigen Bevölkerungsschichten decken sollen, also etwa junge Leute am Anfang ihres Berufslebens, Paare in der Familiengründungsphase oder auch ältere Menschen mit einer niedrigen Rente.

Wie viele Wohnungen konnte die BGLO im vergangenen Jahr bauen?

Die Unternehmensgruppe der Baugenossenschaft Landkreis Osnabrück eG hat im Jahr 2017 bis heute 74 Einheiten gebaut bzw. fertiggestellt, zudem befinden sich derzeit circa 50 weitere Wohnungen konkret in der Planung. Und natürlich laufen auch darüber hinaus viele Gespräche für zusätzliche Projekte.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisiert den geringen Anteil von Sozialwohnungen in der Region und fordert daher mehr kommunale Wohnungsbaugesellschaften in der Region. In der Samtgemeinde Bersenbrück führte der Mangel an kleinen und günstigen Wohnungen sowie das prognostizierte starke Bevölkerungswachstum dazu, dass 2017 die kommunale Wohnungsbaugesellschaft für die Samtgemeinde, Hase-Wohnbau, gegründet wurde, die in diesem Jahr mit dem Bau erster Wohnungen beginnen will. Halten Sie eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises für erforderlich?

Nein. Der Landkreis und wir als Baugenossenschaft Landkreis Osnabrück haben uns gemeinsam auf den Weg gemacht, die Kommunen auf dem Weg zu einer aktiven Rolle auf dem Wohnungsmarkt zu unterstützen. Das Wichtigste ist es , den Fuß in die Tür zu bekommen bezogen auf die Grundstücke, die man für den Wohnungsbau braucht. Wir sind gemeinsam mit der Kreisverwaltung dabei, moderne Instrumente, die dafür sorgen, dass Bauprojekte nicht einseitig nur den mittel- und hochpreisigen Sektor oder nur den niedrigpreisigen Sektor bedienen, sondern dass gemischt gebaut wird. Manchmal sind dafür entsprechende Vorgaben in den Bebauungsplänen hilfreich, manchmal kann man mit der sogenannten Konzeptvergabe diese Ziele erreichen. Hierzu sind wir seit Monaten im Gespräch mit den Gemeinden und bleiben dies auch weiterhin.

Das SPD-Kreistagsmitglied Rainer Spiering fordert, den Verkaufserlös aus den RWE-Aktien des Landkreises zu nutzen, um mit 30 Millionen Euro als Startkapital die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften zu stärken. Insgesamt sollten 200 Millionen Euro in die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften im Landkreis investiert werden. Wenn die BGLO als kommunale Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises 200 Millionen Euro zur Verfügung hätte, in welchem Bereich würde sie investieren und wie viele Wohnungen könnte die BGLO davon bauen?

Die Baugenossenschaft ist schon jetzt zu Investitionen auch im Segment des bezahlbaren Wohnens im gesamten Landkreis Osnabrück bereit. Dabei hängt die Zahl der umsetzbaren Wohnungsbauprojekte auch, aber bei Weitem nicht nur vom vorhandenen Kapital ab, sondern vor allem auch von der zur Verfügung stehenden Fläche.

Wie hoch ist der Anteil des Landkreises Osnabrück aktuell an der BGLO?

Der Anteil des Landkreises Osnabrück an der Baugenossenschaft Landkreis Osnabrück eG beträgt aktuell 1,5 Prozent.

Wie viele Genossen hat die BGLO insgesamt?

Insgesamt hat die Baugenossenschaft Landkreis Osnabrück 2850 Mitglieder.Nina Neumann Foto: Baugenossenschaft Landkreis Osnabrück

Über wie viele Sozialwohnungen verfügt die BGLO?

Die Baugenossenschaft Landkreis Osnabrück verfügt über 197 sozial geförderte Mietwohnungen.

Über wie viele Wohnungen verfügt die BGLO aktuell insgesamt?

Die Unternehmensgruppe vermietet und verwaltet aktuell circa 2433 Wohnungen im gesamten Landkreis Osnabrück. Die Genossenschaft als Kooperationspartner des Landkreises hält im Eigenbestand 856 zeitgemäße und größtenteils energetisch modernisierte Wohnungen mit über 52.500 Quadratmeter Wohnfläche mit einer durchschnittlichen Miete von fünf Euro netto pro Quadratmeter und Monat vor. Im Verwaltungsbestand der Genossenschaft befinden sich weitere 1577 Wohnungen fremder Eigentümer mit einer Wohnfläche von über 90.100 Quadratmeter und einer durchschnittlichen Miete von 5,15 Euro netto je Quadratmeter und Monat. Die aufgeführten Bestände zeichnen sich zudem durch niedrige Mietnebenkosten aus und liegen weit unter dem Betriebskostenspiegel des deutschen Mieterbundes. Die Bestände der Genossenschaft und vieler vernetzter gewerblicher und privater Vermieter als repräsentativer Querschnitt des lokalen Wohnungsmarktes bewegen sich im Landkreis wie dargelegt überwiegend deutlich unterhalb der zulässigen Miete nach den aktuellen Förderbedingungen.

Woran werden aktuell nicht mehr Sozialwohnungen gebaut?

Ein wesentlicher Engpassfaktor sind die Flächen für den Wohnungsbau. Deshalb ist es sehr hilfreich, wenn sich die Kommunen aktiv auf dem Flächenmarkt betätigen. Und wir stellen für viele damit zusammenhängende Fragen in Zusammenarbeit mit dem Landkreis unser Know-how gerne zur Verfügung.

Wie hoch ist der Bedarf an Sozialwohnungen aus Sicht der BGLO?

Der Landkreis hat in seiner jüngsten Bauausschuss-Sitzung Trendabschätzungen für die nächsten Jahre vorgelegt. Wichtig ist es, nicht nur auf die Sozialwohnungen im engeren Sinne – also die Wohnungen mit rechtlicher Mietpreisbindung – zu schauen, sondern das gesamt Segment des bezahlbaren Wohnens in den Blick zu nehmen.

Würden Sie es begrüßen, wenn der Landkreis oder die kreisangehörigen Kommunen Bauland aufkaufen würden?

Bauland aufzukaufen und zügig zu entwickeln ist ganz sicher der erste und wichtigste Schritt, um perspektivisch bebaubare Flächen vorzuhalten.

Wie groß ist die Wohnungsnot im Landkreis Osnabrück aus Sicht der BGLO und was ist der wichtigste Hebel, um der Wohnungsnot entgegenzusteuern?

Eine Wohnungsnot können wir nicht feststellen. Das ist vielleicht auch der Vorteil, weil wir hier nicht in einer Millionenstadt leben. Aber es gibt einen Bedarf an bezahlbaren Wohnungen. An dessen Befriedigung sind wir gerne bereit mitzuarbeiten.


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