Dokumentarfilm als Neowestern "The Rider" fasziniert in jeder Hinsicht

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Brady Jandreau heißt im phantastisch fotografierten Film "The Rider" zwar Brady Blackburn, spielt sich aber selber. Ab Donnerstag in den Kinos. Cinema Arthouse.Brady Jandreau heißt im phantastisch fotografierten Film "The Rider" zwar Brady Blackburn, spielt sich aber selber. Ab Donnerstag in den Kinos. Cinema Arthouse.

Osnabrück. Chloé Zhaos Film „The Rider“ fasziniert als biografisches Drama und gut beobachtete Sozial- und Charakterstudie, in der herausragende Laiendarsteller statt Stars in wunderbar eingefangenen Bildern überzeugen.

Ein Leben ohne die intensive Arbeit mit Pferden ist ein Leben, das sich der junge Cowboy Brady Blackburn (Brady Jandreau) überhaupt nicht vorstellen kann. Und das, obwohl ihn diese Arbeit beinahe das Leben gekostet hätte. Seit einem Rodeo-Unfall ersetzt eine Metallplatte jene Stelle, die von einem Pferdehuf getroffen wurde. An Reiten, ganz zu schweigen von Rodeos, ist seitdem nicht mehr zu denken.

Trotzdem wehrt sich Brady gegen die Vorstellung, nie wieder im Sattel sitzen zu können. Sein Job als Pferdeflüsterer, sein Leben im Sattel – das ist seine Identität, darin sieht er seine einzig wahre, gottgegebene Bestimmung. Tatsächlich rappelt sich Brady gegen jede Vernunft und gegen jeden ärztlichen Rat wieder auf, um wieder mit wilden Pferden zu arbeiten.

Auf den ersten Blick reiht sich „The Rider“ beinahe schon unauffällig ein in die Reihe neuer Western, die das Genre allen Unkenrufen zum Trotz nach wie vor am Leben erhalten. Aber im Gegensatz zu Produktionen wie zuletzt „Feinde – Hostiles“ erhebt der Film „The Rider“ nicht nur den Anspruch, irgendwie auf historischen Ereignissen oder gar einer wahren Geschichte zu beruhen. „The Rider“ erzählt seine eigene wahre Geschichte mit deren realen Protagonisten.

Produzentin, Autorin und Regisseurin Chloé Zhao gelingt im Grunde genommen ein Dokumentarspiel, dem man das Dokumentarische in keiner einzigen Einstellung anmerkt. Ohne das Hintergrundwissen zur Entstehungsgeschichte von „The Rider“ wirkt der Film wie ein ganz normal inszenierter Spielfilm. Was allein schon deshalb erstaunlich ist, weil er ausschließlich von Laiendarstellern getragen wird.

Während der Dreharbeiten zu ihrem Debütfilm „Songs My Brother Taught Me“ lernte Zhao den Pferdeflüsterer und Rodeoreiter Brady Jandreau kennen. Angeblich hatte Zhao da bereits die Idee, ihren nächsten Film mit ihm zu realisieren. Dann kam der Unfall. Fasziniert von Jandreaus Hartnäckigkeit, gegen jede Vernunft wieder in seinen alten Job einsteigen zu wollen, reifte in Zhao dann der Gedanke zu dieser quasi dokumentarischen Biografie mit realen Protagonisten vor der unverfälschten Kulisse im von Armut geprägten Pine Ridge Reservat in South Dakota.

Angereichert mit einem gestörten Vater-Sohn-Verhältnis und einigen dramaturgischen Kniffen, fasziniert das biografische Drama als gut beobachtete Sozial- und Charakterstudie in wunderbar eingefangenen Bildern (Kamera: Joshua James Richards). Die machen „The Rider“ dann auch optisch zu einem Genuss voller phantastischer Schönheit, die man auf der großen Leinwand erlebt haben muss.

The Rider. USA 2017. R.: Chloé Zhao. D.: Brady Jandreau, Tim Jandreau, Lilly Jandreau, Lane Scott. Laufzeit: 103 Minuten. FSK: ab 12. (engl. OmU). Cinema Arthouse.


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