Demo für Toleranz und Demokratie Darum gehen Osnabrücker am Samstag auf die Straße

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Reinhold Mokrosch ist einer der Veranstalter der Demo. Archivfoto: Hermann PentermannReinhold Mokrosch ist einer der Veranstalter der Demo. Archivfoto: Hermann Pentermann

hin Osnabrück. Am Samstag, 23. Juni, findet ab 11.30 Uhr eine Kundgebung gegen Islamfeindlichkeit und Antisemitismus vor dem Theater in Osnabrück statt. Mitveranstalter Reinhold Mokrosch erklärt, warum.

Herr Mokrosch, was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie zu der Demonstration aufrufen? War es der Zwischenfall mit dem Mädchen in Osnabrück, dem das Kopftuch vom Kopf gerissen wurde?

Dieser Zufall war nur der Auslöser, nicht der Grund für unsere Kundgebung. Ausschlaggebend ist unsere Sorge, dass Gewissens-, Religions-, Weltanschauungs- und Meinungsfreiheit bei uns gefährdet sind. Wir pflegen in unserer Friedensstadt Osnabrück eine Kultur der Toleranz, ja – der abwägenden Toleranz. Das heißt, wir vermeiden unrealistische Willkommenseuphorie, setzen uns aber massiv ein für eine von Hilfsbereitschaft, Respekt und Toleranz getragene realistische Willkommenskultur, auf der Grundlage unseres Grundgesetzes.

Ich verstehe daraus: Toleranz hat Grenzen...

Realistisch abwägende Toleranz bedeutet: Wir müssen abwägen, wo unsere Toleranz Grenzen hat: Vollverschleierung mit Niquab oder Burka zum Beispiel sind hier nicht möglich. Gleichberechtigung von Männern und Frauen sind hier selbstverständlich. Kinderehen sind kriminell und Kleidungs- und Speisevorschriften müssen freiwillig eingehalten werden. „Es gibt keinen Zwang in der Religion“ sagt auch der Koran. Und in der Hebräischen und auch christlichen Bibel steht: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“ Und als Christ betone ich auch: Kruzifixe im öffentlichen Raum sollten unterbunden werden. Wer eine Trennung von Religion und Staat fordert, sollte keine Kruzifixe in Schulen aufhängen. Freiheit und Freiwilligkeit sind Grundprinzipien von Religionen. Alle neuen Formen von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit passen in solche Toleranz nicht hinein. Wir wenden uns radikal gegen jeglichen Antisemitismus und gegen jegliche Islamfeindlichkeit und rufen zu Respekt und Toleranz auf. Wir wollen auf der Kundgebung am kommenden Samstag ab 11.30 Uhr vor dem Theater ein Bewusstsein für eine abwägende Toleranz in Religions- und Weltanschauungsfragen vermitteln, die Antisemitismus und Islamfeindlichkeit bekämpft.

Wie ist die Resonanz für ihren Aufruf und wie viele Menschen erwarten Sie am Samstag?

Wir hoffen auf Resonanz. Es besteht ja kein direkter Anlass – wie in Berlin. Ein paar hundert Teilnehmer und Teilnehmerinnen wären aber schon gut. Jede und jeder sollte sich klar machen, dass wir diese hohen Güter wie Gewissens-, Religions-, Weltanschauungs- und Meinungsfreiheit und damit auch Demokratie schützen und verteidigen müssen, dass wir sie aber auch abwägen sollten. Dazu will die Kundgebung beitragen.

Auf der Rednerliste steht auch der Name einer Betroffenen. Was ist der Hintergrund? Was ist ihr widerfahren?

Vanessa Walker ist eine muslimische Studentin aus Osnabrück, die sich aufgrund ihres Kopftuchtragens oft gekränkt, beleidigt und gedemütigt fühlt. Sie möchte, wie sie mir schrieb, in der „Solidargemeinschaft dieser Kundgebung ohne Zorn“ gerne ihre Erfahrungen uns mitteilen. Wir möchten nicht nur über Betroffene, sondern auch mit Betroffenen reden.


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