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Wasser marsch! Schäferbrunnen am Osnabrücker Rosenplatz sprudelt – aber nur kurz und per Knopfdruck

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Osnabrück. Mehr als ein Jahr war der Schäferbrunnen am Rosenplatz während der Bauarbeiten verschwunden, seit Juli dieses Jahres ist er wieder da. Nach einer Restauration sieht er zwar aus wie neu, doch Wasser spuckt der Brunnen keines – zumindest nicht ohne weiteres Zutun. Passanten müssen eine Scheibe im Boden berühren, um den Brunnen sprudeln zu lassen.

Doch zum Erfrischen oder Händewaschen reiche es kaum, beschwerte sich eine Leserin. „Der Brunnen gibt nur drei Sekunden Wasser“, so Ute Tombrink. Sie wohne zwar in der Wüste, besuche aber gelegentlich das Eiscafé an der Ecke des Rosenplatzes, wo auch der Schäferbrunnen steht. Und ebenjener sei nun trocken, „aber eigentlich auch nicht, weil eine grüne Brühe drin ist“, meinte Tombrink. Unter diesen Umständen könne sie sich nicht an dem Brunnen erfreuen.

Austricksen lässt sich der im Boden eingearbeitete Mechanismus nicht. Jedenfalls können Passanten den Brunnen nicht zum dauerhaften Sprudeln bringen, indem sie etwa einen Stein auf die Scheibe legen. Die Unterbrechung des Kontakts ist erforderlich, bevor das Wasser erneut fließen kann. So mancher Passant dürfte den Brunnen erst gar nicht zum Sprudeln bringen, denn es gibt keinen Hinweis darauf, dass die unscheinbare kleine Scheibe im Boden das Wasser laufen lässt.

Kosten und Umwelt

Die Stadt begründete die Maßnahme mit Kosten- und Umweltaspekten – und widerspricht der Aussage Tombrinks; denn tatsächlich sprudelt das Wasser exakt zehn Sekunden lang. „Manchen sind zehn Sekunden zu lang, anderen zu kurz“, sagte Sven Jürgensen, Pressesprecher der Stadt. Es sei schwierig, ein Mittelmaß zu finden, mit dem alle zufrieden seien – sowohl diejenigen, denen Wassersparen am Herzen liege, wie auch die, die sich ausgiebig am Brunnen laben wollten. Beim jetzigen System läuft das Wasser durch. Um sparsam damit umzugehen, müsse die Zeit beschränkt sein, „denn das Wasser ist weg“, so Jürgensen. „Aber wir werden noch mal überprüfen, ob die Zeit angemessen ist“, sagte der Stadtsprecher.

Üblicherweise verfügen Zierbrunnen über einen geschlossenen Wasserkreislauf. Ein solches System mit permanent laufendem Wasser hätte aufgrund des höheren technischen Aufwands rund 40000 Euro gekostet. „Das schien uns zu teuer zu sein“, so Jürgensen. Die nun verbaute Variante schlug mit weniger als 12000 Euro zu Buche. Auch die Unterhaltungskosten bei einem laufenden Brunnen seien weitaus höher, ergänzte der Pressesprecher. Nicht zuletzt habe der Schäferbrunnen vor der Instandsetzung gar kein Wasser gespuckt.

Im Juli war der Rosenplatz nach Bauarbeiten wiedereröffnet worden. Während dieser Zeit restaurierte ein Sandsteinspezialist aus Hörstel den Schäferbrunnen, der 1904 am Rosenplatz errichtet wurde – geformt nach dem damals noch lebenden Schäfer Heinrich Adolf Ströker. Dieser weidete seine Schafe in den Osnabrücker Stadtteilen Gretesch und Voxtrup. Daher ist der Schäferbrunnen zudem als Strökerbrunnen bekannt, der den „guten Hirten“ symbolisiert. Der Schäfer war aber ursprünglich aus Kupfer. Die Nationalsozialisten schmolzen die Figur im Zweiten Weltkrieg zu Kriegszwecken ein. Nach Kriegsende schuf der Osnabrücker Bildhauer Georg Hörnschemeyer einen neuen Hirten aus Sandstein .


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