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Zu wenig Rosen, zu viel Beton Der Rosenplatz-Umbau im Zentrum Osnabrücks ist bei Anwohnern umstritten

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<em>Wenig Rosen, viel Beton: </em>der Rosenplatz nach der Umgestaltung. Mit Verkehrsstau ist zu rechen – die Fahrbahn ist nur noch zweispurig. Foto: Gert WestdörpWenig Rosen, viel Beton: der Rosenplatz nach der Umgestaltung. Mit Verkehrsstau ist zu rechen – die Fahrbahn ist nur noch zweispurig. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Vor sechs Wochen ist der neu gestaltete Rosenplatz nach 16-monatiger Bauphase wiedereröffnet worden. Der Plan war, mit einem ungewöhnlichen Straßenbelag und neu gepflanzten Bäumen, Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Wer sich jedoch bei Anwohnern, Passanten und Gewerbetreibenden umhört, stellt fest: Der „neue“ Rosenplatz wird von vielen Osnabrückern offenbar kritisch gesehen.

Annette und Wolfgang Niering sitzen vor einer Bäckerei am Rosenplatz und trinken Kaffee. Sie kommen wegen der Besitzerin, sagen sie. Das Ambiente des Platzes schreckt sie eher ab. Dort gebe es zu viel Beton, der Platz habe den Charme eines Plattenbaus, die Kanten zwischen den Rad- und Fußgängerwegen seien gefährlich, zählen sie auf. So wie das Ehepaar sprechen viele über den am 11. Juli neu eröffneten Platz. Viele Anwohner, Geschäftsinhaber und Besucher des Rosenplatzes wissen zudem nicht, was sie mit den „Rampen“ anfangen sollen, die momentan noch gesperrt sind.

„Weggeschmissenes Geld“, sagt eine 78-jährige Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, über den Neubau des Rosenplatzes und macht eine wegwerfende Geste. Sie wohne schon seit 52 Jahren dort und habe drei Umbauten erlebt, erzählt sie. In ihr brodelt es sichtlich. Sie überlegt lange, um die richtigen Worte zu finden: „Was man jetzt gemacht hat, lässt eine Menge Zweifel übrig“, sagt sie schließlich diplomatisch, fügt aber schnell an, dass sie mit ihrer Meinung nicht allein stehe.

Im Moment sei es wegen der Ferien noch ruhig, sagt die ältere Frau. „Bei normalem Verkehr gibt es hier einen größeren Stau als früher, als die Fahrbahn noch vierspurig war.“ Heute ist die Straße nur noch in jeweils eine Richtung befahrbar. Für die Zukunft erwarte sie mehr Lärm und mehr Gestank durch die Autos, die sich auf dem Rosenplatz stauen werden. „Es wäre eine große Entlastung, wenn wenigstens der Lkw-Verkehr umgeleitet werden würde.“

Der Lärm der Autos dringt schon jetzt in die Ohren von Annette und Wolfgang Niering. Sie finden die Neugestaltung des Rosenplatzes nicht gelungen, wollen aber nicht zu drastisch über ihn urteilen. „Aus der Vogelperspektive sieht der Platz bestimmt schön aus. Auch die Straßenbeleuchtung macht ein schönes Licht“, sagt sie. Dann kann er sich aber doch nicht zurückhalten: „Bei der Bundeswehr hatten wir einen Straßenbelag für Panzer. Der sah genauso aus“, sagt er und zeigt auf das graue Pflaster des Gehwegs.

Die Inhaberin der Bäckerei, Sevim Koc, verweist auf ein weiteres Problem. Sie hat gesehen, dass einige Leute über die kaum sichtbaren Kanten gestolpert sind, die den Gehweg vor ihrer Bäckerei von den Parkplätzen abgrenzen. Eine Kollegin habe sogar beobachtet, wie jemand dort so heftig gestürzt war, der anschließend blutüberströmt war. Auf die Frage, ob der Rosenplatz Aufenthaltsqualität bieten könne, zuckt sie die Schultern: „Das wird die Zukunft zeigen.“ Was sie gut findet, ist, dass der Straßenbelag des Rosenplatzes einmalig in Deutschland ist. Sie hat schon Leute gesehen, die ihn fotografiert haben.

Eliseo Golisano, der ebenfalls vor der Bäckerei einen Kaffee trinkt, gefällt der Platz. „Es ist übersichtlicher und die Parkplätze sind besser angeordnet“, meint der 68-jährige Italiener. Sein Landsmann Paolo Consigleo führt das Eiscafé und Restaurant am Schäferbrunnen. „Jeder zweite Gast redet über den Rosenplatz, es ist immer das gleiche Lied“, sagt er. Einer sagt, es gibt zu wenige Rosen, einer anderer meint, es gebe zu viel Beton. Zwei von Dreien sehen den Rosenplatz kritisch, schätzt der Gastronom. Er selbst ist zufrieden mit dem Platz. Der habe neue Kunden angelockt.

Die Baustelle habe ihn jedoch fast seine Existenz gekostet, erzählt Paolo Consigleo. Nur weil er einen Kredit aufgenommen hat, konnte er überleben. „Ich habe es geschafft, obwohl ich von der Stadt keinen Cent bekommen habe.“ Jetzt stehen neue Möbel vor seiner Pizzeria. Er findet es schade, dass aus dem Platz am Schäferbrunnen zwar eine Abkürzung für Radfahrer, aber keine Piazza mit Bänken und Blumen geworden ist. Deswegen hat er selbst Pflanzenkübel aufgestellt. Die wurden schon von Randalierern aufs Korn genommen. Mit einer Wand will er sie schützen. Dafür braucht er die Genehmigung der Stadt. „Ich hoffe, sie ist gnädig.“

Jürgen Schmidt von Fachbereich Städtebau äußert sich unterdessen zu den Rampen, deren Zweck vielen Rosenplatz-Anwohnern unklar ist. Diese heißen im offiziellen Sprachgebrauch „Decks“ und dienen als Sitzgelegenheiten oder als Spielflächen für Kinder. Für Skater oder Radfahrer seien sie jedoch nicht geeignet, so Schmidt. Die Decks sollen in dieser Woche montiert werden. Sie werden neben den Bushaltestellen als deren Dächer ausgebaut. Die Haltestellen werden ab Anfang September pünktlich zum Schulbeginn wieder angefahren, so Schmidt. Die Glasscheiben im Rückraum sollen bis Oktober montiert sein. Da die vier Decks Unikate sind und die Rohlinge vormontiert, abgebaut, verzinkt und wieder eingesetzt werden mussten, damit sie richtig passen, habe der Anbau der Sitz- und Spielflächen so lange gedauert, sagt Schmidt. Schon jetzt werden sie abends von unten beleuchtet, was ihnen ein Aussehen verleiht, als würden sie schweben.


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