„Gulliver – das Fremde in mir“ Lust, Leid und Schmerz: Skulpturgalerie zeigt Arbeiten von Gautam

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Spricht über seine Kunst: Bildhauer Gautam bei der Ausstellungseröffnung in der Skulpturgalerie. Foto: Jörn MartensSpricht über seine Kunst: Bildhauer Gautam bei der Ausstellungseröffnung in der Skulpturgalerie. Foto: Jörn Martens

Osnabrück Den Menschen in all seinen Facetten formt Gautam alias Herbert Kleinbruckner in Skulpturen aus Bronze, Marmor und Gips. „Gulliver – das Fremde in mir“ heißt die Retrospektive in der Skulpturgalerie, die sich dem Werk des Bildhauers widmet.

Sie steht in der Galerie und dreht sich, die lebensgroße Bronzefigur, die den Titel „Walzer“ trägt. Ihre Arme hebt die Frau in einer expressiven Bewegung über den Kopf, der in realistischer Art ausgebildet ist. Doch der Körper beschreibt einen abstrahierten Schnitt, der an die Stilistik des Kubismus erinnert: Von der Schulter schwingt sich eine Linie bis zu den Füßen. Zusammen mit zwei weiteren Linien, die von der Hüfte an abwärts fallen, bilden sie eine geometrisch anmutende Form.

Gautam heißt der Künstler, der diesen „Walzer“ kreierte. Er widmete die Skulptur der Tänzerin und Choreografin Pina Bausch, die sich um das avantgardistische Tanztheater verdient gemacht hat und sich weniger mit dem Walzer beschäftigte, dem allseits beliebtem Gesellschaftstanz. Aber so wie Bausch verschiedene Elemente und Stilistiken des Körperausdrucks in ihren Tanzcollagen miteinander verband, so gelingt es auch Gautam mit dieser beeindruckenden Bronzefigur.

„Gulliver – das Fremde in mir“ lautet der Titel der Ausstellung, die in der Skulpturgalerie Osnabrück gezeigt wird. Gautam gibt dem Besucher, ähnlich wie bei dem „Walzer“, mit dem Titel einen Anlass zum Nachdenken: Versteht er sich als rätselnder Künstler in einer merkwürdigen Welt mit winzigen Lebewesen oder Riesen? Jedenfalls handelt es sich bei der Schau um eine Art Retrospektive des Künstlers mit aktuellen Werken wie eben „Walzer“, aber auch mit Arbeiten aus den 1980er- und 1990er-Jahren. So wird zum Beispiel die Bronze „Die Schöpfende Hand“ von 1993 gezeigt, eine Hand, die im Begriff ist, aus einer amorphen Masse eine menschliche Figur zu bilden.

Zahlreiche weibliche Torsi, kleine aus Bronze, größere aus Alabaster oder Marmor, beweisen die Liebe und Ehrfurcht des Bildhauers gegenüber dem weiblichen Geschlecht. Mal hocken seine Damen in staunender Pose, mal liegen sie entspannt im Schlaf.

Aber bei Herbert Kleinbruckner, wie Gautam eigentlich heißt, ist nicht alles eitel Sonnenschein. „Meine Biografie ist geprägt von Leid und Schmerz“, wird der Künstler in der ausstellungsbegleitenden Broschüre zitiert. So verwundert es nicht, dass in der Galerie auch gequälte Kreaturen zu sehen sind, die sich gegenseitig Leid zufügen oder bei denen man die Quelle ihres Schmerzes nur erahnen kann. Bisweilen nimmt der Künstler, der Anfang der 1980er-Jahre auch mal in Osnabrück lebte und arbeitete, mit seinen Arbeiten kritisch Stellung zu kriegerischen Konflikten wie dem Jugoslawienkrieg oder zu den aktuellen Flüchtlingsdramen.

In Moers hat er in den 1990er-Jahren einmal eine gewisse „Frau Saemisch“ kennengelernt, die in der Stadt am Niederrhein Bürgermeisterin war. Es handelt sich offenbar um eine Kunstliebhaberin, denn die Büste, die in der Ausstellung zu sehen ist, zeigt sie in einem Moment, in dem sie eine Druckgrafik oder einen Katalog studiert. Vielleicht sind es aber auch die Entwürfe für den „Römerbrunnen“, den Gautam im Auftrag der Stadt Moers anfertigte.

Skulpturgalerie: Gulliver – Das Fremde in mir. Skulpturen und Objekte von Gautam. Bis 26. August, Mo., Do. und Fr., 15–19 Uhr, Sa. und So., 11–16 Uhr.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN