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Ein „Beweger“ für Frieden Der Osnabrücker Religions-Experte Reinhold Mokrosch erhält Bundesverdienstkreuz

Feierlich überreicht Boris Pistorius (links) Reinhold Mokrosch das Bundesverdienstkreuz. Foto: Hermann PentermannFeierlich überreicht Boris Pistorius (links) Reinhold Mokrosch das Bundesverdienstkreuz. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Für seine Verdienste im Bereich der Friedenspolitik hat Bundespräsident Joachim Gauck dem Religionswissenschaftler Reinhold Mokrosch das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Bei einer Feierstunde im Rathaus überreichte Oberbürgermeister Boris Pistorius die Auszeichnung an den emeritierten Professor der Universität Osnabrück.

Pistorius würdigte in seiner Rede das vielfältige Engagement Mokroschs. „Sie sind immer darauf aus, neue Wege für Toleranz zu finden, immer auf Spurensuche, die uns einer friedlichen Weltgesellschaft zumindest einen Schritt näher bringt“, sagte der Oberbürgermeister vor rund 120 Gästen im Friedenssaal. Der 72-jährige Mokrosch sei einer der großen Beweger der Stadt, ruhelos, anstiftend zum Frieden.

Besonders hob der Oberbürgermeister die Rolle Mokroschs bei den Osnabrücker Friedensgesprächen hervor, die der Wissenschaftler von 1996 bis 2006 leitete. Persönlichkeiten wie der frühere US-Außenminister Henry Kissinger und Ex-Bundespräsident Johannes Rau nahmen in dieser Zeit an den Friedensgesprächen teil.

Mit dem Runden Tisch der Religionen, den Mokrosch 2007 gründete, sei es dem Wissenschaftler gelungen, gegenseitiges Vertrauen unter den Vertretern aller Glaubensrichtungen in Osnabrück zu schaffen, erläuterte Pistorius. Das habe sich im vergangenen Jahr gezeigt, als sich die verschiedenen Glaubensvertreter zu einer gemeinsamen Stellungnahme gegen das anti-islamische Hassvideo bereit erklärten, das in der Welt für Unruhen sorgte.

Die Mitgliedschaften Mokroschs in der Deutsch-Israelischen und Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft zeigten, dass er „mit denjenigen ins Gespräch kommt, die es schwer haben, miteinander zu sprechen“, so Pistorius.

Diese Fähigkeit sei wichtig für alle, die sich dem Frieden verschrieben hätten. Das Wirken des Wissenschaftlers reiche dabei weit über die Grenzen Osnabrücks hinaus, betonte der Oberbürgermeister. Damit meinte er die zahlreichen Aufenthalte im Ausland: Mokrosch hat Vorträge in vielen EU-Ländern, in China, Israel und in den USA gehalten. Regelmäßig übernimmt er eine Gastprofessur im südindischen Bangalore und setzt sich dort für einen christlich-muslimisch-hinduistischen Austausch ein.

Das internationale Engagement Mokroschs würdigte auch Carl Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei es auch ehrenamtlich Aktiven und ihrem Einsatz für Frieden zu verdanken, dass Deutschland in der Welt wieder anerkannt sei. Thiele hatte gemeinsam mit Günter Skibba die Ehrung Mokroschs beim Bundespräsidenten angeregt. Bei der Feierstunde im Rathaus hielten anschließend Roland Czada, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates der Osnabrücker Friedensgespräche, und Elisabeth Naurath, Direktorin des Instituts für evangelische Theologie, weitere Grußworte.

Der am 22. Februar 1940 geborene Mokrosch ist seit 1984 Professor für evangelische Theologie und Religionspädagogik an der Universität Osnabrück. Und obwohl der Wissenschaftler in Hamburg geboren wurde, sei er „der richtige Mann in der richtigen Stadt, ein Friedensstifter in der Friedensstadt“, wie Pistorius betonte.

Mokrosch zeigte sich tief bewegt. In seiner Dankesrede verdeutlichte er die Motive seines Handelns, denen zufolge es nie wieder Gewalt geben dürfe, Frieden erlitten werden müsse. Er bekannte sich zur Friedensstadt: „In Osnabrück lässt es sich gut leben.“


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