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Schönste Berufszeit in Osnabrück Schauspielerin Christel Leuner hört auf

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Osnabrück. „Niemals geht man so ganz“, sang einst Trude Herr. Christel Leuner beruft sich lieber auf Jupp Heynckes. „Ich habe etwas dagegen, endgültig zu sagen“, sagte er zum Ende seiner Karriere. Ähnliches gilt für Christel Leuner. Sie hört auf, legt sich aber nicht auf ein „Endgültig“ fest.

Aus gesundheitlichen Gründen steht die Schauspielerin seit einem Jahr nicht mehr auf der Bühne. „Wann spielen Sie endlich mal wieder?“ wird sie immer wieder gefragt. Denn die Leuner ist beim Publikum beliebt.

Intendant Holger Schultze brachte sie 2005 mit. Mit ihm hatte sie schon in Potsdam und Bremerhaven zusammengearbeitet und wechselte mit ihm von Augsburg nach Osnabrück. Damit begann für die in Maxen bei Dresden geborene Schauspielerin die „schönste Zeit“ an einem Theater. Das „tolle Ensemble“ sei unter anderem der Grund. „Ich bin ein sozial denkender Mensch“, sagt Leuner. Ein gutes Miteinander liegt ihr am Herzen.

Außerdem gefällt ihr, dass sie mit den jungen Schauspielern gut ausgekommen ist. „Ich werde nächstes Jahr 70“, bemerkt sie. Viele ihrer hiesigen Kollegen sind um die 30. „Ich bin froh und dankbar, wie die mich angenommen haben“, so Leuner. Und: „Ich habe viel von ihnen gelernt.“ Etwa, dass man sich aufeinander verlassen kann.

Dass ihre Zeit am Osnabrücker Theater vielleicht die schönste ihrer Karriere war, liegt aber auch an dem, was sie gespielt hat. „Gute Rollen sind wichtig“, erklärt Christel Leuner, die in großen Rollen wie die der „Mutter Courage“ zu sehen war. Die Rolle passe ihr „wie auf den Leib geschneidert“, schrieb die Kritikerin unserer Zeitung.

Lebhaft schildert sie ihre Erinnerungen an „Harold and Maude“. Als unkonventionelle Maude brachte sie einen Uhu mit auf die Bühne. Ein echtes Erlebnis . „Im normalen Leben passiert einem so was ja nicht“, sagt sie.

Das größere Problem lag darin, dass sich eine 80-Jährige in einen 18-Jährigen verliebt. „Wie soll denn das gehen?“, habe sie sich zunächst gefragt. Doch durch das Hineindenken in die Rolle ging das schließlich doch. Wobei „Denken“ ein relativer Begriff ist. Denn rein intellektuell lassen sich die Figuren nicht erfassen. Sie müsse „die Rollen mit Bauch und Herz füllen“, sagt Christel Leuner. Dazu sucht und findet sie Anteile in sich selbst.

Besonders großen Erfolg hatte sie mit „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“, das sie und Schauspielkollege Dietmar Nieder sechs Spielzeiten spielten. „Ein tolles Stück mit vielen Fragen“, so Leuner. Unter anderem ging es ums Alt- und Jungsein, ums Allein- und Kranksein. Viele Zuschauerinnen animierte das Stück, selbst Tanzunterricht zu nehmen. Selbst gelernt haben Leuner und Nieder die richtigen Schritte von Michael Hull.

Vom Tanz ist es nicht weit zum Gesang, einer Leidenschaft, die Leuner auch in Osnabrück verfolgte. Erst mit fast 40 habe sie dieses Talent entdeckt, sagt sie. Unter anderem bewies sie es im vom damaligen Dramaturgiechef Jürgen Popig geschriebenen Stück „Lale Andersen – Solo für eine wilde Dame“.

Intendant Ralf Waldschmidt und die Leitende Schauspielregisseurin Annette Pullen lassen Christel Leuner ungern gehen. Ein Anruf genügt, und sie kann zurückkommen, haben sie ihr mit auf den Weg gegeben.


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