„Kann ich das überhaupt annehmen?“ Osnabrückerin Martina Scholz erhält das Bundesverdienstkreuz

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Geehrt für langjähriges gesellschaftliches Engagement: Martina Scholz erhält das Bundesverdienstkreuz. Foto: Michael GründelGeehrt für langjähriges gesellschaftliches Engagement: Martina Scholz erhält das Bundesverdienstkreuz. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Seit vier Jahrzehnten macht sich Martina Scholz in Osnabrück stark für die Gleichstellung von Frauen, für die Belange von Schwulen, Lesben und Transgender-Menschen und für die Kultur. Dafür wurde ihr jetzt das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Ehrerbietungen sollte man immer mit einer gesunden Portion Skepsis begegnen. Wer ehrt da wen und wem nützt es? Martina Scholz stellt daher eine sehr grundsätzliche Frage, als ihr im Februar ein Brief aus der Staatskanzlei verkündet, sie solle „Die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ erhalten: „Kann ich das überhaupt annehmen?“, fragte sie sich; womöglich hat ihr der linke Geist die Frage eingeflüstert. Sie studierte die Listen mit den Trägern der Ehrungen, die im allgemeinen Sprachgebrauch schlicht „Bundesverdienstkreuz“ heißen: „Vorwiegend Männer“ habe sie gefunden. Genau deshalb nahm sie die Ehrung an: Weil sie hofft, so „ein Zeichen“ zu setzen, das „hoffentlich eine Ausstrahlung hat“. Weiterlesen: Bundesverdienstkreuz für Peter Warlimont

Deutliche Spuren hinterlassen

Diese Worte, gesprochen im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses, fassen einen zentralen Aspekt in Scholz’ beruflicher wie ehrenamtlicher Arbeit prägnant zusammen: Seit knapp vier Jahrzehnten setzt sie sich für Frauenrechte und Gleichstellung ein. „Der Einfluss von Frau Scholz auf die Osnabrücker Frauenpolitik hat deutliche Spuren hinterlassen und setzt immer noch welche“, sagte Kulturdezernent Wolfgang Beckermann in Vertretung des erkrankten Oberbürgermeisters Wolfgang Griesert. Der Stammtisch der Kulturfrauen, ein Frauenmusikfestival, die Walpurgisnacht: All diese Veranstaltungen gehen auf Martina Scholz zurück. nd dass sich in Osnabrück jedes Jahr am 14. Februar zahlreiche Institutionen und gesellschaftlichen Gruppen an der weltweiten Kampagne „One Billion Rising“ beteiligen, ist ebenfalls ihr Verdienst. „Frau Scholz ist auch heute das Herz dieser Kampagne in Osnabrück“, sagt Beckermann.

Ein weiteres ihrer zentralen Anliegen ist ihr Einsatz für Lesben, Schwule und Transgender-Menschen. Ziel sei es, dass sie „in der Gesellschaft respektiert und als ihr selbstverständlicher Teil angesehen werden“, so Beckermann. So prägt und gestaltet Scholz das Festival Gay in May maßgeblich, hat den Rosa-Courage-Preis miterfunden. Weiterlesen: One Billion Rising auf dem Nikoaiort

Gespür für Themen

Hier liegt nun die Schnittstelle zu ihrem Beruf: Sie verantwortet das Kulturprogramm des soziokulturellen Zentrums Lagerhalle. Wobei sie nicht nur Impulse innerhalb der Institution gesetzt hat, etwa, in dem sie die kleine Bühne im Spitzboden aufgebaut und und als Großformat das Kabarettfestival etabliert hat. Mindestens genauso wichtig und einer Ehrung wert ist ihr Geschick, Akteure der Szene miteinander zu vernetzen. In Kombination mit einem „sicheren Gespür für soziale, gesellschaftliche und politische Themen“ so Beckermann, habe Martina Scholz „einen bemerkenswerten gesellschaftliche Beitrag geleistet.“ Die dankt ihrerseits Oberbürgermeister Griesert, „weil er mich oft unterstützt hat“, und sie dankt der Lagerhalle, weil deren Leitlinien exakt jene Anliegen formulieren, für die Scholz brennt und leidenschaftlich arbeitet. Sagt‘s und stößt mit den zahlreichen Menschen aus Kulturszene und Stadtverwaltung an, die an der Zeremonie teilhaben.


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