Änderungen beim Winterdienst Mehr Fahrradfreundlichkeit in Osnabrück: Stadt schiebt Schnee nach links

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Freie Fahrt für Fahrradfahrer: Ab dem kommenden Winter sollen Radwege in Osnabrück testweise schneefrei werden. Archivfoto: Michael HehmannFreie Fahrt für Fahrradfahrer: Ab dem kommenden Winter sollen Radwege in Osnabrück testweise schneefrei werden. Archivfoto: Michael Hehmann

Osnabrück. Der Stadtrat hat auf seiner jüngsten Sitzung für kostspielige Änderungen beim Winterdienst in Osnabrück gestimmt. Ab dem nächsten Winter soll als Streumittel versuchsweise Blähton verwendet werden. Außerdem soll der Schnee nicht mehr rechts, sondern links abgelegt werden.

Ein strenger Winter mit starkem Schneefall hatte in den vergangenen Jahren eher Seltenheitswert. Wenn aber doch mal ein paar Flocken runterkommen, gibt es nicht selten Chaos auf Osnabrücks Straßen. So wie im vergangenen Dezember als der Busverkehr eingestellt werden musste. Wer dann auch noch aufs Fahrrad steigen wollte, hatte kaum Chancen durch die Stadt zu kommen. Vielfach waren die Radwege mit Schnee bedeckt. Das wird sich ab dem kommenden Winter ändern.

Der Stadtrat hat vergangene Woche für Änderungen beim Winterdienst in Osnabrück gestimmt, die die Fahrradfreundlichkeit optimieren sollen (Weiterlesen: Der Liveticker der vergangenen Sitzung). Eine Änderung betrifft die Schneeräumung. Traditionell wird der Schnee auf der rechten Fahrbahnseite vom Schneepflug abgelegt. Dabei kam es häufiger vor, dass der Schnee von der Straße auf Gehwegen, Bushaltestellen und Radwegen auf Fahrbahnniveau abgelegt wurde. Zukünftig soll in einer Erprobungsphase der Schneepflug nach links gestellt werden. „Unser Ziel ist es, dass der Individualverkehr und der ÖPNV dadurch nicht ausgebremst werden“, sagt Axel Raue vom Osnabrücker Servicebetrieb (OSB). Bei einem regulären Winter sollte das seiner Meinung nach funktionieren.

„Schneefreiheit unabdingbar“

Die Grünen begrüßen diese Änderung. „Wir freuen uns, dass der OSB den Belangen der Radfahrer bei Schnee und Eis mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen will“, sagt Fraktionsvorsitzender Michael Hagedorn. Einige Zentimeter Schnee würden den Autofahrern wenig ausmachen. Bei den Radlern sehe das aber anders aus, die würden dann aufs Auto umsteigen. „Für ein sicheres Radfahren auch im Winter ist die Schneefreiheit unabdingbar“, sagt Hagedorn, der dieses Anliegen schon lange vertritt. (Weiterlesen: Osnabrücker Servicebetrieb will Radwege besser räumen)

CDU-Ratsherr Thomas Niemann trägt den Beschluss zwar mit, ist aber noch skeptisch. „Wir verlassen uns auf die Aussagen der Verwaltung“, sagt der stellvertretender Vorsitzender des Betriebsausschusses des OSB. Wichtig sei ihm, dass die Fahrbahnbreite erhalten bleibe. „Bei großen Straßen wie der Hannoverschen Straße wird es wohl keine Probleme geben, kritisch könnte es aber bei einspurigen Straßen werden.“ Oberste Priorität müssten die Rettungskräfte und der ÖPNV haben.

Blähton viel teurer als Streusalz

Eine weitere Änderung gibt es beim Streumittel, die nicht ganz billig ist. Statt Hartsteinsplitt soll auf den Radwegen auf Hochborden versuchsweise Blähton verwendet werden. Dieser kostet laut OSB 250 Euro die Tonne, Streusalz kostet im Vergleich nur 70 Euro die Tonne. OSB-Betriebsleiter Raue, der die Änderungen vorgeschlagen hat, sieht aber die Vorteile des alternativen Streumaterials, das man aus der Hydrokultur kennt.

„Der Blähton hat bodenverbessernde Eigenschaften und kann so bei einem teilweisen Verbleib in den Baumscheiben, Pflanzflächen und in den Rasenflächen keine negativen Wirkungen auf den Boden und die Vegetation auslösen“, sagt er. Zudem weise der Blähton eine geringere Dichte als Splitt auf, sodass die Fahrzeuge mehr Volumen tragen können und man somit beim Treibstoffverbrauch sparen kann. Am Ende könnte dies laut Raue zu einem Nullsummenspiel werden, wo die höheren Mehrausgaben durch die Einsparungen ausgeglichen werden. „Ich gehe davon aus, dass der Blähton nicht zu einer starken Belastung des Haushalts führen wird“, sagt der Betriebsleiter. Er betont aber, dass genaue Aussagen erst im Frühjahr nach dem Test möglich sind.

Auch CDU-Ratsherr Thomas Niemann könnte sich vorstellen, dass es nicht zu Mehrkosten kommen wird. „Wir betrachten den Blähton als sinnvolle Investition“, sagt er. Man sehe ja schon Zuhause, welchen Dreck Split verursacht. „Auch die Maschinen leiden darunter.“ Er sei gespannt, welche Erkenntnisse aus dem Versuch gezogen werden.

Positive Erfahrungen in Nürnberg

Die Stadt Nürnberg setzt seit über 20 Jahren Blähton vor allem auf Radwegen ein und hat durchweg positive Erfahrungen gemacht. „Vorher hatten wir viele Autofahrer, die sich über Lackschäden beschwert haben, das ist völlig zurückgegangen“, sagt Stefan Grötsch, Leiter des kommunalen Außendienstes. Das Streugut wird sogar kostenlos an Privatleute verteilt, damit sie ihre Bürgersteige damit streuen können.


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