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Grenzwerte werden eingehalten Hydrologe: Trinkwasser in Deutschland unbedenklich

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Osnabrück. In Osnabrück ist das Trinkwasser dreimal so teuer wie im Versorgungsbereich des emsländischen Wasserverbandes Hümmling. Doch wie ist es um die Qualität bestellt? Ausgezeichnet. Spuren von Bakterien oder Keimen? Fehlanzeige. Arsen und Uran? Weit unter den gesetzlichen Grenzwerten. Kaum ein deutsches Lebensmittel wird so streng kontrolliert wie das Wasser, das aus dem Hahn kommt.

Qualitätsfrage: Manche Ostfriesen behaupten, ihr Leitungswasser sei das beste – und ausgezeichnet geeignet, um Tee zuzubereiten. Aus dem Emsland dringen ähnliche Bekundungen. Fest steht: Das Wasser im äußersten Nordwesten Deutschlands ist weich. Mit 4,2 Grad deutscher Härte (°dH) ist das Wasser des Wasserbandes Hümmling Spitzenreiter. Der Gegenpol findet sich im Osnabrücker Land: Im Versorgungsraum Melle-Wellingen ist das Wasser mit 25°dH besonders hart.

Aber die Frage, wie Wasser beschaffen sein muss, um das Prädikat „sehr gut“ zu erhalten, kann und will Markus Weiler, Professor für Hydrologie an der Universität Freiburg, nicht beantworten. „Es gibt kein ‚besser‘ oder ‚schlechter‘“, sagt er. „Das ist in vielen Sachen eine Einstellungs- und Glaubensfrage.“ Hartes Wasser enthalte mehr Mineralstoffe, sei im Haushalt „nerviger“, sagt Weiler, aber nicht schlechter. Nerviger deshalb, weil der höhere Anteil vor allem von Kalzium und Magnesium dazu führt, dass Waschmaschine und Wasserhähne schneller verkalken.

Die Beurteilung ist Geschmacksache, findet Hydrologe Weiler – und vergleicht es mit Bier: „Manche sagen, Flensburger Pils ist besser als bayerisches Exportbier. Doch bei beiden gilt das deutsche Reinheitsgebot. Auch da gibt es objektiv kein ‚besser‘ oder ‚schlechter‘.“ Weiler warnt außerdem vor einer Grenzwerte-Hysterie: „Selbst, wenn zum Teil Grenzwerte überschritten werden: So viel Wasser trinkt man gar nicht, dass das gesundheitsschädlich sein könnte.“

Uran: Jahrelang hatte die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch wegen des Urangehalts im Trinkwasser Alarm geschlagen. Mit Erfolg: Seit der Novelle der Trinkwasserverordnung von November 2011 müssen die Wasserversorger den Urangehalt erheben. Der Grenzwert liegt bei zehn Mikrogramm pro Liter.

Uran ist ein Schwermetall wie Quecksilber. Es kommt in vielen Gesteinsschichten natürlich vor. Nicht seine Radioaktivität ist das Problem, sondern, dass es giftig ist. In großen Mengen kann Uran die Nieren schädigen.

Hydrologe Weiler sieht den neuen Grenzwert in der Trinkwasserverordnung allerdings kritisch. „Bei Arzneimittelrückständen würde ich mir mehr Gedanken machen“, sagt er. Denn diese seien kaum kontrollierbar, da sich die vielen organischen Verbindungen im Wasserkreislauf permanent verändern. „Und keiner weiß, wie der Mensch darauf reagiert“, so Weiler.

Kontrolle: Mehr als 50 mikrobiologische, chemische und physikalische Parameter müssen laut Trinkwasserverordnung regelmäßig überprüft werden. Bei handelsüblichem Mineralwasser sind es außer Bakterien und Keimen nur 16 Inhaltsstoffe wie Arsen, Blei, Fluorid und Nitrat. Festgelegt sind die Grenzwerte in der Mineral- und Tafelwasserverordnung. Allerdings sind die Wasserversorger nur bis zum Hausanschluss für die Qualität des Trinkwassers verantwortlich. Bei Häusern mit älteren Leitungen kann es also durchaus passieren, dass die Qualität auf den letzten Metern abnimmt und zum Beispiel der Bleigehalt deutlich über dem gesetzlichen Grenzwert liegt.

Seit dem 13. Dezember gilt aber eine Änderung der Trinkwasserverordnung. Sie macht erstmals verbindliche Vorgaben für Materialien, die mit Trinkwasser in Berührung kommen – etwa Gummidichtungen, oder Beschichtungen und Metalle bei der Wasserinstallation.

Hintergrund: Dass die Unterschiede bei den Trinkwasserkosten sehr groß sind, hatte in diesem Jahr eine Erhebung unserer Zeitung für die Landkreise Osnabrück und Emsland gezeigt. So reicht die Spanne von 49 Cent pro Kubikmeter Wasser beim emsländischen Wasserverband Hümmling bis hin zu 1,54 Euro bei den Stadtwerken Osnabrück. Regelmäßig werden die Wasserversorger dafür kritisiert , dass sie einer einheitlichen Preiskontrolle aus dem Weg gehen. So hatte die Landeskartellbehörde im Mai 2011 ein Verfahren gegen acht Wasserversorger wegen des Verdachts missbräuchlich überhöhter Trinkwasserpreise eingeleitet.

Doch ebenso regelmäßig, wie sie für ihre Preispolitik angegriffen werden, betonen die Wasserversorger, dass sie hochwertiges Trinkwasser zur Verfügung stellen.


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