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Werbe-Gag Osnabrückerin tätowiert sich Firmenlogo für „durchgeknallten Chef“

<em>Passt genau:</em> Crimex-Chef Claus Röting und Logo-Trägerin Jenny. Foto: Michael HehmannPasst genau: Crimex-Chef Claus Röting und Logo-Trägerin Jenny. Foto: Michael Hehmann

Osnabrück. Jenny (29) ist zwar schon über und über tätowiert, aber jetzt hat sie sich auch noch das Firmenlogo ihres Arbeitgebers auf den Oberarm stechen lassen. Natürlich nur, um beim Chef eine Gehaltserhöhung durchzudrücken. So verrückt sind also die Leute, die bei Crimex arbeiten, lautet die Botschaft aus dem Video, das die Osnabrücker Werbemittel-Agentur verbreitet. In Wahrheit ist alles nur inszeniert. Aber total schräg.

Das Tattoo ist echt: zehn mal vier Zentimeter, mit dem blauen Schriftzug und den angedeuteten Kontinenten. Wer oder was bringt eine junge Frau dazu, sich für ihr Unternehmen derart aufzuopfern? Ganz klar, verrät Jenny im Video, ihr „total durchgeknallter Chef“.

Claus Röting (45) lässt sich gerne so titulieren. Gerade hat sich der Crimex-Chef einen Kugelschreiber ausgedacht, der wie eine Glühkerze aussieht. Davon lässt er jetzt ein paar Tausend mit VW-Logo produzieren und verkauft sie dem Konzern als Werbegeschenk. Auch die Bundeswehr gehört zu Rötings Kundenkreis. Die beliefert er nämlich mit Gummibärchen. Kein Witz: Tütchen mit den Fruchtgummis liegen auf den Info-Tischen, wenn die Armee Nachwuchskräfte anzuwerben versucht.

Der Crimex-Chef hat übrigens noch eine andere Fruchtgummi-Variante im Angebot. „Präsentative“ steht auf der Packung. Er reißt ein Tütchen auf, und statt der Gummibärchen purzeln bunte kleine Penisse heraus.

Wenn einer so durchgeknallte Ideen hat, liegt es nahe, dass er sich von einem Tattoo beeindrucken lässt, wenn eine junge Angestellte mehr Gehalt fordert. Schade nur, dass eine Werbekauffrau namens Jenny gar nicht zur Crimex-Belegschaft gehört.

Jenny, die mit den Tattoos und den vielen Piercings, heißt in Wirklichkeit Jennifer Wendland, ist 36 Jahre alt, gelernte Bürokauffrau und Mutter von drei Kindern. Sie hat keine Lust auf einen Bürojob, nicht einmal bei Crimex. Aber Jenny hat Röting ihre Haut verkauft, für einen vierstelligen Betrag. Startkapital für ihre Ausbildung – die Tätowierte will selber Tätowiererin werden. Beide Vertragspartner bewahren Stillschweigen über die Höhe der Vergütung. Oder müsste es nicht Schmerzensgeld heißen? Claus Röting redet nicht drum herum. So ein Tattoo, das sei ja eigentlich eine Wunde, sagt er. Vor allem, wenn der Körper wie bei Jenny zum Gesamtkunstwerk wird.

Dass es wehtut, bestätigt auch Jens Reinecke (48), der Tätowierer, der an der Lotter Straße ein Tattoo-Studio betreibt: „Auf den Rippen und am Bauch, das ist die Hölle!“ „Auch am Popo“, fügt Jenny etwas kleinlaut hinzu. Sie sei aber „ziemlich schmerzunempfindlich“, vermerkt der Tätowierer anerkennend.

Da stellt sich immer noch die Frage, warum ein Mensch seinen Körper für den Rest seines Lebens zur Werbefläche für ein Unternehmen macht, das es in 20 oder 30 Jahren vielleicht gar nicht mehr gibt? Jenny sieht das ganz gelassen. Sie lässt sich das Logo einfach übertätowieren.

Schon mit 18 hat sie sich das erste Tattoo stechen lassen, einen Vogel auf der Brust. Der ist auch längst übertätowiert, weil er nicht mehr in den Zusammenhang passte. Jenny ist vom Hals bis zu den Füßen dekoriert, mit japanischen Mustern, Sternen und Lilien.

An ihrer linken Halsseite prangt eine Botschaft „Mein Leben meine Rechte“. Was sie damit meint? Selbstbestimmt leben, antwortet sie mit einem Augenaufschlag, sich nichts vorschreiben lassen. Außer vielleicht von Jens, dem Tätowierer ihres Vertrauens. Auf die Frage, was für ein Motiv demnächst das Crimex-Logo überdecken soll, überlässt Jenny ihm das Wort. Dann blicken sich beide an. Und wer entscheidet? „Wir beide“, sagt Jenny und fügt hinzu: „Wenn er eine Idee hat, ist das schon o.k“.

Das Video gibt es unter http://blog.wa-shop.de/

zu sehen.


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