Station in Osnabrück gemacht „Mut-Tour“ durch Deutschland hilft Depressiven

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Sechs Mitglieder der diesjährigen „Mut-Tour“ machten auf dem Weg von Hildesheim nach Emden auch in Osnabrück Station. Foto: Philipp HülsmannSechs Mitglieder der diesjährigen „Mut-Tour“ machten auf dem Weg von Hildesheim nach Emden auch in Osnabrück Station. Foto: Philipp Hülsmann

Osnabrück. Gemeinsam in Bewegung für den offenen Umgang mit Depressionen – das ist das Ziel der sogenannten „Mut-Tour“. Sechs von gut einhundert „Mut-Machern“ machten jetzt in Osnabrück Station.

Seit 2012 bringt das Aktionsprogramm Menschen mit Depressionen und jene zusammen, die nichts mit der Krankheit zu tun haben. Gemeinsam sind viele Teilnehmer der „Mut-Tour“ auf Tandems unterwegs. Andere wandern aber auch oder fahren mit dem Kanu. Alle aber eint die Motivation, in ganz Deutschland für einen offenen Umgang mit Depressionzu werben.

„Es geht darum, Betroffenen Mut zu machen, sich Hilfe zu suchen“, sagte Tourenleiter Peter Kraus beim Zwischenstopp der Aktivisten in Osnabrück. Wer an Depressionen leide, stigmatisiere sich oftmals selbst: „Man gibt erst mal sich selber die Schuld, nicht so zu funktionieren wie gemeinhin erwartet.“

Umgekehrt passiere es Depressiven, dass das berufliche und private Umfeld rasch mit Urteilen zur Hand ist: Als „Faulenzer“ oder „Simulanten“ werden beispielsweise Menschen, die dem Leistungsdruck in der Arbeitswelt nicht mehr standhalten können, abgestempelt. „Wer mit der Krankheit zu tun hat, vermeidet es tunlichst, das dem Arbeitgeber zu erzählen. Man weiß ja nicht, welche Konsequenzen das haben kann“, sagte Betty de Vries, eine der mitradelnden „Mut-Macher“, die schon im vergangenen Jahr dabei war und von der Wirksamkeit der Aktion überzeugt ist: „Ich finde das toll, weil sich Menschen mit und ohne Depressionen ohne Berührungsängste begegnen und etwas zusammen unternehmen.“ Klar sei aber auch: Wer mitfährt, müsse seelisch stabil sein, um auch Pannensituationen gewachsen zu sein.

Die Wege in eine Depression seien vielfältig, berichtete Peter Kraus. Äußere Faktoren wie befristete Arbeitsverträge, die ein planbares Leben erschweren, können verantwortlich sein – genauso wie endogene Faktoren wie eine genetische Veranlagung oder die Erziehung. „Da jeder anders tickt, macht die Krankheit auch mit jedem etwas anderes“, erklärte Kraus.

Einer der Tour-Teilnehmer, der selbst keine Depression hat, ist Daniel Neumann. „Ich lerne neue Leute kennen, finde einfach das Projekt spannend und möchte etwas dafür tun“, begründete der Mann vom Siegener ADFC, der in diesem Jahr bereits zum dritten Mal auf dem Tandem sitzt, sein Engagement.

Von Osnabrück ging es für die Mut-Macher weiter über Ibbenbüren nach Rheine. Als Unterstützung bekamen sie vom Ameos-Klinikum noch eine 500-Euro-Spende und einen kleinen Präsentkorb mit auf den Weg.

Sieben Tage ist die Gruppe vom Start in Hildesheim bis zum Ziel in Emden unterwegs. Die Routen werden so gelegt, dass unterwegs nicht nur Pressetermine wahrgenommen werden können, sondern auch Zeit für Besuche in Einrichtungen ist, die Depressiven helfen. In Osnabrück trafen sich die Mut-Macher zum Beispiel mit einer Selbsthilfe-Initiative.

„Erfinder“ der Mut-Macher ist Sebastian Burger. Er stellt die Tandems. Viel Unterstützung gibt es von Sponsoren, zu denen Krankenkassen, die „Aktion Mensch“ und der ADFC gehören. Die Teilnehmer zahlen ihre An- und Abreise sowie zehn Euro Essensgeld pro Tag. Insgesamt legen die Radfahrer, Wanderer und Kanuten 5200 Kilometer in Deutschland zurück.


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