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Beten, bilden, Brötchen kaufen an der Bramstraße in Haste Eingemeindet und ausgepfarrt

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Osnabrück. Wenn eine Straße in Haste den Titel Hauptstraße des Stadtteils verdient, dann ist es die Bramstraße. Sie verband schon vor langer Zeit die im Nordosten entlang der Nette aufgereihten Höfe der Bauerschaft Haste mit dem verkehrlichen Schwerpunkt im Südwesten an der alten Reichsstraße 68, der Bramscher Straße, die für direkte Anbindung an die Stadt Osnabrück sorgte.

1940 wurde Haste mit damals 5016 Einwohnern nach Osnabrück eingemeindet, nachdem sechs Jahre zuvor in anderer Hinsicht eine gewisse Abnabelung von Osnabrück geschehen war. Mit der Weihe der Christus-König-Kirche 1934 waren die Haster Katholiken, die bis dahin zur Domgemeinde St. Peter gehörten, „ausgepfarrt“ worden. Ähnliches widerfuhr den evangelischen Christen 1952. Vorher gingen die Gläubigen zur Hauptkirche St. Marien in die Innenstadt, nun hatten sie mit der Paul-Gerhardt-Kirche an der Hardinghausstraße ihr eigenes Gotteshaus im Stadtteil.

Mit der „roten“ Straßenbahnlinie, der späteren Linie 2, war Haste seit 1928 an das Osnabrücker Straßenbahnnetz angeschlossen. Bis zur Haster Mühle rumpelte anfangs „die Elektrische“. 1948 wurden die Gleise bis in die Bramstraße verlängert. Das war dem zunehmenden Autoverkehr auf der Bramscher Straße geschuldet, der durch das langwierige Rangieren an der Endstation Haster Mühle jedes Mal behindert wurde. Vor der Rückfahrt in die Gegenrichtung musste nämlich „umgesetzt“, also der Triebwagen ans andere Ende des Beiwagens gesetzt werden. Auf der verkehrsärmeren Bramstraße lief das problemlos ab. Das historische Bild von 1959 zeigt die Aufweitung der eingleisigen Strecke in die zweigleisige Umsetzstelle. Links hält ein Bus der Linie 10, der die Fahrgäste vom Haster Berg bis hierhin zulieferte.

Im Hintergrund ist, damals wie heute, der Turm der Klosterkirche St. Angela zu sehen. 1903 hatten die Ursulinen dort ein Kloster gegründet, dem sie eine Höhere Mädchenschule und später einen Kindergarten angliederten. Die Schule genoss bald einen so guten Ruf, dass die katholischen höheren Töchter von weit her, sogar aus dem Ausland, ins Internat einzogen.

Auf der linken Straßenseite gegenüber, dort wo heute die Thomas-Morus-Schule ist, befand sich bis in die 1950er-Jahre der ausgedehnte Klostergarten. Rechts hinter dem Kloster, zur Nette hinab, erstreckt sich der Klosterpark mit großem Teich. Auf den schaukeligen Kähnen endete so manches waghalsige Manöver für die Mädchen im Nassen – bisweilen auch für die mitfahrenden Nonnen.

Der an der Bramstraße aufgewachsene Buchautor Wido Spratte erinnert in seinem Erzählband „Weil der Mensch was lernen muss ...“ an seinen täglichen Schulweg. Der Straßenabschnitt vor dem Kloster war bei den Kindern beliebt, da er im Gegensatz zum übrigen Verlauf der Bramstraße asphaltiert war. Die Nonnen wollten dadurch den Lärmpegel vor ihrer Pforte durch vorbeiziehende Fuhrwerke mit Kohlen oder scheppernden Milchkannen reduzieren. „Wir konnten herrlich Rollschuh laufen, Felder für Hüpfspiele aufmalen oder den Pindopp schlagen, das ging doch sonst nirgendwo“, so Spratte. Ärger habe es nur gegeben, wenn größere Jungen von weiter her ankamen und den Haster Kindern „unsere Teerstraße“ streitig machten.


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