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Osnabrücker Kinogeschichte(n), Teil 8: Die Stadtteilkinos belebten in der Nachkriegszeit die Filmlandschaft Puschenkinos am Rande der Stadt

Von Reinhard Westendorf

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Das Roxy im Schinkel entstand auf den Trümmern der Nachkriegszeit: der Aufbau im Sommer 1954. Foto: ArchivDas Roxy im Schinkel entstand auf den Trümmern der Nachkriegszeit: der Aufbau im Sommer 1954. Foto: Archiv

Osnabrück. Ein erstes ortsfestes Kino in Osnabrück gab es mit dem „Central-Theater“ in der Krahnstraße bereits ab 1907. Neben vielen anderen innerstädtischen Filmtheatern bereicherten über Jahrzehnte auch verschiedene Häuser in den heutigen Stadtteilen die Osnabrücker Kinogeschichte. Der 8. Teil unserer Reihe erinnert an „Lichtburg“, „Tivoli“, „Thalia“, „Scala“, „Odeon“ und „Roxy“.

Von den heute 23 Stadtteilen Osnabrücks waren nicht alle mit einem eigenen Kinobau gesegnet. Oftmals wurden die jeweiligen Bewohner dort durch Wanderkinos und Filmvorführungen in Gaststätten mit kinematografischer Unterhaltung bedient. Erich Risch zum Beispiel, Wirt des „Kaffeehauses Tentenburg“ an der Bohmter Straße 52, eröffnete im September 1932 in einem Anbau das erste Stadtteilkino im Schinkel. Das mit 243 Plätzen ausgestattete Tonfilmtheater „Lichtburg“ spielte trotz wiederholter Bombenschäden noch bis Anfang 1945, als alle innerstädtischen Kinos bereits zerstört waren.

Das einzige Osnabrücker Kino, das den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hat, war das „Thalia Theater“ in Haste. Vom ehemaligen Polizeibeamten Friedrich Wiemeyer 1936 an der Bramscher Straße 246 eröffnet, wurde das Nachspielkino ab 1962 unter dem Namen „Atlas Lichtspiele“ bis zur endgültigen Schließung im August 1969 weitergeführt.

Gegenüber dem Eversburger Bahnhof an der Atterstraße 117 wurde 1948 im Saal der Gastwirtschaft Klatte eine feste Kinoeinrichtung eingebaut und firmierte fortan unter dem Namen „Scala“. 1956 wurde das baufällige Gebäude vom neuen Betreiber Fritz Schröder in ein modernes Filmtheater mit 475 Plätzen umgebaut und am 30. November als „Odeon“ neu eröffnet. 1962 übernahm das Wanderkino-Ehepaar Böhnke noch für fünf Jahre den Spielbetrieb in Eversburg. Nach der Schließung Ende 1967 diente das Gebäude als Möbellager.

„In mehr als siebenmonatiger beschwerlicher Arbeit bei dem Mangel an Baustoffen wurde ein Unternehmen geschaffen, auf das die Neustädter, Nahner und Voxtruper stolz sein dürfen“, schrieb das „Osnabrücker Tageblatt“ am 6. April 1948 zur Eröffnung der „Tivoli Lichtspiele“ an der Iburger Straße 88. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte das Gesellschaftshaus mit Konzertgarten und Kaffeeveranda noch zu den beliebtesten Ausflugszielen der Stadt gezählt. Aber auch als „Puschenkino“ erfreute sich das „Tivoli“ lange Zeit allgemeiner Beliebtheit bis zur Schließung im Jahr 1967.

Mit dem „Roxy“ kehren wir noch einmal ins Arbeiterviertel Schinkel zurück. Am 1. Oktober 1954 eröffnete dort Josef Struchtrup das kleinste seiner drei „R-Kinos“ („Rosenhof“ und „Ritz“). Zum Eröffnungspreis von 1,25 DM konnten die Schinkelaner den mit 550 Plätzen ausgestatteten Neubau kennenlernen. Als das Fernsehen die Zuschauerzahlen auch im „Roxy“ dramatisch drückte, wurde im Januar 1963 aus dem schönen Stadtteilkino ein schnöder Supermarkt, der noch lange Zeit „Roxi-Markt“ hieß.


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