Die Stadt als Krönung Großflächiges Fassadenbild an der Bohmter Straße

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Größer als geplant: 
              
              Hauseigentümer und Auftraggeber Helmut Billmann (links) mit Künstler Tobias Kirchhof vor dem Fassadenbild an der Bohmter Straße 3. Foto: Jörn MartensGrößer als geplant: Hauseigentümer und Auftraggeber Helmut Billmann (links) mit Künstler Tobias Kirchhof vor dem Fassadenbild an der Bohmter Straße 3. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Mehr als nur ein Farbtupfer: Das großflächige Fassadenbild des Streetart- und Graffiti-Künstlers Tobias Kirchhof alias Talis am Hause Bohmter Straße Nummer 3 ist ein echter Hingucker geworden – mit dreifachem lokalen Bezug zur Friedensstadt.  

Dabei sei das Ergebnis schon anders und vor allem größer geworden als geplant, berichtete Hauseigentümer und Auftraggeber Helmut Billmann von einem Entwicklungsprozess bei der feierlichen Vernissage vor dem Haus mit darin eingebundenen Bewohnern und Nachbarn sowie Gitarrenmusik und Gurken aus der ehemaligen Fabrik auf der anderen Straßenseite. Die Idee, die weiße Häuserwand überhaupt bemalen zu lassen, kam ihm und seiner Frau bei einem Urlaub in Berlin. Von einer langen, „komplett bemalten“ Häuserwand war das Paar so beeindruckt, dass sie den Fachbereich Kunst der Universität Osnabrück damit beauftragten, ein entsprechendes Projekt für ihr eigenes Haus auszuschreiben. Als sich daraufhin Tobias Kirchhof alias Talis meldete, wuchs aus dem ursprünglichen Plan, nur den unteren Streifen der vorderen Fassade künstlerisch zu gestalten, die Idee, die gesamte große Weißfläche der Seitenfassade für das Vorhaben zu nutzen.

Freundlicher Schutzpatron

Per Computeranimation tüftelte der in Osnabrück lebende Münsteraner ein Motiv aus, das sich in seine ohnehin geplante Reihe „Where my head is – is my home“ einfügen sollte. Dabei war der markante Charakterkopf, der nun auf die Bohmter Straße blickt, zunächst nicht ganz so freundlich wie im Endergebnis. Vor allem aus dem benachbarten Praxishaus für Kinder- und Jugendtherapie kamen so nicht erwartete Bedenken, dass das Motiv Angst auslösen und belastend wirken könnte. Den Einwand hat Kirchhof, der hauptberuflich als Tätowierer arbeitet, gern aufgegriffen und es schließlich so kindgerecht und farbenfroh gestaltet, dass es sich nun sogar therapeutisch nutzen lässt. Für Diskussionen wird es ohnehin sorgen, denn zu sehen sind rund um die von einer weißen Sonne bestrahlten Figur, die ihr Erschaffer auch als „Schutzpatron der Friedensstadt“ verstanden wissen möchte, typische Bauwerke eben dieser – als buchstäbliche Krönung das Rathaus des Westfälischen Friedens, das Heger Tor und der Dom St. Peter auf dem Kopf. Verbunden durch das Osnabrücker Rad, läuft das Motiv mit einer Reihe von Hasen um die Ecke, die auch den Flusslauf durch die Stadt versinnbildlichen sollen.

Rückeroberung von Werbeflächen

„Gut umgesetzt“ findet Hausbewohner Kai Rohloff die Idee mit der Krone als „Synonym für die Stadt“, während Samar al Ibadi, die nun ebenfalls im Erdgeschoss „öwer de Hasen“ wohnt, die „freundlichen Augen“ des Gesichts besonders gefallen. Dass die Figur nicht jedem gefällt, ist für Tobias Kirchhof kein Problem, der seine Kunst ohnehin „nicht zu gefällig“, sondern eigenwillig auch als Gegenpol von Werbung und „Rückerorberung“ der dafür verwendeten Flächen platzieren möchte. „Je mehr man erkennen konnte, desto positiver fiel die Resonanz aus“, berichtet er von nicht immer freundlichen Reaktionen von Passanten während der zweiwöchigen Arbeit, für die eigens ein Gerüst gemietet wurde und bei der ihm zwei ehemalige Kunst-Kommilitonen geholfen haben. Sven Masche vom Haus gegenüber dürfte nun nicht der einzige sein, der sich darüber freut, nicht mehr auf eine weiße Wand zu gucken, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt.


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