Abschied von der Ursulaschule Osnabrücker Schulleiter Rolf Unnerstall geht in Ruhestand

Von Luisa Kiskemper

Keine Lernfabrik und kein Aufbewahrungsort soll Schule sein – dafür hat sich Rolf Unnerstall als Leiter der Ursulaschule eingesetzt. Foto: André HavergoKeine Lernfabrik und kein Aufbewahrungsort soll Schule sein – dafür hat sich Rolf Unnerstall als Leiter der Ursulaschule eingesetzt. Foto: André Havergo

Osnabrück. Ende und Neuanfang zugleich: Rolf Unnerstall, der bisherige Leiter der Osnabrücker Ursulaschule, ist am Freitag mit einem Festakt in der Aula des Gymnasiums in den Ruhestand verabschiedet worden.

2009 hatte Unnerstall die Stelle als Konrektor übernommen, ein Jahr später stieg er zum Schulleiter auf. In der voll besetzten Aula feierten über 100 Gäste nun gemeinsam mit dem scheidenden Rektor Abschied. Zwischen den Reden sorgte eine Unnerstall-Parodie von Schülern für Lacher und eine A-cappella-Version von Beyoncés Hit „I Was Here“ für Gänsehaut.

Auch die Schul-Big-Band Unicorns war dabei, die den musikalischen Auftakt der Verabschiedung erledigte. „Herr Unnerstall war immer offen“, lobte Abiturient und Bandmitglied Tom Schmutte, „beim Abistreich durften wir sogar die gesamte Schule verbarrikadieren“.

Kreuz aus Dienstzimmer überreicht

Bei der Eröffnungsrede der stellvertretenden Schulleiterin Marlies Funke wurde der Respekt des Kollegiums deutlich. „Ich überreiche dir das Kreuz aus deinem Arbeitszimmer, das ich selbst gerne gehabt hätte. Ich denke aber, dass es gut ist, wenn du es bekommst. Das Kreuz soll Halt und Stütze für dich sein.“

Unnerstall war vor der Zeit als Schulleiter an der Ursulaschule lange Jahre am Carolinum tätig, wo er seinerzeit selbst das Abitur abgelegt hatte. Caro-Schulleiter Helmut Brandebusemeyer witzelte deshalb: „Der Wechsel vom Carolinum zur Ursulaschule war erst ein Schock, doch carolinischer Geist tut der Ursulaschule gut.“

„Gerne Pädagoge und Schulleiter“

„Ich bedanke mich für die warmen und netten Worte“, sagte Unnerstall. Das Kollegium habe ihm die Arbeit leicht gemacht, und er könne alle Komplimente nur direkt wieder zurückgeben. „Ich bin gerne Pädagoge und Schulleiter“, beschrieb Unnerstall seine Gemütslage. Doch: „Da ist auch eine Vorfreude auf ein Leben ohne Vorschriften und ohne eine bestimmte Sinngebung.“

Die Wertschätzung der jungen Menschen sei stets Antrieb für seine Arbeit gewesen. „Wenn man offen und authentisch auf die jungen Menschen eingeht, dann bekommt man ganz viel Kraft zurück.“ Alle Schüler hätten ihm diese Kraft gegeben, um weiterzumachen. „Dieses gemeinsam Neugierigsein und zu sehen, wie junge Menschen zu Persönlichkeiten werden, das war über all die Jahre mein Motor.“ Abschließend stellte Unnerstall klar: „Qualität an deutschen Schulen kann es nur geben, wenn den Lehrkräften und den Schülern Raum für Eigeninitiative gegeben wird. Damit Schule keine Lernfabrik ist oder ein Aufbewahrungsort, sondern ein Ort, an dem mit Muße gelernt wird. Dann entsteht eine Schulgemeinschaft, die unter die Haut geht.“