Von Natur aus neugierig: Musikerin Wu Man Chinesische Musik bei der Eröffnung des Morgenland Festivals

Von Tom Bullmann

Pipa-Spielerin Wu Man tritt beim diesjährigen Morgenlandfestival in Osnabrück auf. Foto: Swaantje HehmannPipa-Spielerin Wu Man tritt beim diesjährigen Morgenlandfestival in Osnabrück auf. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück Beim Eröffnungskonzert wird man sie nur in den vordersten Besucherreihen sehen können: Die mit Spezialklebeband befestigten Celluloid-Fingernägel, mit denen Musikerin Wu Man die Saiten der Pipa, der chinesischen Schalenhalslaute, zupft.

„Echte Fingernägel brechen innerhalb kürzester Zeit, wenn man mit ihnen die Stahlsaiten der Pipa anschlägt“, sagt die Musikerin. Zusammen mit ihrem Landsmann Wu Wei wird sie in der Marienkirche auftreten, um den Zuhörern traditionelle chinesische Musik zu präsentieren.

Eine der besten Pipa-Virtuosinnen der Welt

Während die in den USA lebende Wu Man als eine der besten Pipa-Virtuosinnen der Welt gilt, wird Wu Wei das Morgenland-Publikum mit dem Spiel der chinesischen Mundorgel Sheng vertraut machen. „Der Dialog dieser beiden Instrument im Duett ist ausgesprochen selten und wird auch für uns beide voller Überraschungen sein“, sagt Wu Man während einer Probe und wechselt von einer traditionellen Spielweise zu Tonfolgen, die den Ohren des Europäers vertrauter vorkommen.

„Von Natur aus neugierig“

„Ich bin von Natur aus neugierig. Daher habe ich mich nach meiner Übersiedlung in die USA intensiv mit moderner westlicher Musik auseinandergesetzt“, so die 55-jährige Musikerin. Berühmte Vertreter der Minimal Music wie Terry Riley und Philip Glass schrieben für Wu Man Kompositionen.

Daher werden die beiden Musiker beim Konzert im Rahmen des Morgenland-Festivals nicht nur traditionelle chinesischen Stücke spielen, sondern auch eigene, modernere Kompositionen mit improvisatorischen Elementen.

Aus der „Box“ nach Amerika

Auf die Frage, warum sie 1990 ihre Heimat verlassen hat, um in den USA zu leben, antwortet Wu Man: „Ich wollte aus dieser Box heraus, in der ich in China gelebt habe. Damals war ich Studentin, als der berühmte Violinist Isaac Stern bei uns eine Masterclass hielt. Er hat uns erklärt, was ein Freelancer ist, ein freischaffender Musiker. Wir kannten nur den Job als Orchestermusiker. Da habe ich den Entschluss gefasst, nach Amerika zu gehen und als Freelancer zu arbeiten.“

Jahrelang tingelte sie durch Schulen, Krankenhäuser und Kulturzentren, um einem Publikum chinesische Musik vorzuspielen, das im besten Fall Bruce Lee mit China assoziierte. Ihr Mut wurde belohnt. Bald war sie so anerkannt, dass sie von Bill Clinton ins Weiße Haus eingeladen wurde: „Zusammen mit Yo-Yo Ma habe ich dort 1998 anlässlich des ersten Besuch eines chinesischen Staatschefs in Amerika gespielt.“

Trifft in Osnabrück alten Bekannten

In Osnabrück trifft sie einen alten Bekannten: Kinan Azmeh, langjähriger Klarinettist der Morgenland Allstar Band, hat bereits mit ihr zusammen im Silk Road Ensemble musiziert. Auf die Namensähnlichkeit mit ihrem Kollgen Wu Wei angesprochen, der in Berlin lebt, antwortet sie mit einem Lächeln auf den Lippen: „Wir kommen aus derselben Region Chinas und haben unsere Wurzeln wohl in derselben Familie. Aber die hat vor mindesten 500 Jahren existiert.“


Morgenland Festival - Eröffnungskonzert mit Man & Wu Wei und dem Ensemble Khazar: 15. Juni, 20 Uhr, St. Marien. Restkarten an der Abendkasse.