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15.06.2018, 12:22 Uhr KOLUMNE

Wie eine Ente ihre Küken sicher durch den Osnabrücker Berufsverkehr führte

Von Benjamin Beutler


Diese Entenfamilie spazierte am Freitagmorgen in Osnabrück durch den Berufsverkehr. Foto: Benjamin BeutlerDiese Entenfamilie spazierte am Freitagmorgen in Osnabrück durch den Berufsverkehr. Foto: Benjamin Beutler
Benjamin Beutler

Osnabrück. Osnabrück. Am Freitagmorgen spazierte eine Ente gefolgt von acht Küken über den Neuen Graben in der Osnabrücker Innenstadt. Unser Reporter Benjamin Beutler folgte der Entenfamilie, um ein Unglück im Berufsverkehr zu verhindern.

Freitagmorgen, letzter Arbeitstag der Woche, ab aufs Fahrrad. Ich fahre auf der Martinistraße Richtung Innenstadt. Halt! War das gerade wirklich eine Ente mit acht Küken im Anhang, mitten auf dem Neuen Graben? 

Ich fahre in Gedanken ein Stück weiter, dann mache ich am Neumarkt kehrt. Tatsächlich: Eine Entenfamilie im Berufsverkehr - ob das gut geht? Am Schlosswall angekommen, hat das Muttertier ihre Gefolgschaft bereits sicher über die erste Fahrbahn geleitet. Jetzt watschelt der Tross über den Grünstreifen Richtung Schnatgang, mit der offensichtlichen Absicht, auch die nächste Fahrbahn zu überqueren. 

Ich entscheide mich, auf Nummer sicher zu gehen und wähle den Notruf. In dem Moment nutzt die Entenmutter eine Rotphase, um den Schlosswall zu queren - vorbildlich! Alle acht Küken drängeln hinterher und kommen heil auf der anderen Straßenseite an. Währenddessen sagt mir der Mitarbeiter der Leitstelle am Telefon, dass er ein Team los schickt.

Zielgerichtet gen Westen

Für die Enten geht der Weg weiter. Auf dem Schnatgang folgt der Nachwuchs Mutter Ente Richtung Westen. Sehr zur Entzückung einiger Passanten, die immer wieder ihr Handy zücken, um Fotos von dem tierischen Tross zu machen.

Im Sicherheitsabstand folge ich der Entenfamilie den Schnatgang entlang bis zur Parkstraße. Mutter Ente macht an der Straße Halt, blickt erneut nach links und rechts, wartet und watschelt im passenden Moment los. Die Querung der Parkstraße meistern die Tiere ebenfalls mit Bravour.


Bis zum rettenden Ufer am Wüstensee sind es noch etwa 300 Meter. Damit auf der Zielgeraden nicht noch ein Unglück passiert, eskortiere ich die Entenmutter und ihren Nachwuchs noch ein Stück.


Wir passieren die Kiwittstraße und die Wüstenstraße. Die grünen Ausläufer des Wüstensees sind in Sichtweite. Die Mitarbeiter der Feuerwehr treffen ein. Eingreifen müssten sie an dieser Stelle nicht mehr, sagt einer der Einsatzkräfte; das Muttertier könne erschreckt werden und die Küken zurücklassen. Sie begleiten die Tiere noch ein Stück mit dem nötigen Sicherheitsabstand.

Ich verabschiede mich mit einer neuen Erkenntnis: Die Enten haben sich längst an das Stadtleben gewöhnt, inklusive Verkehrsregeln. Vielleicht war der Ausflug geplant, um den Nachwuchs auf das Leben als Ente in der Stadt vorzubereiten. 


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